VSME-Richtlinie

Nachhaltigkeitsberichterstattung: KMU-Standard soll kommen

Betriebe erhalten schon jetzt Anfragen zum Thema Nachhaltigkeit. Damit ihr Aufwand nicht zu hoch wird, soll es Mitte des Jahres Unterstützung in Form eines digitalen Tools geben.

3 Min.25.02.2025, 01:00 Uhr (Aktualisiert am 20.02.2026, 15:39 Uhr)
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Betriebe in der Lieferkette größerer Unternehmen sollten sich besonders mit dem Thema Nachhaltigkeitsbericht befassen.
Betriebe in der Lieferkette größerer Unternehmen sollten sich besonders mit dem Thema Nachhaltigkeitsbericht befassen. doidam10 - stock.adobe.com
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Auf einen Blick

„Die Berichtspflichten für Große werden an die Kleinen weitergeleitet“, kritisiert ZDH-Generalsekretär in Bezug auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Mitte 2025 soll es einen freiwilligen Standard für nicht-berichtspflichtige Unternehmen geben. Der ZDH macht sich dafür stark, dass der Aufwand für kleine Betriebe so gering wie möglich bleibt.

Unterstützung für KMU gibt es auch vom ZDH: In Zusammenarbeit mit der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk e. V. (ZWH) wird derzeit ein neues Tool entwickelt.

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Das Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung gewinnt in 2025 an Relevanz. Handwerksbetriebe sind zwar nur selten berichtspflichtig – doch über Lieferketten können auch sie betroffen sein. Der Grund: Berichtspflichtige Unternehmen müssen Angaben zu vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsketten machen. Das kann auch Handwerksbetriebe einschließen, wenn sie die entsprechenden Fragen- und Nachweiskataloge weitergeleitet bekommen.

Nachhaltigkeitsberichterstattung: Wann Handwerksbetriebe gefordert sind

Laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) bekommen einige Betriebe schon jetzt Anfragen – beispielsweise von anderen Unternehmen, Banken , der Öffentlichen Hand oder Versicherungen. Der ZDH setzt sich dafür ein, dass kleine Betriebe von der Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung ausgenommen werden.

Auf einer Fachtagung zu dem Thema im Januar erläuterte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke beispielhaft, inwiefern es kleine Betriebe treffen kann: Er nannte den Metzger, der für einen Konzern das Catering bereitstellt. Da der Konzern darlegen müsse, welche Zutaten er für sein Catering verwendet, sei der Handwerksbetrieb in der Lieferkette. Oder der Lackiererbetrieb, der im Auftrag von berichtspflichtigen Versicherungen in der Schadensabwicklung tätig ist. Auch der Konditor, der für einen Autokonzern Pralinenschachteln liefert, sei mittelbar betroffen.

„Betriebsinhaber müssen sich dafür hinsetzen und nacharbeiten, anstatt ihre eigentliche Arbeit zu machen“, betonte Schwannecke. „Die Berichtspflichten für Große werden faktisch an die Kleinen weitergereicht." Zwar sei Nachhaltigkeit von zentraler Bedeutung. Doch wenn man nicht genau aufpasse, komme es dazu, „dass Betriebe Zeit und Geld für die Erstellung von Berichten verwenden und nicht für weitaus notwendigere Investitionen“.

VSME-Standards sollen Mitte des Jahres vorliegen

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Voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte werde der sogenannte VSME-Standard (Voluntary Sustainability Reporting Standard für SMEs) von der EU-Kommission veröffentlicht. Dabei handelt es sich um einen freiwilligen Berichtsstandard für nicht-berichtspflichtige Unternehmen. Damit Betriebe nicht zu viel Zeit und Energie in die Erstellung solcher Berichte stecken müssen, will der ZDH in Zusammenarbeit mit der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) Unterstützung anbieten: Ein technisches Modul, das Betriebe kostenfrei nutzen können, sollen die Berichtserstellung erleichtern.

KMU-Modul soll Handwerksbetriebe entlasten

Mit Betrieben und Experten aus dem Handwerk arbeite der ZWH an diesem digitalen Tool. Es soll mit Hilfe einer eigenen Künstlichen Intelligenz (KI) und durch die Beantwortung von Multiple-Choice-Fragen Nachhaltigkeitsberichte erstellen. Das sogenannte KMU-Modul soll an den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) angebunden sein. Vorgesehen sei, dass es den gängigen Datenschutzrichtlinien entspricht und eine Schnittstelle zu alle relevanten Tools im Handwerk hat, die Daten für den VSME erheben.

„Im weiteren Verlauf der Entwicklung ist vorgesehen, dass das Modul für andere KMU-Branchenlösungen geöffnet wird“, sagte Juliane Kriese, Bereichsleiterin Fachkräfte und Betriebe beim ZWH. So sei es denkbar, gewerkespezifische Adaptionen vorzunehmen oder auch die grafische Anpassung an Verbände- oder Branchenmaterialien im Marketingbereich voranzutreiben. Auch eine Vorauswahl der Fragen in einigen Gewerken sei vorgesehen.

Um sich weiter auf das Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung vorzubereiten, könnten Betriebe auf die Betriebsberatung der Handwerkskammern zurückgreifen. Die Berater weisen dabei beispielsweise auf den „Selbstcheck für Betriebe“ wie auch das Tool „Nachhaltigkeit im Handwerk 360°“ hin. In der Umweltberatung der Handwerkskammern würden zudem das „E-Tool“ und die „Klima-Ampel“ genutzt. Sobald die Startseite des KMU-Tools fertiggestellt sei, werde sie ebenfalls in der Betriebsberatung genutzt, stellte Kriese klar. Das Ziel sei es, zeitgleich zur Veröffentlichung der VSME-Standards im Sommer auch die Website freizuschalten.

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Martina Jahn
Martina Jahn

Autor für IT und Gewerke