Diese 5 Versicherungen brauchen Sie für Ihren Betrieb
Ihr Handwerksbetrieb braucht mehr Schutz als nur eine Betriebshaftpflichtversicherung. Doch welche weiteren Versicherungen sind sinnvoll?
Auf einen Blick
Wer einen Handwerksbetrieb führt, sollte auch die Risiken kennen und entsprechend vorsorgen. Mit den nötigen Versicherungen lassen sich Schadensfälle absichern. Versicherungsberater Jörg Huhsmann , Mitglied im Bundesverband der Versicherungsberater, berät Handwerksbetriebe zum Thema Versicherungsschutz und weiß, worauf es ankommt. Hier nennt er fünf Versicherungen, die wichtig sind und welche Risiken sie absichern.
1. Betriebshaftpflichtversicherung: Schutz vor Personen- und Sachschäden
Die Betriebshaftpflichtversicherung ist keine Pflicht, wird aber von vielen Handwerkskammern in Deutschland empfohlen. Und auch Versicherungsberater Huhsmann sagt: „Oft müssen Handwerker einen diesbezüglichen Versicherungsnachweis bringen, um sich überhaupt an Ausschreibungen beteiligen zu können.“
Er weist darauf hin, dass „über die Betriebshaftpflicht existenzielle Risiken abgesichert werden.“ Diese Versicherung bewahrt den Betrieb vor finanziellen Verlusten, wenn im Arbeitsalltag Personen oder Dinge zu Schaden kommen. Und das kann schnell passieren:
- Eine beschädigte Wasserleitung bei der Installation einer Küche.
- Ein Werkzeug, das von einem Gerüst auf das Auto des Kunden fällt.
- Eine fehlerhafte Elektroinstallation, die einen Kurzschluss verursacht.
Die Kosten für eine Betriebshaftpflichtversicherung starten laut Huhsmann bei 300 bis 600 Euro pro Jahr für einen kleinen Betrieb und können je nach Unternehmensgröße und Jahresumsatz auch bis zu 50.000 Euro jährlich betragen – abhängig von Versicherungssumme, Selbstbeteiligung und Leistungsumfang.
Die eine beste Versicherung gibt es dabei nicht – entscheidend sind die individuellen Anforderungen des Betriebs. Huhsmann empfiehlt: „Gerade bei Handwerkern sollte auf eine passende Absicherungshöhe und gute Formulierung der Klausel für Tätigkeitsschäden, insbesondere auf fremden Grundstücken, geachtet werden.“ Denn: einige Anbieter schließen Tätigkeitsschäden zunächst aus, daher müssten sie im Antrag aktiv wieder eingeschlossen werden. Entscheidend sei, dass die Risikobeschreibung die tatsächliche Arbeit wie zum Beispiel Dachdeckerarbeiten korrekt enthält.
2. Betriebsunterbrechungsversicherung: Eigene Einnahmen und Kosten absichern
Die Betriebsunterbrechungsversicherung hebt Berater Huhsmann ebenfalls hervor. Sie greift, wenn ein Betrieb seine Geschäftstätigkeit aufgrund eines Schadens nicht fortführen kann. Typische Auslöser sind:
- Feuer
- Hagel
- Sturm
- Einbruchdiebstahl
- Leitungswasser
- Schäden durch Starkregen oder Hochwasser
Während einer solchen unfreiwilligen Pause laufen Kosten wie Gehälter, Zinsen und Büromiete trotzdem weiter. Die Versicherung ersetzt in der Zeit den entgangenen Betriebsgewinn, sodass laufende Fixkosten gedeckt werden können.
3. Betriebsinhaltsversicherung: Schutz für Ausstattung und Lagerbestände
Jörg Huhsmann sagt, dass auch eine Betriebsinhaltsversicherung sinnvoll ist, „sofern entsprechende Sachwerte im Unternehmen vorliegen.“ Angefangen bei Möbeln bis hin zu Maschinen, Werkzeugen und mehr, schützt die Inhaltsversicherung Gewerbe vor Schäden, die durch einen dieser Umstände entstehen:
- Feuer
- Einbruchdiebstahl
- Raub
- Vandalismus
4. Cyberversicherung: Schutz vor digitalen Risiken
Eine Cyber-Risk-Versicherung mit Eigenschadendeckung/Betriebsausfall –auch als Internethaftpflichtversicherung bekannt – ist laut Berater Huhsmann ebenfalls sinnvoll. Mit einer solchen Versicherung lassen sich Schäden absichern, die etwa durch das unbeabsichtigte Versenden von E-Mails und daraus resultierende Schäden im eigenen System oder beim Empfänger entstehen. Auch schützt sie vor Ransomware , Phishing und E-Mail-Betrug durch Manipulation, sofern ein direkter Angriff auf die IT-Sicherheit vorliegt.
Damit die Cyberversicherung im Schadensfall zahlt, müssen dem Berater zufolge im Antrag korrekte und vollständige Angaben gemacht werden. Zusätzlich müssen Betriebe die Versicherungspflichten einhalten – wie zum Beispiel die Datensicherung und Patchmanagement vor dem Schadensfall und nötige Meldungen sowie die Überlassung der Verfahrensführung danach.
5. Betriebsgebäudeversicherung mit Elementarschadenversicherung: Betriebsstätte absichern
Gehört eine eigene Immobilie zum Betrieb, sollte diese laut Huhsmann versichert werden. Folgende Risiken können dabei abgesichert werden:
- Feuer
- Sturm
- Hagel
- Leitungswasserschäden
Mit einer Elementarversicherung lässt sich die Betriebsgebäudeversicherung um Schäden durch Naturereignisse wie Starkregen oder Überschwemmungen erweitern. Durch die Vereinbarung von „unbenannte Gefahren“ können alle Ereignisse, die nicht explizit ausgeschlossen sind, versichert werden, so der Berater.
Was müssen Handwerksbetriebe bei ihren Versicherungen noch beachten?
Ein typischer Fehler ist nach Einschätzung von Huhsmann eine fehlerhafte Risikoerfassung, die später zu Problemen bei Schadenszahlungen führen kann.
Unternehmen mit ausreichender Kapitaldeckung sollten außerdem in der Betriebshaftpflichtversicherung eine Selbstbeteiligung vereinbaren, da dies die Beiträge senkt. Kleinere Schäden – laut Huhsmann zum Beispiel bis 500 Euro – können sinnvollerweise selbst getragen werden. Die optimale Höhe der Selbstbeteiligung lasse sich durch Analyse vergangener Schäden – Häufigkeit, Höhe und Ursachen – bestimmen.
Ebenso wichtig sind die Dokumentation von Beratung und Verträgen, die Einhaltung der Versicherungspflichten sowie pünktliche Beitragszahlungen und eine korrekte Risikoerfassung, so Huhsmann.
Tipp für Gründer: Welche Versicherung sollten sie zuerst abschließen?
Für Existenzgründer hat Huhsmann noch einen Tipp. Dem Berater zufolge ist es ratsam, mit einer Betriebshaftpflichtversicherung zu starten. Später – je nach Betriebswachstum und vorliegenden Sachwerten – können dann weitere Versicherungen hinzugefügt werden. So kann der Versicherungsschutz mitwachsen und die monatlichen Kosten sind zunächst überschaubar. Handwerker finden passende Versicherungen am besten über unabhängige Beratung oder erfahrene Makler.
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