Wissenschaftlich belegt: Zufriedenheit steigt mit der 4-Tage Woche
Das deutschlandweite Pilotprojekt zur Arbeitszeitverkürzung legt erste Ergebnisse vor: Mitarbeiter haben weniger Stress und schlafen besser. Und auch die Betriebe profitieren.
Auf einen Blick
Weniger Arbeit, weniger Stress, gleiche Produktivität: Die 4-Tage-Woche sorgt für mehr Zufriedenheit bei Arbeitnehmern, ohne die Wirtschaftlichkeit der Betriebe zu gefährden. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie der Universität Münster, die den sechsmonatigen Pilotversuch zur 4-Tage Woche in Deutschland wissenschaftlich begleitet hat.
45 Unternehmen aller Branchen und Größen haben sich an dem Versuch beteiligt. Ziel war zu klären, wie die 4-Tage Woche Arbeitgeberattraktivität , Mitarbeitergesundheit und Produktivität beeinflusst. Nun haben die Initiatoren des Projekts rund um die Agentur Interprenör erste Ergebnisse vorgelegt.
Fitnesstracker zeigten mehr Bewegung und besseren Schlaf
Und die lassen aufhorchen: 90 Prozent der Mitarbeitenden in den beteiligten Unternehmen sagten, die 4-Tage Woche habe ihr allgemeines Wohlbefinden verbessert. So berichteten sie von weniger Stress und Burnout -Symptomen. Fitnesstracker, getragen von Testpersonen, zeigten, dass diese sich mehr bewegten und länger schliefen als eine Kontrollgruppe, die fünf Tage die Woche arbeitete. So sorgte die 4-Tage-Woche für durchschnittlich für 38 Minuten mehr Schlaf , mehr Schritte am Tag und weniger Stressminuten pro Tag. Auch der Krankenstand sei gesunken, allerdings nur leicht, ermittelten die Wissenschaftler.
Alle Betriebe im Pilotversuch hatten die Arbeitszeit um mindestens 10 Prozent verkürzt, 38 Prozent sogar um 20 Prozent. Dabei waren die Unternehmen frei, wie sie die 4-Tage-Woche umsetzten: Die Mehrheit (85 Prozent) gewährte einen freien Tag pro Woche an einem festgelegten oder rotierenden Tag. 60 Prozent der beteiligten Betriebe führten die verkürzte Arbeitszeit für alle Mitarbeitenden ein. Größere Unternehmen beschränkten sich auf bestimmte Mitarbeitende oder Teams.
„Die 4-Tage-Woche führte zu einer signifikant positiven Veränderung der Lebenszufriedenheit, die sich hauptsächlich durch die zusätzliche Freizeit ergab“, erklärte die Leiterin der Studie, Julia Backmann, bei der Vorstellung der Ergebnisse und belegte dies mit Zahlen: Hatten vor dem Projekt 64 Prozent der Mitarbeitenden den Wunsch, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, waren es nach der Einführung der Vier-Tage-Woche nur noch 50 Prozent.
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Optimierte Prozesse und mehr Effizienz sorgten für gleichbleibende Produktivität
Um die verkürzte Arbeitszeit nicht mit mehr Überstunden auszugleichen, gingen die Unternehmen unterschiedliche Wege: Jeweils über 60 Prozent reduzierte Ablenkungen und optimierte Prozesse , gut die Hälfte der Unternehmen veränderte die Meeting-Kultur, indem sie beispielsweise die Frequenz und die Länge der internen Treffen verringerte. Ein Viertel der Teilnehmenden führte neue digitale Werkzeuge ein, um die Effizienz weiter zu steigern.
Dadurch konnte die Produktivität in den Unternehmen gehalten werden oder sogar steigen. Es hätten sich leichte Steigerungen in den finanziellen Leistungskennzahlen wie Umsatz und Gewinn gezeigt, so Backmann. Auch Geschäftsführer und Mitarbeiterende berichteten von einer verbesserten Produktivität.
Um passende Arbeitszeitmodelle und optimierte Prozesse zu erarbeiten, konnten die teilnehmenden Unternehmen an bis zu 15 Online-Workshops teilnehmen. Netzwerktreffen ermöglichten persönlichen Erfahrungsaustausch.
Unternehmen warben mit der 4-Tage-Woche erfolgreich um neue Fachkräfte
Ob sich die 4-Tage-Woche auch auf die Gewinnung neuer Mitarbeitender auswirkte, konnten die Wissenschaftler nicht eindeutig belegen. Zwar seien die Mitarbeiterzahlen in den beteiligten Betrieben während des Projektes gestiegen. Unklar sei, ob dies allein der verkürzten Arbeitszeit zuzurechnen sei. Dass einige der Unternehmen offensiv mit der 4-Tage Woche geworben hätten, werteten die Forscher als starkes Indiz.
Ein positives Fazit der 4-Tage-Woche zogen daher nicht nur Mitarbeitenden, sondern auch die Betriebe: Mehr als 70 Prozent wollen sie fortsetzen, in dem sie entweder die Testphase verlängern oder die verkürzte Arbeitszeit dauerhaft einführen.
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