Dieses Team hat „Bock auf Handwerk“
Digitalisierung und Altbau-Sanierung in der Zimmerei Stengel: Zwei Welten treffen aufeinander. Wie Zimmerermeister Henrik Stengel die Integration der Technik und des Teams gelingt.
Auf einen Blick
Wie schafft man es, dass das Team top-motiviert ist und Bock auf den Job hat? „Indem man Aufträge ranholt, die Spaß machen“, sagt Zimmerermeister Henrik Stengel . Sein Team ist in den vergangenen Jahren von anfangs einem Azubi um fünf Gesellen und einen angestellten Meister angewachsen. Vor der Übernahme von seinem Vater war die Zimmerei lange ein Ein-Mann-Betrieb. Doch das wollte Stengel so nicht beibehalten, als er 2014 übernahm.
„Wir brennen für Altbau-Sanierung“
Dass auch Henrik Stengel Bock auf seinen Job hat, wird deutlich, als er beim Interviewtermin in Meinersen (Niedersachsen) strahlend die Tür des alten Fachwerkhauses öffnet – in Zimmererkleidung bittet er in sein Büro. An der Wand hängen die Meisterbriefe von ihm und seinem Vaters. Seit 1914 gibt es den Familienbetrieb bereits. Und schon lange ist die Zimmerei in der Altbau-Sanierung aktiv.
Dabei hat der 36-jährige Zimmerermeister in einem Betrieb gelernt, der auf Neubauten spezialisiert war. Den Unterschied zur Arbeit seines Vaters merkte er schnell, denn schon in der Ausbildungszeit war er mit auf Baustellen unterwegs. Für ihn stand fest: Wenn er mit der Lehre fertig ist, liegt sein Fokus ebenfalls auf Altbauarbeiten. Den Wunsch hat sich der Handwerker erfüllt und kann sich bis heute nichts Besseres vorstellen: „Der Altbau hat viel mit dem Handwerk an sich zu tun. Man sieht noch, was man geschafft hat, legt Hand an und erschafft selbst etwas. Manche Zimmerer machen heute nur noch wenig solcher Arbeiten“, weiß Stengel.
„Viele Betriebe machen beispielsweise den Abbund gar nicht mehr selbst“, sagt er. Das sei schade, denn es gehe viel Fachwissen verloren und man verliere das Gespür dafür, ob ein Teil in ein anderes passt. Oder wie man bestimmte Herausforderungen auf einer Baustelle lösen kann.
„Altbauten haben ihren eigenen Charakter“
Als Betriebsinhaber hat Stengel sich vorgenommen, nur Aufträge anzunehmen, auf die er und sein Team auch „Bock“ haben. Das Spektrum in dem Beruf sei groß und „seine Jungs“ hätten Lust auf Abwechslung. „Da sie mein wichtigstes Gut sind, schauen wir gemeinsam, dass der Spaß an der Arbeit erhalten bleibt“, berichtet der Unternehmer.
“Wer ein altes Haus kauft, hat sich vorher intensiv damit beschäftigt.”
Was ihn noch an Altbauten reizt? Dass jeder Auftrag anders ist, neue Herausforderungen parat hält und bis zum Sanierungsabschluss immer wieder Lösungen gefunden werden müssen. Und das in enger Abstimmung mit den Eigentümern. „Wer ein altes Haus kauft, hat sich vorher intensiv damit beschäftigt“, sagt Stengel. Sanierungen im Altbau seien in Bezug auf die Kommunikation und die Koordination mit den Bauherren intensiv. „Da die Eigentümer oft viele Arbeiten selbst erledigen, ist der Abstimmungsbedarf per Telefon und vor Ort groß. Das macht besonderen Spaß, weil sie sich über jeden Fortschritt freuen und unsere Arbeit wertschätzen“, erklärt der Handwerksmeister begeistert.
Er selbst investiere viel Zeit in die Vorbereitung der Baustellen. „Da hängt viel Papierkram dran“, sagt er. Spaß mache das nicht immer, diene aber der Dokumentation, die gerade bei denkmalgeschützten Gebäuden Pflicht sei. Dennoch steht für Henrik Stengel fest: „Der Chef muss mit auf die Baustelle.“ Er sei Vorbild und müsse dranbleiben, was die Ausführung der Arbeiten und den Stand der Baustellen betrifft. Zudem sei es wichtig, sich vor Ort mit dem Team abzustimmen, wenn es beispielsweise um unvorhergesehene Änderungen oder Abweichungen geht.
Nichts geht ohne Digitalisierung
Um den Aufwand für Dokumentation und Abrechnung so gering wie möglich zu halten, führt an digitalen Helfern in der Zimmerei Stengel kein Weg vorbei. So zeichnet der Unternehmer wichtige Kundengespräche per Künstlicher Intelligenz auf und schickt die Zusammenfassung im Anschluss an die Kunden. Zudem setzt er auf eine Softwarelösung, die Zeiterfassung, Kalkulation und Baustellendokumentation vereint. Besonders den Dokumentenscanner schätzt nicht nur der Meister, sondern auch sein Team. Denn bei sechs bis sieben parallelen Baustellen haben damit alle Zugriff zu den Projekten: Stengel aus dem Büro und die Zimmerer per Tablet von unterwegs.
Wettbewerbsvorteil Restaurator im Handwerk
Um seinem Anspruch auf handwerklich hochwertige und fachlich korrekte Arbeit gerecht zu werden, hat Stengel einige Jahre nach dem Meister den Restaurator im Handwerk gemacht. Den Anlass gaben die vielen anspruchsvollen Baustellen. „Da kommen viele Gewerke zusammen und das Verständnis von Altbauten ist ein anderes, wenn man sich detailliert damit auskennt“, sagt er. Zudem würden manche Bauherren gezielt Restauratoren beauftragen, ein Vorteil, den er nicht missen möchte.
Einen weiteren Vorteil für „seine Jungs“ sieht der Unternehmer in der Nutzung von Hilfsmitteln, die die Arbeit erleichtern. So schaffte er unlängst einen Kran an, der dem Team schwere Lasten abnimmt. Auch mit Exoskeletten , die den Rücken der Handwerker schonen, experimentiert die Zimmerei. „Mir ist wichtig, dass meine Leute sich wohlfühlen. Ich kann mich als Unternehmer verwirklichen und meine Begeisterung springt auf sie über“, sagt er.

handwerk.com
Der Newsletter – für alle, die besser informiert sein wollen.
News, Trends und Tipps für die Betriebsführung im Handwerk direkt in Ihr Postfach.
-1-square.jpg&w=1080&q=75)





_1920-teaser-medium.jpg&w=1920&q=75)
