Digitalisierung + IT

Serie: Genial digital! So nutzen Handwerker die Digitalisierung

Die Fortsetzung der Serie: In Kurzinterviews verraten Handwerker ihre liebsten Apps, ihre größten digitalen Herausforderungen und ihre Social-Media-Strategien. Teil 18: Apps für Heizungsbau und Mitarbeitersuche.

9 Min.10.07.2025, 02:00 Uhr (Aktualisiert am 10.02.2026, 15:05 Uhr)
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Eike Plagge möchte seinen Mehrgenerationenbetrieb Schritt für Schritt digitalisieren – das plant der Geschäftsführer für eine Umsetzung ohne Frust.
Eike Plagge möchte seinen Mehrgenerationenbetrieb Schritt für Schritt digitalisieren – das plant der Geschäftsführer für eine Umsetzung ohne Frust. Privat
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  • In der Serie "Genial digital!" berichten Handwerker in Kurzinterviews mit maximal fünf Fragen, wie sie sich digital aufstellen.
  • Die Kollegen erzählen, welche Tools ihnen bei der täglichen Arbeit helfen und wofür sie in die Digitalisierung investieren.

Teil 19: Digitalisierung im Mehrgenerationenbetrieb vorantreiben

Eike Plagge leitet den Familienbetrieb Elektro-Jäger in dritter Generation und sucht einen Weg, die Mitarbeitenden aller Jahrgänge mit der Digitalisierung abzuholen – ohne Frust zu erzeugen. So blickt er auf die Situation seines Betriebs in Wolfenbüttel.

1. Welche App nutzen Sie beruflich am meisten?

Am häufigsten kommen die Foto-App und WhatsApp zum Einsatz. Intern tauschen wir uns so schnell anhand von Bildern und Videos über Situationen auf der Baustelle aus.

2. Was war Ihre größte digitale Herausforderung?

Ich führe ein Familienunternehmen, in dem auch meine Mutter noch sehr aktiv arbeitet. Die Digitalisierung in diesem Mehrgenerationenbetrieb voranzutreiben, ist nicht leicht. Die größte Herausforderung war und ist es, alle Mitarbeitenden dabei abzuholen und niemanden auf der Strecke zurückzulassen. Nicht immer ist die digitalisierte Lösung die beste, aber in einigen Bereichen ist sie durchaus sinnvoll. Darum gehen wir sie Schritt für Schritt an.

3. Wofür nutzen Sie Social Media?

Ich möchte zeigen, dass unser Unternehmen auch modern und jung ist. Potenzielle Nachwuchskräfte sollen Einblicke in unser Handwerk bekommen können. Sie sollen erkennen, was es mit uns machen kann, wenn wir etwas erschaffen, das die Kunden zum Strahlen bringt. Als ich meinen Meister gemacht habe, war es deshalb auch ein großer Schritt, anzuerkennen, dass ich mich vordergründig mit bürokratischer Arbeit beschäftige.

4. Was wollen Sie als nächstes digitalisieren?

Der nächste Schritt ist der digitalisierte Monteur: Jeder soll per Tablet auf einen zentralen Datenpool zugreifen können – inklusive Zeichnungen und Bildern. Genutzte Materialien sollen direkt mit der Handwerker-Software, dem Taifun, ausgewählt und dokumentiert werden. Wichtig ist dabei, dass das System praxistauglich ist und alle Mitarbeitenden damit umgehen können – sonst entsteht schnell Frust und bei fehlenden Materialeintragungen auch Verlust.

Deshalb will ich die Umstellung nicht auf einen Schlag, sondern schrittweise angehen. Vielleicht starten wir mit den jüngeren Monteuren oder machen vorab eine Umfrage, wer sich die Arbeit mit dem neuen System vorstellen kann. Und bald buchen wir eine Schulung zu der Software Taifun. Das Ganze ist ein Prozess.

