Fuhrpark

Elektroautos: Versicherer kritisieren hohe Reparaturkosten

25 Prozent teurer als beim Verbrenner sollen Reparaturen an Elektroautos sein. Dennoch fallen sie in den Schadensbilanzen teils positiver auf. Aus folgendem Grund.

2 Min.08.08.2024, 02:00 Uhr (Aktualisiert am 18.02.2026, 13:56 Uhr)
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Reparaturbedürftiges Elektroauto (Illustration): Die Versicherungswirtschaft kritisiert hohe Reparaturkosten bei den Stromern.
Reparaturbedürftiges Elektroauto (Illustration): Die Versicherungswirtschaft kritisiert hohe Reparaturkosten bei den Stromern. Gille, erstellt mit KI Midjourney
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Auf einen Blick

Reparaturen an Elektroautos sollen im Schnitt um ein Viertel teurer als bei Verbrennern sein.

Positiv wirkt sich bei Versicherern dagegen aus, dass 20 Prozent weniger Schäden gemeldet würden als im Vergleich zu Verbrennern.

Versicherer fordern Autohersteller auf, Reparaturkosten zu senken. Wie sollen sie das erreichen?

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Ein Argument pro Elektroauto sind die geringeren Kosten im Unterhalt, etwa bei der Wartung. Deutlich anders sieht die Kostenverteilung zwischen Verbrennern und E-Mobilen offenbar bei Reparaturen nach Unfallschäden aus. Das hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in einer aktuellen Studie ermittelt.

„Unfallschäden an einem Elektroauto kosten deutlich mehr als bei einem vergleichbaren Auto mit Verbrennungsmotor“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV. Konkret seien die Reparaturkosten im Schnitt um ein Viertel höher als beim Verbrenner. Als Ursachen führt der GDV folgende Faktoren an: hohe Ausgaben für den Tausch von Antriebsbatterien, lange Standzeiten und schlechte Diagnose- und Reparaturmöglichkeiten.

Stromer teils teurere Typklassen

Positiv in der Kostenbilanz der Elektrofahrzeuge wirkt die Schadenshäufigkeit: Gemäß der GDV-Untersuchung werden in der Vollkasko-Versicherung für Stromer bis zu 20 Prozent weniger Schäden gemeldet. Beide Faktoren – die geringere Zahl an Unfallschäden sowie die höheren Kosten für Reparaturen – würden von den Kfz-Versicherern bei der Berechnung der individuellen Typklassen eines Modells berücksichtigt. Je kleiner die Typklasse, desto günstiger wirkt sich das auf den Versicherungsbeitrag aus.

In 38 Fällen hat der GDV die Typklassen der E-Mobile mit denen ihrer Verbrenner-Pendants verglichen. In den beiden Tabellen unten wird ersichtlich, dass die Stromer bei der Haftpflicht überwiegend in eine niedrigere, also insgesamt günstigere Typklasse eingeordnet wurden: Von den 38 Vergleichspaaren waren in 20 Fällen die Stromer günstiger, in 4 Fällen gleich teuer und 14 mal teurer eingestuft. 

Nicht so positiv für die Elektrosparte fiel das Vergleichsergebnis bei den Vollkasko-Versicherungen aus. Hier waren die Stromer nur in 12 Fällen günstiger, 11 mal gleich teuer und in 15 Fällen teurer das vergleichbare Verbrennermodell.  

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Während die Elektromodelle in der Haftpflichtversicherung also häufiger günstiger waren als ihre konventionell angetriebenen Pendants, fiel ihre Kosteneinstufung in der Vollkaskoversicherung gegenüber den Verbrennern häufiger negativ aus.

Versicherer sehen Hersteller in der Pflicht

Der GDV fürchtet, dass diese Entwicklung negative Folgen für die Mobilitätswende haben kann. Er fordert die Automobilhersteller dazu auf, bei der Eindämmung der Reparaturkosten zu helfen. „Werkstätten, Abschleppunternehmen, Feuerwehren und Gutachter brauchen mehr Unterstützung beim Umgang mit schwer beschädigten Elektroautos“, sagt Asmussen.

Schon beim Design der Fahrzeuge sollten Batterien vom Hersteller so gut wie möglich vor Schäden durch Unfälle geschützt werden. Auch brauche es nach einem Unfall aussagekräftige Diagnosedaten zum Zustand der Batterie. Denn die aktuelle Unsicherheit führe zu hohen Kosten: „Nach Unfällen werden die Antriebsbatterien häufig komplett ausgetauscht. Zudem werden die Autos sehr lange in Quarantäne gelagert oder sogar in Löschcontainern im Wasser versenkt, was zum Totalschaden führt“, sagt Asmussen.

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