Software-Chaos im Betrieb? Neue Plattform will Tools vernetzen
Das Forschungsprojekt „Kinchi“ soll Handwerksbetrieben mit KI und Cloud-Technologie den digitalen Alltag erleichtern – ohne Systemwechsel, aber mit echtem Zeitgewinn.
Auf einen Blick
Digitalisierung könnte so einfach sein – wenn denn die verschiedenen Software-Tools miteinander vernetzt wären. Häufig ist der Alltag im Handwerksbetrieb ein anderer: Mühsam müssen Daten wie geleistete Arbeitsstunden, Adressen oder Kundenbewertungen per Hand von einem Programm ins andere übertragen werden. Das dauert lange und schnell passieren Fehler.
Das Problem: Damit die unterschiedlichen Programme Daten austauschen können, braucht es eine Verbindung, eine so genannte Schnittstelle. Um alle Tools in einem Betrieb zu verknüpfen, wäre also eine Vielzahl von Schnittstellen nötig: Laut Experten gibt es im Handwerk mehr als 190 verschiedene Software-Anwendungen – mit Eins-zu-eins-Schnittstellen lässt sich diese Komplexität nicht verbinden.
Digitale Auftragsabwicklung und mehr Zeit fürs Kerngeschäft
Hier will jetzt ein Forschungsprojekt Abhilfe schaffen. „ Kinchi “ steht für „KI und Auftragsabwicklung in der Cloud, Handwerkerapps clever integriert“. Elf Partner haben sich zusammengeschlossen, darunter die Hochschule Offenburg, Softwarepartner wie Craftnote und Wirsindhandwerk.de, aber auch vier Handwerksbetriebe . Sie entwickeln eine Cloud-Plattform, die bestehende Software-Tools eines Betriebs im Hintergrund miteinander verknüpft.
„Die Handwerker können weiterhin mit ihren gewohnten und auf ihr Gewerk spezialisierten Softwarelösungen arbeiten, während die Plattform für den reibungslosen Datenaustausch sorgt“, sagt Moritz Storck von Wirsindhandwerk.de. KI-Services sollen zudem Abläufe noch weiter vereinfachen. Kinchi will so Handwerkern die Digitalisierung ihrer gesamten Auftragsabwicklung ermöglichen – und ihnen damit wertvolle Zeit freischaufeln, die fürs Kerngeschäft genutzt werden kann.
Einmal anmelden, alles verknüpfen
Konkret bedeutet das: Der Handwerksbetrieb meldet sich einmalig auf der Plattform an. Dann können die Tools, die der Betrieb nutzt und die er verknüpfen will, ausgewählt werden. „Nur diese Programme werden dann miteinander verbunden“, sagt Storck. Wichtig ist ihm zu betonen, dass immer der Handwerker entscheidet, welche Tools verbunden und welche Daten ausgetauscht werden. Es werde auch möglich sein, dass die Plattform Lücken in der Digitalisierung des Betriebs erkennt und Lösungen vorschlägt. „Ob sie angenommen werden, entscheidet wiederum der Betrieb“, so Storck.
Die Grundlage für Kinchi bildete ein Referenzprozess, der alle Schritte der Auftragsabwicklung im Bereich Bau und Ausbau abbildete - von der Kundenakquise bis zum After-Sales . „Dabei waren wir natürlich auf den Input der beteiligten Handwerksbetriebe angewiesen“, sagt Storck. Ein Fliesenleger, eine Schlosserei, ein Sanitärbetrieb und eine Tischlerei sind dabei. So sollte die gesamte Breite der Bau- und Ausbaubranchen abgebildet werden, auch was die Betriebsgrößen und die regionale Verteilung betrifft.
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Neugierig geworden? Testbetriebe sind willkommen
Mittlerweile ist das Projekt in der Testphase angekommen: „Auch hier liefern uns die Betriebe wertvolle Informationen“, betont Storck. Was funktioniert? Wo hakt es? Wie lassen sich die Lösungen tatsächlich im Alltag umsetzen? Schließlich soll die Plattform auch in der Praxis echte Erleichterung bringen und genutzt werden.
Anfang kommenden Jahres werde es erste vorzeigbare Ergebnisse geben, verspricht Storck. Für alle, die schon jetzt mehr wissen wollen, gibt es die Möglichkeit, sich als Testbetrieb zu melden. „Wir freuen uns über jeden Input“, sagte der Digitalisierungsexperte. Interessierte Betriebe können sich per Mail an ihn bei Wirsindhandwerk.de wenden.
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