Wie Tischlerlösungen spürbar Ruhe im Raum schaffen
Zu viel Lärm ist Gift für Körper und Seele. Eine gute Raumakustik ist daher unerlässlich. Tischlermeister Michael Potthast weiß, worauf es ankommt.
Auf einen Blick
Das Thema Raumakustik in Gebäuden nimmt heutzutage einen wichtigen Stellenwert ein. Es ist bekannt, dass sich Lärm in Wohn- und Büroräumen auf die physische und mentale Gesundheit auswirken kann. Laut einer Richtlinie des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP zum Thema „Akustik in Lebensräumen für Erziehung und Bildung“ aus dem Jahr 2024 werden einige Auswirkungen von Lärm genannt. Dazu gehören unter anderem Schwerhörigkeit, chronische Kopfschmerzen sowie Depressionen im schlimmsten Fall.
Mehr Bewusstsein für Raumakustik
Hierzulande gibt es einige Schreinereien, die sich dem Thema Raumakustik verschrieben haben. Eine davon ist die Tischlerei Potthast GmbH & Co. KG im nordrhein-westfälischen Marienmünster-Bredenborn. Tischlermeister und Geschäftsführer, Michael Potthast, gestaltet für die Kunden des Betriebs unter anderem Akustiklösungen für Wohnungen und Büros. „Das oberste Ziel ist es, die Konzentration zu fördern, die Stimmen verständlicher zu machen und die Räume wohnlich wirken zu lassen“, erläutert Potthast.
Laut dem Tischlermeister ist das Thema Raumakustik ein individuelles Feld. Einen gewissen Trend dahin gebe es aber nicht. „Wir merken, dass unsere Kunden da reinrutschen und sich mit dem gesamten Thema mehr befassen“, betont Potthast. Neue Wohnungen sowie moderne Büros zeichnen sich ihm zufolge heute oft durch großflächige Fensterfronten mit weniger Gardinen sowie durch glatte Wände aus. „Das führt jedoch dazu, dass die gesamte Wohnung oder das gesamte Büro weitaus hellhöriger wird, da keine Lärmabsorption vorhanden ist“ so Potthast. Der Betriebsinhaber hat zudem festgestellt, dass seine Kunden ein stärkeres Bewusstsein für das Thema Raumakustik bekommen.

Akustikpaneele gefragt
Potthast betont, dass sich die bekannten Akustikpaneele nach wie vor wie warme Semmeln verkaufen. „Die Paneele wirken sich positiv auf die Raumakustik aus und verfügen über eine ansprechende Optik“, so der Tischlermeister. Darüber hinaus könne man bei den Akustikpaneelen durchaus von einem Trend sprechen. „Im Gegensatz zur Standardpaneele absorbieren sie Schall“, sagt Potthast.
Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts „Market Research Future“ (MRF) von Oktober 2025 wurde die Marktgröße für schalldämpfende Akustikpaneele im Jahr 2024 auf 5,1 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Studie von MRF geht davon aus, dass der Marktanteil der Paneele bis zum Jahr 2035 auf 8,7 Milliarden US-Dollar wachsen wird.
Neben der Verringerung von Lärm verfügen Akustikpaneele über eine weitere Eigenschaft, die auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist: Sie sind wärmedämmend. Materialien wie zum Beispiel Filz oder Schaumstoff behindern den Luftstrom und verlangsamen somit den Wärmeaustausch zwischen den Räumen. Die Paneele sind in unterschiedlichen Größen erhältlich, wie Potthast erklärt. „In der Regel sind sie 50 bis 60 Zentimeter breit und haben meistens eine Länge um die 2,50 Meter. Außerdem kann man sie leicht vor Ort beim Kunden montieren.“
Regelung durch DIN 18041
Die DIN 18041 aus dem Jahr 1968 regelt die Akustik in Gebäuden. Im Jahr 2016 erschien eine überarbeitete Fassung mit dem Titel „Hörsamkeit in Räumen – Anforderungen, Empfehlungen und Hinweise zur Planung“. Die Norm teilt Räume in zwei Gruppen mit jeweils fünf Nutzungsarten ein. Zur Raumgruppe A gehören Räume wie Gerichts- und Gemeindesäle, Unterrichtsräume sowie Besprechungs- und Konferenzräume. Zur Raumgruppe B gehören dagegen Flure und Eingangshallen sowie Labore und Bibliotheken.
„Die Norm ist vor allem für Büros, Schulen oder Kitas relevant. In diesen Räumen verbringt man oft mehrere Stunden. Demzufolge müssen wir uns als Tischler Gedanken über den Lärmschutz machen“, erläutert Potthast.
Die Anforderungen der Norm, seien zu erfüllen. Dennoch müssten Tischler in Bezug auf die Akustikplanung der Räume frühzeitig ins Boot geholt werden. „Wenn der Architekt den jeweiligen Raum mit Fenstern und Lampen plant und alles passt, bleiben für den Tischler wenig Möglichkeiten, wo sie akustisch wirksames Material unterbringen“, betont der Tischlermeister. Doch sobald die Planungen früh genug kommuniziert werden, könne man eine Räumlichkeit akustisch gut ausgestalten.
Verschiedene Materialien kombinieren
Neben Filz und Schaumstoff haben sich Gipskartonplatten sowie spritzbare Akustikputze für eine effektive Raumakustik bewährt. „Das gilt auch für Mineralfaserdecken und für PE-Material“, so Potthast. Zudem ist der Tischlermeister ein Anhänger von Holzwolle. Das Thema Brandschutz spielt an dieser Stelle eine weitere Rolle, denn nicht alle Materialien sind feuerhemmend. Doch Potthast beruhigt. „Die Materialien und Werkstoffe, mit denen wir arbeiten, sind brandschutzsicher.“
Um eine größere Wirkung bei der Raumakustik zu erzielen, könne man die Materialien auch miteinander kombinieren. „Es macht manchmal auch Sinn, nicht die weichsten, sondern robustere Stoffe zu verwenden“, so Potthast.
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