Strategie

Digitale Zimmerer: Effizienz von 3D-Planung bis Vorfertigung

Der Hausbau ist eine Spezialität der Zimmerei Burdiek. Dabei setzt sie voll auf digitale Prozesse. Von fotorealistischen Entwürfen bis zur CNC-Fertigung.

4 Min.08.07.2024, 02:00 Uhr (Aktualisiert am 10.02.2026, 14:02 Uhr)
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Die Zimmerei Burdiek plant und baut Häuser in Holzrahmenbauweise. Die Wandelemente werden am Firmensitz vorgefertigt.
Die Zimmerei Burdiek plant und baut Häuser in Holzrahmenbauweise. Die Wandelemente werden am Firmensitz vorgefertigt. Denny Gille
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Auf einen Blick

Die Zimmerei Burdiek hat sich auf den individuellen Holzhausbau spezialisiert. Dabei setzt das Unternehmen auf Digitalisierung von der Planung bis zur Fertigung.

In der Montagehalle werden komplette Wandmodule vorgefertigt. Das spart Zeit und Kosten auf der Baustelle.

Zum Verkauf gehört eine intensive Kundenberatung, von Vorträgen zum Holzhausbau bis zur individuellen Bedarfs- und Finanzanalyse.

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Planen, konstruieren, realisieren: An Vielfalt mangelt es dem Zimmererhandwerk nicht. Markus Burdiek treibt das Leistungsspektrum seines Berufsstands auf die Spitze und errichtet am liebsten komplette Häuser. Die Burdiek-Häuser in Holzrahmenbauweise könnten komplett nach den Vorstellungen des Kunden konstruiert und auf Wunsch schlüsselfertig errichtet werden.

Der Hausbau ist eine persönliche Leidenschaft des Unternehmers. „Am liebsten würde ich nur Häuser bauen“, dachte der gelernte Zimmerer schon im Bauingenieurs-Studium Ende der 90er Jahre – und plante direkt sein erstes Haus. „Das hatte natürlich noch einen viel geringeren Vorfertigungsgrad.“ 2003 wurde er geschäftsführender Gesellschafter an der Seite seines Vaters und baute die Zimmerei Burdiek schrittweise für den Holzhausbau aus.

Digital von Planung bis Fertigung

Eine der wichtigsten Grundlagen dafür wurde in den ersten 30 Jahren nach der Gründung bereits gelegt: Das Grundstück in Damme nördlich von Osnabrück liefert mit 20.000 Quadratmetern viel Raum für die Produktion. Genug, um die Erweiterungen der Produktions- und Bürokapazitäten der letzten Jahre zu beherbergen. Aktuell fertigt das Unternehmen hier mit 35 Mitarbeitenden zehn bis zwölf individuelle Holzhäuser jährlich. Daneben bietet der Betrieb klassisches Zimmererhandwerk an.

Von der Planung bis zum Zuschnitt setzen die Handwerker voll auf Digitalisierung. „Wir zeichnen unsere Häuser digital und können unseren Kunden nahezu fotorealistische Entwürfe zeigen“, sagt Burdiek. In der Konstruktionsphase werde das komplette Haus durchgeplant: Wände, Decken, Ausschnitte für Fenster und Türen; selbst die Positionen von Steckdosen und Heizungsleitungen könnten dabei bedacht werden.

In der Fertigung geht es digital weiter. „Früher haben wir noch Maße mit dem Stift übertragen. Die Zeiten sind lang vorbei“, berichtet Burdiek. Erst im letzten Jahr hat der Betrieb in eine neue Abbundanlage investiert. Ausgestattet mit einem Sechs-Achs-Roboterarm zum Fräsen und Bohren und einem zusätzlichen Arm mit 800 Millimeter Sägeblatt, können die Handwerker ihr Konstruktionsvollholz (KVH) auf Knopfdruck komplett gemäß der digitalen Konstruktionsvorgaben bearbeiten.

