Zunehmender Krankenstand: Studie nennt Hauptursache
Wirtschaftsforscher haben untersucht, was die wachsenden Fehlzeiten seit 2022 verursacht. Das Ergebnis überrascht.
Die krankheitsbedingten Fehlzeiten haben seit 2022 deutlich zugelegt. Das belegen laut dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) übereinstimmende Berichte auf Basis verschiedener Datenquellen.
Wie lässt sich der Anstieg erklären? Das hat das ZEW aktuell in der Studie „Einordnung des deutlichen Anstiegs der krankheitsbedingten Fehlzeiten seit 2022“ untersucht.
Dass Arbeitnehmer seit der Corona-Pandemie seltener mit Erkältung zur Arbeit gehen, bestätigen die Autoren. Das sei jedoch nicht der Hauptgrund für den Anstieg der AU-Tage. Ebenso soll das Auftreten starker Erkältungswellen zwar mitverantwortlich für den Fehlzeitenanstieg sein, aber nicht Hauptursache.
Bessere Erfassung, geringere Dunkelziffer
Stattdessen liegt der Hauptgrund laut Studie in einer verbesserten statistischen Erfassung der Krankheitstage. Entscheidend dafür war demnach die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU).
Mit der eAU hätte sich die Datenerfassung im Vergleich zum gelben Schein deutlich verbessert. Die Studienautoren gehen davon aus, dass die wahren Fehlzeiten vor 2022 deutlich untererfasst worden sind. Das treffe insbesondere auf leichte Atemwegserkrankungen zu.
Diese Einschätzung wird laut den Autoren auch vom Anstieg der Krankheitsdauer gestützt: Der Anstieg der Fehlzeiten sei geprägt durch einen Anstieg der Krankheitsdauern zwischen 4 und 14 Tage. Der Anteil von Krankschreibungen dieser Länge an den Gesamt-AU-Tagen habe sich seit 2022 mehr als verdoppelt.
Spielt die telefonischen Krankschreibung eine Rolle?
Dass die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung eine treibende Kraft im Anstieg der Fehlzeiten seit 2022 sein könnte, halten die Autoren für unwahrscheinlich.
- Zum einen, weil die Möglichkeit der Telefon-AU – abgesehen von einer Unterbrechung 2023 – bereits seit 2020 bestand.
- Zum anderen, weil die telefonische Krankschreibung nur einmalig für bis zu fünf Tage ausstellbar sei, was nicht zum Anstieg der Krankheitsdauer pro Krankheitsfall passt.
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