Sport für Handwerker: Worauf es wirklich ankommt
Wer körperlich arbeitet, muss keinen Sport treiben? Ein Irrtum. Sportwissenschaftler Ingo Froböse erklärt, warum Ausgleichssport für Handwerker wichtig ist.
Auf einen Blick
Wer täglich als Handwerker schon bei der Arbeit in Bewegung ist, braucht doch keinen Ausgleichsport – so könnte man meinen. Doch Sportwissenschaftler Ingo Froböse ist ganz anderer Auffassung, und das aus mehreren Gründen.
3 Gründe, warum Handwerksunternehmer Sport treiben sollten
1. Ausgleich: Handwerker belasten sich durch ihre körperliche Tätigkeit oft nur einseitig. „Dann ist es wichtig, die belasteten Körperpartien gezielt zu stärken“, sagt Froböse. Als Ausgleich sollte die weniger beanspruchte Muskulatur ebenfalls trainiert werden. Nicht zuletzt diene Sport auch mental dem Ausgleich nach seinem stressigen Arbeitstag.
2. Ausdauer: Wer körperlich arbeitet, braucht eine gute Grundkonstitution. „Für viele Handwerker ist es schon aus Sicherheitsgründen wichtig, ein stabiles Herz-Kreislauf-System zu haben“, sagt der Sportwissenschaftler. „Auch am Ende des Arbeitstages muss ein Dachdecker stabil stehen können, ohne dass der Körper ermüdet.“
3. Vorbild und Verantwortung: „Als Führungsperson muss ich für mich sorgen“, betont Froböse. Dazu gehöre auch, sich um seine Gesundheit zu kümmern. „Wenn der Chef plötzlich ausfällt, ist dem Betrieb nicht gedient.“ Dazu komme die Vorbildfunktion gegenüber den Mitarbeitenden: „Wer andere führen will, muss auch sich selbst führen können.“
Doch wie viel Sport sollte es sein? Und welcher? In diesen drei Schritten können Sie vorgehen.
Schritt 1: Das Herz-Kreislauf-System stärken
„Ein stabiles Herz-Kreislauf-System ist die Grundlage für alles, was wir tun“, erklärt der Sportwissenschaftler. Egal also, ob Sie bei der Arbeit viel sitzen, stehen, klettern oder laufen: Ausdauertraining ist für alle wichtig.
„Sie können mit ganz einfachen Mitteln starten und mehr Bewegung in den Alltag integrieren“, sagt Froböse. „Nutzen Sie Wege: Fahren Sie Fahrrad statt Auto, nehmen Sie die Treppen und nicht den Fahrtstuhl.“ Doch das allein reiche nicht. 30 bis 45 Minuten Ausdauertraining drei bis vier Mal pro Woche, empfiehlt der Sportwissenschaftler. „Achten Sie dabei darauf, sich nicht völlig zu verausgaben“, betont er. „Besser ist es, wenn Sie am Ende sagen: Ich hätte auch noch zehn Minuten länger durchgehalten.“ Geeignete Sportraten sind: Walken, Laufen, Schwimmen oder Rad fahren.
Schritt 2: Die eigene Belastung erkennen
Prüfen Sie Ihren Arbeitsalltag: Welche Muskulatur ist besonders belastet, welche wird vernachlässigt: „Friseure stehen viel und arbeiten mit erhobenen Armen“, nennt Froböse ein Beispiel. Wichtig sei es hier, für eine starke Schulter- und Nackenmuskulatur zu sorgen, aber auch die Beine zu trainieren, um das Stehen zu erleichtern. Wer viel hebt, sollte einen starken Rücke n haben. Dachdecker oder Gerüstbauer brauchen viel Stabilität, um das Gleichgewicht zu halten.

Schritt 3: Gezieltes Muskeltraining
„Kompensieren, ausgleichen und ergänzen“, nennt der Sportwissenschaftler das Prinzip, nach dem Muskeln gezielt zur körperlichen Belastung trainiert werden können. Am einfachsten geht das im Fitnessstudio, wo Trainer unterstützen und Übungen an Maschinen kontrolliert ausgeführt werden können. „Wer das nicht mag, kann sich auch einen Personal Trainer buchen“, empfiehlt Froböse. Das habe den Vorteil, dass ein fester Termin im Kalender stehe.
„Beim Muskeltraining darf man sich gern ein bisschen anstrengen“, sagt der Sportwissenschaftler. „Der Muskel muss brennen, damit er wächst.“ Drei Mal die Woche 30 Minuten zu trainieren, ist seiner Ansicht nach ausreichend.
Eine Stunde Bewegung am Tag
Insgesamt sollte man sich mindestens eine Stunde am Tag bewegen: „Bewegung ist ein Lebensmittel . Wir essen jeden Tag und das gilt auch für Bewegung.“
Um durchzuhalten rät er dazu, eine „Life-Time-Sportart“ zu finden: „Suchen Sie sich etwas, was Ihnen Spaß macht und gut tut, unabhängig davon, was gerade Trend ist.“ Gleichzeitig sollten Hürden niedrig sein: „Wenn Sie gern schwimmen, aber das Schwimmbad 20 Kilometer entfernt liegt, halten Sie wahrscheinlich nicht durch.“ Individualsportarten seien auf lange Sicht oft besser als ein Teamsport, weil sie sich leichter organisieren lassen. „Zum Fußball brauchen Sie halt immer eine Mannschaft, laufen können Sie auch allein.“
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