5. Gönnen Sie sich Online-Auszeiten?

Es ist ein Problem, dass man viel zu erreichbar ist, ob per Mail, bei WhatsApp oder sogar im persönlichen Kontakt. Man kann sich zwar sagen „zu diesen Zeiten schalte ich ab“. Aber dann bleibt das Problem, dass man die Nachrichten zu einem späteren Zeitpunkt lesen muss. Das macht es sehr schwer, mir die vorgenommenen Auszeiten zu nehmen und ich schaffe es nicht immer.

Teil 18: Apps für Heizungsbau und Mitarbeitersuche

Nadine Fach beschäftigt aktuell vor allem die E-Rechnung: Noch fehlt ihr die Routine mit solchen Rechnungen, da der Betrieb noch nicht viele E-Rechnungen erhalten hat.

Bei Nadine Fach von Fach Heizungsbau in Norden kommen täglich Apps zum Einsatz. Die Digitalisierung wollen Nadine Fach und ihr Mann Michael da nutzen, wo sie Papiergebrauch und Mehraufwand überflüssig macht.

1.    Welche App nutzen Sie beruflich am meisten?

Wir nutzen vor allem spezielle Apps für Heizungsbauer. Damit lassen sich Fehlerdiagnosen durchführen und man kann direkt nach Ersatzteilen schauen.

2.    Was war Ihre größte digitale Herausforderung?

Uns beschäftigt das Thema E-Rechnungen. Wir sind vor allem im Privatkundenbereich tätig und bekommen sie deshalb seltener. Das hat es uns erschwert, eine Routine im Umgang damit zu finden.

3.    Wofür nutzen Sie Social Media?

Auf Instagram folge ich einigen Unternehmerfrauen und lasse mich von ihnen inspirieren. Wir möchten dort gerne selbst aktiv werden und so potenzielle neue Mitarbeiter erreichen. Weniger geht es dort um Kundengewinnung.

4.    Was wollen Sie als nächstes digitalisieren?

Was das angeht, befinden wir uns in der Findungsphase: Wie kann ich es mir durch Digitalisierung leichter machen? Wir möchten Digitalisierung nutzen, um Mehraufwand zu vermeiden und weniger papierlastig zu sein. Die E-Rechnungen spielen dabei eine wichtige Rolle.

5.    Gönnen Sie sich Online-Auszeiten?

Ja, ich schaue dann zum Beispiel nicht mehr in die Mails. Auch von anderen Kanälen kann ich gut die Finger lassen und sage mir in diesen Momenten, dass ich die Beiträge nicht sofort sehen muss.

Teil 17: Ein 3D-Scan von Kunden erleichtert die Beratung

Justin Wiedemann.

Justin Wiedemann führt einen Friseurbetrieb mit sieben Mitarbeitenden im niedersächsischen Wolfenbüttel. Im Beratungsalltag helfen ihm nicht nur Suchmaschinen. Er wartet auf die Entwicklung einer App, die Gesichter scannen kann.

1. Welche App nutzen Sie beruflich am meisten?

Tatsächlich Google , wenn man es als App bezeichnen möchte. Wir arbeiten in der Kundenberatung mit iPads und sind froh, dass es diese Suchmaschine gibt. Google ersetzt nicht nur die alten Frisurenbücher, indem man mit einem Klick über 1.000.000 Bilder erhält, sondern auch das Nachschlagen von modernen Begrifflichkeiten.

2. Was war Ihre größte digitale Herausforderung?

Die Umstellung von einem analogen auf ein digitales Anmeldebuch, mit der Möglichkeit seine Termine online zu buchen.

3. Wofür nutzen Sie Social Media?

Tatsächlich gar nicht so sehr, wie ich es mir wünschen würde. Im beruflichen Alltag ist es schwierig, Zeit für ansprechende Fotos und Videos zu finden. Regelmäßig neue Inhalte zu posten sehe ich auch als große Herausforderung. Nichtsdestotrotz ist es ein essenzielles Medium - auch um Mitarbeiter akquirieren zu können.

