Leidenschaft für Holz und für Saunen
Seit 50 Jahren gibt es die Tischlerei Hamann in Lütau. Ralf Hamann hat 1996 den traditionellen Betrieb seines Vaters übernommen und erkannt: Er möchte mehr.
Auf einen Blick
Wenn Tischlermeister Ralf Hamann in seinem Showroom „Saunawerk Hamburg“ von seiner aktuellen Geschäftsidee erzählt, zeigt sich ein Strahlen in seinem Gesicht. „Im Saunawerk gebe ich den Menschen Einweisungen in ihre Sauna. Die Kunden sind begeistert und man bekommt unheimlich viel zurück“, sagt der 56-Jährige. Er sieht in diesem neuen Geschäftsbereich mit Infrarotkabinen und Saunen inzwischen seine berufliche Erfüllung als Tischler. Vor vier Jahren hat er sich dieses Standbein erschlossen – obwohl er seit 1996 den gut laufenden Tischlereibetrieb Hamann „Ihr Spezialist für schönes Wohnen“ in Lütau führt. Diesen hatte sein Vater Hermann Hamann im Jahr 1975 in der Gemeinde in Schleswig-Holstein gegründet.
Warum dann dieser Schritt zu einem Showroom in Hamburg? „Die Tischlerei allein erfüllt mich nicht“, sagt der Inhaber. Sein Weg sei vorgezeichnet gewesen: „Mein Vater war Tischler, ich bin da quasi in den Beruf reingewachsen und damit groß geworden“, berichtet Hamann. So folgte die Lehre in Lauenburg in Schleswig-Holstein bei der Tischlerei Horstmann. „Nach der Ausbildung habe ich fünf bis sechs Jahre in Hamburg und Umgebung als Tischler gearbeitet“, so Hamann.
Nach der Meisterprüfung folgte dann die Übernahme des väterlichen Betriebs. Anfangs führte der Sohn die Tischlerei so weiter, wie sein Vater sie ihm überlassen hatte. Fenster und Türen, Möbelbau, Innenausbau, Büro- und Ladenbau, Bautischlerei und Reparaturen bietet der Betrieb heute an. Zu den Kunden der Bautischlerei zählen etwa Kommunen und Privatpersonen im Norden.

Erweiterung des klassischen Repertoires
Dann standen Veränderungen im Unternehmen an: Der Inhaber eröffnete 2016 eine Ausstellung in Lütau. Er erweiterte das klassische Repertoire um hochwertige Handwerkserzeugnisse von Drittanbietern. Und: „Ich habe mich mit Schlafsystemen beschäftigt“, erzählt der 56-Jährige. In einem Fernsehformat fiel ihm ein österreichisches Unternehmen auf. Er reiste ins Nachbarland und schaute sich die Bettensysteme vor Ort an.
Der Tischler war überzeugt von der Geschäftsidee. Guter Schlaf ist seiner Meinung nach wichtig und so fiel sein Entschluss: „Die Koje von Christian Leidinger bringe ich von Österreich nach Hamburg.“ Hamann war klar: Das Bettengeschäft hätte in Lütau nicht funktioniert. „Da kommt kaum jemand vorbei“. So stand der Entschluss, sich Richtung Hamburg zu orientieren. Hamann eröffnete dort zunächst ein halbes Jahr lang einen Pop-up-Store. 2019 fand er dann in der Steinstraße in der Hamburger Innenstadt eine Ladenfläche, um Zirbenholzbetten auszustellen.