Hoher Vorfertigungsgrad

Danach wird das Holz von der Abbund- in die Montagehalle gefahren. Hier verarbeitet das Team es zu kompletten Wandmodulen weiter. Die Zimmerer realisieren das KVH-Holzständerwerk direkt inklusive Wärmedämmung. Die Einblasdämmung wird noch vor Ort eingeblasen und verdichtet. Die äußere Schicht zur Aufnahme der späteren Fassade bilden Holzweichfaserplatten. Auch Fenster baut das Unternehmen häufig schon in der Halle ein. Dann geht es auf einem Tieflader zur Baustelle. „Wir wollen so viele Arbeiten wie möglich bereits hier in der Halle abschließen. Das reduziert Fahrtkosten und Rüstzeiten auf der Baustelle, verbessert unsere Auslastung und macht uns wetterunabhängiger“, sagt Burdiek.

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Seit 2015 bilde der Holzhausbau den Geschäftsschwerpunkt der Zimmerer. „Wenig später hat das Thema mit der Fridays-for-Future-Bewegung noch zusätzlichen Aufwind bekommen“, verrät Burdiek. Der Unternehmer legt Wert darauf, dass seine Häuser Nachhaltigkeitsansprüchen in mehrfacher Hinsicht gerecht werden. Das beginnt beim Einkauf . „Wir kaufen unsere Materialien vom Holz bis zum Ziegel möglichst aus der Region ein und setzen auf kurze Transportwege“, sagt er. Für jedes Haus gebe es über die CO2-Bank einen Nachweis darüber,  wie viel Kohlendioxid es eingespart hat. Zusätzlich lässt der Unternehmer für jedes Haus 20 Bäume pflanzen, „mit Koordinaten der Bäume und der Garantie, dass die Bäume mindestens 99 Jahre stehen“. Auch Trends zum besonders naturnahen Bauen ohne Leim- und Metallverbindungen kann der Bauingenieur mit passenden Partnerschaften bedienen.

Kurze Bauzeit

Zum Verkauf gehört viel Beratung. Die Zimmerer laden interessierte Kunden zum Unternehmenssitz ein, um ihnen die Vorzüge der Holzrahmenbauweise näher zu bringen. „Früher hatten wir das für Neubau und Sanierung gebündelt – inzwischen machen wir es aber getrennt, weil die Themen dann doch zu unterschiedlich sind“, sagt Burdiek. In den Vorträgen geht es nicht nur um die Technik rund um diese Holzhausbauart, sondern auch um Finanzierungsaspekte: „Nachhaltiges Bauen wird vom Staat gefördert – da ist es hilfreich, zu wissen, mit welchen Zuschüssen und Darlehen man rechnen kann“, erzählt der Unternehmer.

Etwa mit der Hälfte der Interessenten, die zu einem Vortrag kommen, würden die Handwerker in die konkrete Auftragsplanung einsteigen. „Wir machen eine umfangreiche Bedarfsanalyse, auf deren Basis wir das Haus individuell konstruieren“, erklärt Burdiek. Dazu zähle auch eine detailliertere Finanzplanung. Da werde mit den Kunden alles ausgerechnet, inklusive Grundstückskosten und Baunebenkosten und möglicher Einsparpotenziale in der Dimensionierung des Hauses. „Dann rechnen wir gegen, was der Kunde zur Verfügung hat und dann steht da entweder ein Plus oder ein Minus“, erklärt Burdiek.

Stehen alle Zeichen auf grün, kann der Kunde schon ein paar Monate später in sein neues Haus einziehen. „Für mich ist die Bauzeit entscheidend, auch in Sachen Kundenzufriedenheit“, erklärt der Unternehmer. Um ein Haus fertigzustellen, brauche sein Team nie länger als ein halbes Jahr. „Unser Rekord lag bei dreieinhalb Monaten“, verrät der Bauingenieur stolz. Das liege auch an seinen zuverlässigen Kooperationspartnern im Handwerk, die beim schlüsselfertigen Bau engagiert mit der Zimmerei an einem Strang ziehen.

Ob das fertige Traumhaus dann von außen wie eines aus Holz wirkt – so wie das Privathaus des Unternehmers im amerikanischen Bungalow-Stil – oder von einem Haus aus Stein optisch gar nicht zu unterscheiden ist, entscheidet der individuelle Geschmack des Kunden. „Die Holzrahmenbauweise lässt keine Wünsche offen“, sagt der Zimmerer.  

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