4. Was wollen Sie als nächstes digitalisieren?

Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz soll es wohl bald eine App geben, mit der man seine Kunden in 3D scannen kann. Die App soll dabei den Haarzustand und die Haarfülle berücksichtigen – das gibt es bislang noch nicht. Momentan werden lediglich plakative Frisuren über das Gesicht gelegt. Die neue digitale Technik kann die Beratung verbessern! Allerdings bin ich auch froh, dass es gar nicht so viel zu digitalisieren gibt. Ein richtiges Handwerk eben.

5. Gönnen Sie sich Online-Auszeiten?

Ich gehöre zur Generation Y. Wir sind noch ohne Handy bis ins Jugendalter aufgewachsen, allerdings haben wir den rasanten Fortschritt von Anfang an miterlebt. Aus diesem Grund bin ich häufig online: auf Instagram und Youtube oder Mails checken - es wird alles am Handy erledigt. Da ich aber seit gut einem Jahr Vater bin, versuche ich zumindest abends meinen Online-Konsum zu minimieren.

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Teil 16: Von überall auf wichtige Dokumente zugreifen können

Die Wilhelm Langheim GmbH & Co. KG ist ein Familienbetrieb: Haiko Langheim leitet die Dachdeckerei zusammen mit seinem Vater. Sie beschäftigen 8 Mitarbeitende – darunter auch eine Auszubildende.

Haiko Langheim.

1.    Welche App nutzen Sie beruflich am meisten?

Dropbox. Ich nutze die App als Cloudplattform, damit ich von überall Zugriff auf Dokumente und Fotos habe, die ich für meine Arbeit brauche.

2. Was war Ihre größte digitale Herausforderung?

Die Digitalisierung unserer Telefonanlage. Weil es schwer war, einen passenden Dienstleister zu finden, habe ich mich größtenteils selbst um die Einrichtung gekümmert. Die größte Herausforderung für mich war, auch Handys in die Telefonanlage zu integrieren.

3. Wofür nutzen Sie Social Media?

Auf Facebook und Instagram zeigen wir vor allem Prestigeprojekte, auf die wir besonders stolz sind.

4. Was wollen Sie als nächstes digitalisieren?

Wahrscheinlich die Arbeitszeiterfassung. Aktuell nutzen wir noch Stundenzettel auf Papier.

5. Gönnen Sie sich Online-Auszeiten?

Im Arbeitsalltag nicht. Aber am Wochenende und zum Feierabend schalte ich mein Handy auch mal bewusst aus und lese keine dienstlichen E-Mails.

Teil 15: Das digitale Büro auf der Baustelle

Bei EBA Elektro in Burg steht die Einführung von mobilen Endgeräten mit einer App an, die mit der Branchensoftware verknüpft ist. Das Büro für die Baustelle ist für Alexander Laube in greifbarer Nähe.

Alexander Laube

1. Welche App nutzen Sie beruflich am meisten? Das wird in Kürze die SCC- Mobil von Ziemer sein. Damit erledigen wir einen Teil der Büroarbeit vor Ort. Ansonsten benutze ich das Handy am meisten zum Telefonieren.

2. Was war Ihre größte digitale Herausforderung? Die steht uns dieses Jahr noch bevor. Im Rahmen der Digitalisierung unseres Betriebs stellen wir auf die Nutzung von mobilen Endgeräten (Pad’s) für unsere Techniker und Projektleiter um. Wir werden dazu die App SCC- Mobil von Ziemer,passend zu unserer Handwerkersoftware SCC Control Professionell, einsetzen. Die Hauptanwendungen werden die mobile Erstellung und Bearbeitung von Kundendienstaufträgen und Projekten sein sowie die Zeiterfassung direkt auf der Baustelle. Das wird auf jeden Fall spannend.

3. Wofür nutzen Sie Social Media? Hauptsächlich zur Kommunikation . Aber auch zur Gewinnung von Mitarbeitern, Auszubildenden und Praktikanten.