Vom Scheitern und Neuanfang
„Die Betten waren jedoch ein absolutes Nischenprodukt. Ich habe zu wenig verkauft“, sagt Hamann rückblickend. Wirtschaftlich gesehen sei dieses Standbein für sein Unternehmen nicht schlimm gewesen. „Ich achte sehr auf die Zahlen. Aber es rechnete sich nicht“, so Hamann. Diese Erfahrung sei für ihn als Unternehmer, der vom Produkt überzeugt ist, nicht witzig gewesen. Er habe viel investiert. Doch: „Das Scheitern gehört dazu“. Den Hamburger Laden wollte er dennoch behalten.
So entwickelte Hamann eine weitere Geschäftsidee: „Ich bin wieder nach Österreich gefahren. Dieses Mal, um mich über Saunen und Infrarotkabinen zu informieren“, fährt Hamann fort. Von dort brachte er sein neues Standbein mit. Seit vier Jahren nun laufe das „Saunawerk Hamburg“ gut. Im Showroom organisiert er Termine mit Kundinnen und Kunden, außerdem veranstaltet er regelmäßig Schautage. Seine Tischlerei fertigt Saunen für Privatkunden und Saunazubehör. Außerdem installiert das Team die Saunen fachgerecht und berät rund um das Produkt Infrarotsauna. Während Hamann davon erzählt, lugen immer wieder interessierte Fußgänger in den Showroom. „Die Saunen und die Aufmachung des Schaufensters mit Möbelzubehör für die Saunen sorgen für viel mehr Interesse als die Betten damals“, stellt Hamann fest.

Marketing, Mentoring, Mitarbeiter
Mit der Entwicklung seines Unternehmens ist Hamann zufrieden: „Die Erweiterung des Betriebs war nötig.“ Nicht nur finanziell sei dies ein wichtiger Schritt gewesen, sondern auch für ihn persönlich. Er nennt den Showroom einen „Meilenstein“. Zudem habe er eine Agentur beauftragt, um das Marketing seines Unternehmens und die Website der Tischlerei voranzubringen. Ein Mentor, der mit Tischlereien zusammenarbeitet, wirft einen wirtschaftlichen Blick von außen auf das Unternehmen. Er analysiert mit Hamann außerdem Ziele und schärft Ideen des Tischlermeisters.
Den Erfolg seines Unternehmens macht Hamann vor allem an seinen Mitarbeitenden fest: „Von meinen Mitarbeitenden hängt der Betrieb ab.“ In Zeiten von Fachkräftemangel sei es wichtig, die Menschen zu halten. „Sie sind mein größtes Gut“. Sein Betrieb habe immer drei Auszubildende – in jedem Lehrjahr jeweils einen. „Das ist das Wichtigste. Wir müssen ausbilden“, so Hamann. Zwei seiner sechs Gesellen habe das Unternehmen selbst ausgebildet.
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Engagement für Nachwuchstischler
Hamann engagiert sich zudem als Lehrlingswart, wirbt auf Veranstaltungen wie beispielsweise beim „ Tag des Handwerks “ für seinen Betrieb. „Die Außendarstellung ist wichtig, dass die Lehrlinge gerne zu einem kommen“, sagt Hamann. In seiner Bautischlerei sei das Besondere, dass die Gesellen und Lehrlinge viel unterwegs seien, sodass die Werkstatt oft verwaist sei. „Das muss der Lehrling mögen.“ Jedoch: „Die Ausbildung ist abwechslungsreich. Wir bilden Allrounder aus“, beschreibt er.
Sein Unternehmen bilde zudem regelmäßig weibliche Lehrlinge aus. Eine weitere Auszubildende fing vor kurzem im ersten Lehrjahr an. Stolz ist er auch auf einen seiner Auszubildenden im dritten Lehrjahr, Ansgar Möller, der jüngst als Innungsbester im Herzogtum Lauenburg ausgezeichnet wurde.
Unternehmerischer Blick in die Zukunft
Hamann ist passionierter Marathonläufer und ehemaliger Bürgermeister von Lütau. Für die Zukunft hat der Handwerksunternehmer noch viel vor. Potenzial sieht er im weiteren Ausbau des Marketings für seine Tischlerei. Und was sind die weiteren Pläne? „Wer weiß, wie das Saunawerk Hamburg noch wächst? Mal sehen, wo die Reise hingeht“, sagt Hamann. Auf den Herbst blickt er erwartungsvoll: „Die Saunasaison geht los. Ich freue mich darauf.“
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