Betriebsnachfolge: Von der Kollegin zur Chefin?
Karina Hinrichs wollte unbedingt die Unterstützung des Teams für die Betriebsübernahme – und wurde von den Kollegen überrascht.
Es läuft für Karina Hinrichs: zwei neue Gesellen, zwei neue Azubis und ein Team, in dem die Chemie stimmt. Die Chefin der Elektro Einemann GmbH & Co. KG mit ihren 26 Mitarbeitenden in Hatten strahlt. Dabei war sie sich Ende 2023 gar nicht sicher, ob sie wirklich die Betriebsnachfolge in dem Elektrounternehmen antreten wird.
„Ich hatte schlaflose Nächte vor dem Tag der Bekanntgabe“, erinnert sich die 39-Jährige: Wie wird das Team reagieren, wenn es von der Übergabe es erfährt? Für Hinrichs stand damals fest: „Ich hätte den Betrieb nicht übernommen, wenn mich das Team nicht akzeptiert hätte.“ Als Kollegin und Projektleiterin hatte sie das Team in den vergangenen zwei Jahren zwar voll akzeptiert. Doch nun als Chefin?
Erleichterung im Team
Doch als Altinhaber Torsten Einemann gemeinsam mit Hinrichs das Team informierte, reagierte es überraschend: „Ich konnte Erleichterung in den Gesichtern sehen“, erinnert sich Hinrichs. Der Grund: „Damit war für das Team klar, dass es hier weitergeht und sich niemand eine neue Stelle suchen muss“, sagt die Unternehmerin.
Dennoch wollte sie es genau wissen – und fragte das Team, ob alle mit ihr als neuer Chefin einverstanden sind. „Ich habe auch Einzelgespräche angeboten, falls sich jemand nicht in der Runde nicht äußern will.“ Doch das sei nicht nötig gewesen, die Zustimmung erhielt sie sofort – und viel Unterstützung in den folgenden Monaten. „Es gab bis zur Übergabe Anfang 2024 noch einiges zu organisieren und zu klären, das hat viel Zeit gekostet.“ Die Kollegen hätten sich in der Zeit voll hinter sie gestellt, Verantwortung übernommen und sie im Büro stark entlastet.
Denn die Akzeptanz des Teams hatte sich Hinrichs schon vor der Übernahme erarbeitet. Als Fachwirtin des Handwerks und gestandene Projektleiterin im Elektrohandwerk brachte sie viel Erfahrung mit, als sie 2021 in dem Betrieb anfing: „Ich war schon immer in der Elektrobranche tätig und war auch schon hier als Projektleiterin unterwegs. Ich habe das technische Zeichnen gelernt und war dann auch viel mit auf den Baustellen und auf Montage dabei.“ Stolz zählt sie Stationen auf wie zum Beispiel das Airbase-Gelände in Ramstein, Dr. Oetker in Wittlich oder das Kraftwerk Neurath.
Veränderungen nicht ohne Überzeugungskraft
Dass Karina Hinrichs als Chefin noch das eine oder andere verändern würde, war dem Team auch klar – und kein Problem: Mit den Veränderungen habe sie schon als Projektleiterin im Betrieb angefangen. „Wir haben das Lager umstrukturiert, die Arbeitsabläufe komplett in die Cloud verlegt, und die Monteure sind jetzt alle mit Tablets unterwegs.“ Schnellere Abläufe, weniger Wege und mehr Überblick für alle sind das Ergebnis.
Am Anfang habe sie das viel Überzeugungsarbeit gekostet, berichtet Hinrichs. Doch inzwischen seien die Mitarbeitenden sehr zufrieden, weil die digitalen Abläufe auch für sie Entlastung bedeuten. „Und jetzt sind sie oft viel schneller mit dem Tablet als ich“, freut sich die Chefin.
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