Privat krankenversichern: Wann Selbstständige profitieren
Fehler bei der Kassenwahl können teuer werden. Worauf Unternehmer beim Ausstieg aus der gesetzlichen Versicherung achten sollten.
Auf einen Blick
Selbstständige mit einem Monatseinkommen ab 5.812,5 Euro zahlen 2026 durchschnittlich mehr als 1.250 Euro für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Ein Wechsel zu einem privaten Anbieter (PKV) scheint da für viele Unternehmer verlockend. Dort gibt es schon für etwas mehr als die Hälfte deutlich bessere Leistungen. Doch der Schritt will gut bedacht sein. Denn die Entscheidung für den Wechsel in die PKV ist oft eine fürs ganze Leben – und nicht immer eine gute.
Private Krankenversicherung: Im Alter deutlich teurer
Für Selbstständige unter 40 Jahren kann die PKV durchaus attraktiv sein, wenn das Einkommen stabil über der Beitragsbemessungsgrenze (69.750 Euro im Jahr 2026) liegt und keine große Familie geplant ist. Der unabhängige Versicherungsberater Michael Jander gibt aber zu bedenken: „Wer die monatliche Ersparnis zur Seite legt, sollte im Alter keine Probleme bekommen. Doch so sind die meisten nun mal nicht.“ Der Knackpunkt: Während bei der einkommensabhängigen GKV die Beiträge im Rentenalter deutlich sinken, steigen sie bei der einkommensunabhängigen PKV dann noch weiter.
Rechenbeispiel: Bei 2.000 Euro Rente liegt der monatliche Beitrag für die GKV um 300 Euro, bei der PKV je nach Leistungsumfang bei 600 bis 900 Euro. Wer nach Renteneintritt noch 20 oder 30 Jahre lebt, kann also froh sein, wenn er auf das zuvor Ersparte zurückgreifen kann.
Wer darf als Rentner in die GKV wechseln?
Eine Besonderheit in der Beitragsberechnung der gesetzlichen Krankenversicherung ist die 9-Zehntel-Regelung für Rentner: Wer in der zweiten Hälfte des Erwerbslebens zu mindestens 90 Prozent in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert war, darf in die Krankenversicherung der Rentner (KVdR). Dort werden nur Beiträge auf die Rentenbezüge erhoben, andere Einkünfte wie Mieten oder Zinserträge bleiben beitragsfrei.
Unterschiede bei Leistungen und Absicherung der Familie
In der GKV ist die Familie kostenlos mitversichert. Wechselt der selbstständige Hauptverdiener in die PKV, muss sich ein geringfügig beschäftigter Ehepartner selbst gegen Beitrag gesetzlich versichern. Und jedes Kind schlägt nochmal mit rund 250 Euro zu Buche. Das schmälert die Ersparnis erheblich. Gleiches gilt für die Krankengeldversicherung, die im allgemeinen Beitragssatz der GKV mit drin ist, für die man bei der PKV eine Zusatzversicherung abschließen muss.
„Letztlich kommt es auch darauf an, welche Leistungen ich haben möchte“, betont Jander. Schnelle Facharzttermine und eine stationäre Versorgung mit Chefarztbehandlung und Zweibettzimmer in einer Privatklinik gibt es bei den Gesetzlichen nicht.
Eine Alternative für gesetzlich Versicherte sind Zusatzversicherungen, die die Wunschleistungen wie bestimmte Zahnbehandlungen abdecken. „Oder ich bezahle diese Leistungen eben selbst“, schlägt Jander vor. Das könne sich ebenfalls rechnen.
So sparen Unternehmer bei der gesetzlichen Krankenversicherung
Wer mit den Leistungen der GKV zufrieden ist und lediglich Beitrag sparen möchte, kann das auch innerhalb des Systems. Wegen der unterschiedlichen Zusatzbeiträge sind bei einem Wechsel von einer GKV zur anderen gut 100 Euro monatliche Ersparnis drin.
So einfach wie bei der gesetzlichen ist der Wechsel bei der privaten Krankenversicherung nicht: „Wer einmal seinen Versicherer gewählt hat, behält ihn meistens ein Leben lang“, erklärt Jander. Denn bei einem Wechsel von einer PKV zur anderen steigen mit zunehmenden Einstiegsalter die Beiträge, und eine neue Gesundheitsprüfung kommt noch dazu. Allein wenn das Einkommen im Monat auf weniger als 535 Euro sinkt, kommen bisher Privatversicherte in die gesetzliche Familienversicherung des Partners. Ab dem 55. Lebensjahr wird eine Rückkehr praktisch unmöglich, da der Gesetzgeber Mitnahmeeffekte verhindern will.
Versicherungsbeiträge steigen in beiden Systemen
Viele erwägen den Schritt zur PKV nicht zuletzt wegen der immer weiter steigenden Zusatzbeiträge bei den Gesetzlichen. „Dabei geben sich beide Systeme jedoch nichts“, findet Jander. Die Politik und die Öffentlichkeit hätten die Erhöhungen bei den Privaten nur nicht so fest im Blick: „Während die Beiträge bei den Gesetzlichen kontinuierlich steigen, tun sie das bei den Privaten nicht selten sprunghaft.“ Ein Plus von 60 Prozent auf einen Schlag sei dabei schon mal drin.
Somit ist die Entwicklung bei der GKV planbarer, während die PKV zwar kurzfristig günstiger sein kann, jedoch langfristig deutlich höhere und unberechenbare Beitragssteigerungen aufweisen kann.
Deshalb rät der Versicherungsberater Wechselwilligen, die historischen Beitragsverläufe der PKV-Tarife unbedingt zu prüfen. Die geben zwar keine Garantien für die Zukunft, aber zumindest einen Anhaltspunkt.
Für wen also lohnt sich die private Krankenversicherung – und für wen nicht?
- Jüngere Selbstständige unter 40 Jahren mit kleiner Familie profitieren von günstigen Einstiegsbeiträgen und können so Rücklagen für die höheren Kosten im Alter bilden.
- Ab 40 Jahren wird der Wechsel zunehmend riskant, da die langfristigen Beitragssteigerungen die Vorteile überwiegen können.
- Ab 55 Jahren lohnt sich ein Wechsel nicht mehr, da die Rückkehr in die GKV ausgeschlossen ist, die noch zu erzielende Ersparnis zu gering ist und die PKV-Beiträge im Alter sehr hoch werden.
Wahl der Krankenversicherung: Diese Beratungsmöglichkeiten gibt es
GKV oder PKV: Eine falsche Entscheidung kann sehr teuer werden. Deshalb lohnt es sich in jedem Fall, vorab Rat einzuholen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, die jeweils mit Vor- und Nachteilen verbunden sind:
Verbraucherzentrale: neutral, günstig (30 bis 200 Euro), begrenzte Zeit, nicht immer ausreichend für komplexe Fälle.
- Versicherungsberater: umfassend, unabhängig, teurer (600 bis 1.800 Euro), mit vollständiger individueller Risikoanalyse.
- Versicherungsmakler und -vertreter: kostenlos, oft vertriebsorientiert.
- Internet: kostenlos, nur pauschale Ratschläge.
„Wer mehrere Angebote von Versicherungsmaklern und -Vertreter einholt und vergleicht und zusätzlich noch im Internet recherchiert, hat schon eine gute Entscheidungsgrundlage“, meint Jander.

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