4. Was wollen Sie als nächstes digitalisieren? Das nächste Highlight im Bereich der Ausbildung wird auch dort die Einführung einer App sein. Zum nächsten Ausbildungsstart, im September, werden wir mit unseren vier zukünftigen Auszubildenden ein digitales Berichtsheft einführen. Dann ist es auch dort mit dem Papier vorbei. Derzeit testen wir verschiedene Apps dafür.

Teil 14: Das Ziel ist die digitale Auftragsmappe

In der Auftragsvorbereitung will Raumausstattermeisterin Carola Grote-Sticka aus Salzgitter-Bad noch digitaler werden. Die Prozesse hat sie für sich und ihr 4-köpfiges Team dafür schon umgestellt.

Carola Grote-Sticka

1. Welche App nutzen Sie beruflich am meisten? Ich nutze fast täglich Instagram und Facebook . Außerdem Pinterest für die Suche nach Einrichtungs-Stimmungsbildern.

2. Was war die größte digitale Herausforderung? Das ganze Betriebssystem auszutauschen und umzustrukturieren, so dass nun Mitarbeiter auch eigene Zugänge erhalten – im Prinzip Mitarbeiter auch Angebote, Rechnungen, etc. schreiben können. Und so, dass wir auch von außerhalb im Homeoffice  ,,papierlos" arbeiten können.

3. Wofür nutzen wir Social Media? Ich nutze gerne Social Media , um aus meinem Handwerksalltag zu berichten und zu zeigen, was wir im Raumausstatterhandwerk realisieren können. Viele wissen nämlich nicht, was Raumausstatter alles machen. Darüber hinaus möchte ich auch gerne andere Frauen  sowie den Nachwuchs bestärken, ins Handwerk zu gehen. Ich finde wir können stolz auf unsere handwerklichen Leistungen sein und das auch ruhig zeigen! 

4. Was wollen Sie als nächstes digitalisieren? Als nächstes werden Teile der Arbeitsabläufe wie  Baustellendokumentationen und Werkstattaufträge digitalisiert. Auch sollen die Aufmaße sowie Baustellen- und Werkstattaufträge im Vorfeld besser digital vorbereitet werden. Im Prinzip soll dann die Auftragsmappe nicht mehr physisch sondern digital erstellt werden.

5. Gönnen Sie sich online-Auszeiten? Ja, klar! Onlineauszeiten sind auf jeden Fall die Familientage (Sonntage, Urlaub, etc.). Aktions- und Aktivstunden mit meinen beiden Kindern sind auch handyfrei – für mich und für sie!

Teil 13: Lass bei der Website den Profi ran!

Fliesenleger und Raumausstatter Benjamin Andresen aus Hollenstedt ist solo unterwegs. Seine Herausforderung ist seine Website – am liebsten inklusive Bot.

Benjamin Andresen

1. Welche App nutzen Sie beruflich am meisten? Am meisten nutze ich die Foto-App, für Instagram und meine Dokumentation. Dann natürlich Instagram und auf Patz 3 liegt Plancraft für Angebote und Rechnungen.

2. Was war Ihre größte digitale Herausforderung? In der stecke ich noch mitten drin: meine Website . Ich wollte sie selbst erstellen. Aber jetzt lasse ich einen Profi ran, denn da hängt mehr dran, als gedacht, Google Ads zum Beispiel.

3. Wofür nutzen Sie Social Media? Storys, um Vertrauen zum Kunden aufzubauen, und Beiträge, um meine Ergebnisse zu zeigen. Und um potenziellen Kunden Ideen zu liefern.

4. Was wollen Sie als nächstes digitalisieren? Den Erstkontakt auf meiner Website will ich mit einem Bot ergänzen. Der könnte Kunden Fragen beantworten, um schneller ein Angebot von mir zu erhalten.

Die ersten 12 Teile dieser Serie finden Sie hier: Serie: Genial digital !

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