Entscheidungshilfe in der Praxis

Bierdeckel-Kalkulation im Betrieb: Der schnelle Weg zum fairen Preis

Fensterspezialist Moritz Hildebrandt schafft Kostentransparenz in seinem Handwerksbetrieb. Seine einfache Lösung: die Bierdeckel-Kalkulation.

4 Min.31.03.2025, 02:00 Uhr (Aktualisiert am 25.02.2026, 09:18 Uhr)
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Handwerksunternehmer Moritz Hildebrandt hat mit Experten-Unterstützung die Preisstrukturen in seinem Betrieb überarbeitet.
Handwerksunternehmer Moritz Hildebrandt hat mit Experten-Unterstützung die Preisstrukturen in seinem Betrieb überarbeitet. Lisa Plotz Fotografie
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Auf einen Blick

Moritz Hildebrandt setzt auf eine besondere Kalkulationsmethode, um wirtschaftlich herausfordernde Zeiten mit mehr Gewissheit zu meistern.

Dank dieser Methode lassen sich vor jedem Kundenangebot schnell Berechnungen durchführen – mit mehreren Vorteilen.

Der Fensterspezialist kann gezielt Anpassungen vornehmen, die ihm, seinen Mitarbeitern und den Kunden mehr Sicherheit bieten.

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Gerade in Zeiten steigender Kosten und unsicherer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen müssen Unternehmen fundierte Entscheidungen treffen. Das gilt auch für den Betrieb Nagelschmidt aus Hannover. Dieser ist spezialisiert auf Fenster, Panorama-Schiebefenster, Wintergärten, Sonnenschutz und Türen. Die 1969 gegründete Firma wird bereits in dritter Generation geführt. Als Moritz Hildebrandt, gelernter Metallbauer, während der Coronakrise das Unternehmen kaufte und die Geschäftsleitung übernahm, standen er und sein 15-köpfiges Team vor vielschichtigen Herausforderungen.

Neben Lieferengpässen und schwankenden Materialpreisen ist laut Hildebrandt vor allem die Kaufzurückhaltung der Kunden eine der größten Herausforderungen der vergangenen Jahre gewesen. Gleichzeitig empfand er die frühere Kostenaufschlüsselung als zu undurchsichtig. Eine Vor- und Nachkalkulation seien nicht gegeben oder kaum möglich gewesen.

„Der Kunde guckt genauer hin“, betont er. „Beim Autokauf kann er ausgestellte Fahrzeuge und Preise – auch online – schnell vergleichen. Beim Fenster entscheidet er sich oft für das günstigste Angebot. Deshalb ist es für mich entscheidend, Preistransparenz zu schaffen und dem Kunden unsere Alleinstellungsmerkmale aufzeigen zu können. Dazu gehören beispielsweise die Montage durch unser eigenes Personal oder die Möglichkeit, jedes Projekt auf Wunsch zu visualisieren.“

Durch einen Zufall stieß Hildebrandt auf eine für ihn neue Kalkulationsmethode: die sogenannte „Bierdeckel-Kalkulation“ . Der Besuch des Online-Seminars zur „Bierdeckel-Kalkulation“ brachte schließlich neue Chancen für den Metallbaumeister und seinen Betrieb.

Wie kalkulieren Betriebe richtig? Wie ermitteln Sie Ihre persönliche Preisuntergrenze, um nie mehr unlukrative Angebote abzugeben? Das erklären Martin Herber und Rainer Dreier am 18. November 2025 kostenlos im handwerk.com-Online-Seminar Bierdeckel-Kalkulation. Hier können Sie sich anmelden!

Lisa Plotz Fotografie

Die Bierdeckel-Kalkulation in der Anwendung

Die Bierdeckel-Kalkulation basiert auf drei Zahlen, die schließlich eine solide Rechenbasis für einen fairen Preis bilden. Eine davon sind die Vollkosten – und genau diese wurden mit dem Seminarleiter Martin Herber völlig neu durchleuchtet. „Man muss bereit sein, seine Hose runterzulassen“, sagt Hildebrandt. Alle Betriebsausgaben – vom Montagematerial bis hin zu Handykosten – werden offengelegt und in die Kalkulation integriert. Laut Hildebrandt ein großer Vorteil: Im Rahmen des Seminars profitiert man von den Erfahrungswerten des Seminarleiters.

Auch aus der zweiten Zahl, den Produktivitätsstunden, ergab sich eine wichtige Erkenntnis für den Firmeninhaber. „Wir haben nicht mehr pauschal in Tagen gedacht, sondern die exakten Produktivitätsstunden an den Kunden weitergegeben“, erklärt Hildebrandt. „Wir sammelten Vergleichswerte und konnten einsehen, wie lange wir tatsächlich zum Beispiel für ein Fenster brauchen.“ Diese Erkenntnis führte nicht nur zu einer präziseren Preisgestaltung, sondern auch zu faireren Angeboten für die Kunden.

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 [Erklärung der Redaktion: Die Vollkosten werden durch die produktiven Stunden geteilt. So ergibt sich die dritte Zahl – die Preisuntergrenze. Liegt der Stundensatz bei einem Auftrag unter dieser Grenze, rechnet er sich für den Betrieb nicht. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Welche Aufträge lohnen sich für Ihren Betrieb ?“]

Die neue Methode ermöglicht zudem eine detaillierte Vor- und Nachkalkulation jedes Auftrags. Besonders beim Umgang mit Mehraufwand erweise sich das als hilfreich. „Manchmal kommt noch diese und jene Leiste dazu. Bevor wir mit den Preisen an den Kunden gehen, wird der Auftrag einmal ‘durch den Bierdeckel gejagt’. Stehen wir positiv da, können wir dem Kunden auch mal eine kleine Serviceleistung kostenlos anbieten.“

Für Investitionen in Betriebsmittel und Mitarbeiter

Auf Basis der neuen Erkenntnisse nahm Hildebrandt im Betrieb gezielt Anpassungen vor. So wurden beispielsweise die Stundenpreise im Kundendienst angepasst, da sich zeigte, dass sie zuvor zu niedrig angesetzt waren. Auch Investitionsentscheidungen – etwa beim Fuhrpark – werden nun genauer durchgerechnet.

Ob Leasing oder Kauf eines Fahrzeugs: Mit der Methode lassen sich verschiedene Szenarien simulieren. Das gelte auch für die Planung von neuem Personal. Bevor weitere Mitarbeiter eingestellt werden, schaut der Betrieb genau hin: Rechnet sich die Einstellung? Denn nur wer auf der Baustelle oder in der Werkstatt produktiv arbeitet, bringt Einnahmen – Verwaltungskräfte dagegen laufen über die Gemeinkosten. So konnte beispielsweise über die Anstellung einer technischen Zeichnerin gezielt auf Basis der Kalkulation entschieden werden.

Ein Blick in die Zukunft

„Mit der Bierdeckel-Kalkulation haben wir nun einen klaren Überblick“, resümiert Moritz Hildebrandt. „So können wir trotz möglicher Unvorhersehbarkeiten eine jährliche Zielsetzung festlegen.“

Einen Tipp gibt er seinen Handwerkskollegen mit auf den Weg: „Mit dem Webinar-Leiter gewinnt man einen Ansprechpartner, mit dem man auch zukünftig individuelle Situationen durchgehen kann. Man kann nicht alles wissen, aber man muss wissen, wo man fragen kann.“

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