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Fachkräftemangel: Jeder Dritte Ü50 will früher in Rente

Fast ein Drittel der Beschäftigten über 50 will laut Techniker Krankenkasse nicht bis zum gesetzlichen Rentenalter arbeiten. Zwei Maßnahmen sollen helfen, sie im Job zu halten.

3 Min.02.07.2024, 02:00 Uhr (Aktualisiert am 10.02.2026, 14:15 Uhr)
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Entspannt die Rente genießen: Laut einer TK-Befragung will jeder Dritte über 50 nicht bis zum regulären Renteneintrittsalter  arbeiten.
Entspannt die Rente genießen: Laut einer TK-Befragung will jeder Dritte über 50 nicht bis zum regulären Renteneintrittsalter  arbeiten. oneinchpunch - stock.adobe.com
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Auf einen Blick

31,3 Prozent der Erwerbstätigen ab 50 Jahren plant, vor dem gesetzlichen Rentenalter aus dem Job auszuscheiden. Das ergab eine Befragung für die Techniker Krankenkasse (TK).

Geeignete Maßnahmen, die Beschäftigten länger im Job zu halten, seien mehr Geld sowie Optionen zur flexibleren Arbeitszeitgestaltung.

Zudem würde es helfen, gesunde Arbeitsbedingungen zu schaffen, damit Arbeitnehmer länger im Arbeitsleben bleiben.

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Die geburtenstarke Babyboomer-Generation geht langsam in Rente. Das reist eine Fachkräftelücke, die die nachrückenden jüngeren Beschäftigten nicht schließen können. Das gilt schon für die Idealsituation, dass die ältere Generation bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter durcharbeitet. Laut einer aktuellen Befragung der Techniker Krankenkasse (TK) entspricht diese Idealsituation jedoch eher nicht der Realität.

Fachkräftemangel: Ein Viertel geht in 5 Jahren

Laut der Befragung unter 1.000 Erwerbstätigen ab 50 Jahren planten 31,3 Prozent, vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter aus dem Job auszuscheiden. Folgerichtig betitelt die Krankenkasse ihren TK-Gesundheitsreport 2024 mit "Fachkräftemangel: Was hält die Generation 50+ im Job?" . Der Report wurde am 2. Juli 2024 veröffentlicht.

„Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ist es für Arbeitgeber unerlässlich, die Generation 50+ noch stärker in den Fokus zu rücken“, sagt Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. „Ältere Beschäftigte sind eine wertvolle Ressource für die Unternehmen. Sie verfügen über großes Erfahrungswissen, sind gut vernetzt und haben sich in der Regel über Jahre an ihrem Arbeitsplatz bewährt.“ Das sehe auch eine Mehrheit der Betriebe so, von denen in einer weiteren Erhebung 300 befragt worden seien. Eine Erkenntnis daraus: Bei 46 Prozent der Unternehmen gehe in den nächsten fünf Jahren mehr als ein Viertel der Belegschaft in den Ruhestand.

Ältere länger halten: 2 Maßnahmen

Wie können Betriebe ältere Beschäftigte länger im Job halten? Der TK-Report nennt insbesondere zwei Maßnahmen aus der Befragung der Beschäftigten. Mit ihnen ließen sich Teile der über 50-Jährigen dazu bewegen, ihr Ausscheiden aus dem Arbeitsleben aufzuschieben:

1.       Ein höheres Gehalt. Das gaben 66,5 Prozent der betroffenen Befragten an.

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2.       Maßnahmen zur flexibleren Arbeitszeitgestaltung wie die “Anpassung der Arbeitszeit an individuelle Bedürfnisse“ (73,7 Prozent) sowie die „Unterstützung, den Renteneintritt individuell zu gestalten“ (70,3 Prozent).

Zwischen den Wünschen der Beschäftigten und den Angeboten der Arbeitgeber klaffe eine Lücke. So würde nur 57 Prozent der für den Report befragten Arbeitgeber bereits flexiblere Arbeitszeiten anbieten. Und Angebote, den Übergang in den Ruhestand individuell zu gestalten, böte weniger als die Hälfte der Arbeitgeber an. Bei der Möglichkeit zwischen Teilzeit und Vollzeit zu wechseln sowie bei den gesundheitsfördernden Maßnahmen würden Wunsch und Angebot zwischen Arbeitnehmern und -gebern hingegen übereinstimmen.

Als weiteren Faktor für eine lange Beschäftigung nennt die TK den Zusammenhang zwischen positiver Unternehmenskultur und dem Wunsch der Beschäftigten, später in den Ruhestand zu gehen. Denn wer mehr Wertschätzung, Selbstbestimmung und Flexibilität am Arbeitsplatz erlebt, der arbeite auch länger.

Wer gesund ist, arbeitet länger

Die TK legt in ihrem Report auch einen Zusammenhang zwischen Krankheitsausfällen und der Arbeitsbereitschaft nach dem regulären Renteneintritt nahe. Zur Ermittlung wurden Versichertendaten in einem Beobachtungszeitraum nach 2012 untersucht. Ergebnis: Von den Beschäftigten, die im Jahr 2012 keinen Tag arbeitsunfähig gemeldet waren, hätten gut 14 Prozent nach ihrem regulären Renteneintritt weitergearbeitet. Von den Beschäftigten, die mindestens 43 Tage krankgeschrieben waren, seien es nur gut 7 Prozent gewesen. Im Schnitt würden 11,6 Prozent über die Renteneintrittsgrenze hinaus arbeiten, schreibt die TK.

Schlussfolgerung der Krankenkasse: Man müsse mit der Gesundheitsförderung bereits frühzeitig und über alle Altersgruppen hinweg beginnen. Je früher man gesunde Arbeitsbedingungen schaffe, desto länger blieben die Beschäftigten motiviert und leistungsfähig. Zudem reduziere das kostenintensive Fehlzeiten durch Krankmeldungen. 2023 hätten in der TK versicherte Berufstätige unter 50 Jahren im Schnitt 16 Tage pro Kopf krankheitsbedingt gefehlt, bei den Beschäftigten über 50 Jahren seien es knapp 26 Tage gewesen.

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