„Etwas Besseres als Fahrzeugwerbung gibt es nicht“
Wie finden Handwerker ihre Wunschkunden? Jens Nordmann erreicht das mit Werbung – und die lässt er sich einiges kosten. Warum sich das für ihn lohnt.
Auf einen Blick
Ob Google-Suche, Lokalzeitung oder Social Media: Wer im Raum Oldenburg nach einem Zimmerer, Flachdachabdichtungen oder dem Einbau von Velux-Fenstern sucht, kommt an Zimmermeister Jens Nordmann nicht vorbei. Im Gespräch verrät der Chef eines 12-köpfigen Betriebs in Friesoythe, warum er so viel in Werbung investiert – und was das bringt.
Herr Nordmann, Sie machen viel Werbung. Ist die Auftragslage so, dass das nötig ist?
Jens Nordmann: Nein, überhaupt nicht. Aber ich mache das nach dem Motto: „Wer nicht wirbt, der stirbt.“ Vor allem investiere ich in Werbung, weil ich mir so meine Kunden aussuchen kann – solche, die zu unseren Leistungen passen. Wir haben rund 20 Anfragen am Tag, von denen wir im Schnitt zwei bedienen. Dadurch kommen wir an die interessanten und lohnenden Aufträge – und so rechnet sich das.
QR-Code und Maskottchen auf den Fahrzeugen
Sie bespielen viele Werbekanäle. Was bringt am meisten?
Nordmann: Der Mix macht es. Aber spontan würde ich sagen: Etwas Besseres als Fahrzeugwerbung gibt es nicht. Die Menschen sehen uns in ihrer Nachbarschaft, wenn wir dort arbeiten, oder auf den Fahrten von und zum Kunden. Dadurch bekommen wir viele Anrufe, weil wir für Aufträge ja ständig in den Gegenden unterwegs sind, wo auch andere unsere Leistungen brauchen. Das betrifft vor allem Oldenburg, wo wir 90 Prozent unserer Aufträge haben.
Worauf kommt es bei der Fahrzeugwerbung an, was ist Ihnen dabei wichtig?
Nordmann: Die Kontaktaufnahme muss möglichst einfach sein. Deswegen steht auf unseren neuen Fahrzeugen auch ein QR-Code. Der Code befindet sich auf der Rückseite, damit man ihn unterwegs problemlos abfotografieren kann. Mit dem QR-Code haben wir jetzt auf zwei (Dopplung) Fahrzeugen angefangen. Außerdem haben wir das Design aktualisiert. Für den Wiedererkennungswert sind wir bei unseren Farben geblieben: weiße Schrift auf rotem Grund. Aber wir haben die Beschriftung etwas angepasst. Außerdem ist jetzt das Firmenmaskottchen, unser Bär, auf den Autos zu sehen.
Bringt der QR-Code auf den Fahrzeugen etwas?
Nordmann: Ja, das können wir messen. Dadurch entstehen viele Aufrufe unserer Website . Interessanterweise springen die meisten Leute dann erst einmal auf die Seite mit den Mitarbeitern. Wahrscheinlich wollen die Kunden sehen, mit wem sie sprechen, falls sie uns anrufen.
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Mix aus Internet, Social Media und Tageszeitung
Im Internet sind Sie ebenfalls sehr präsent. Was machen Sie dort?
Nordmann: Wir nutzen Google Ads, um bei Suchen nach unseren Tätigkeitsschwerpunkten in Oldenburg oben angezeigt zu werden. Damit erreichen wir eine sehr hohe Reichweite. Im Vergleich zur Zeitungswerbung erzeugen diese Anzeigen mehr Anfragen pro Euro.
Also verzichten Sie auf Zeitungswerbung?
Nordmann: Überhaupt nicht. Wir werben regelmäßig in der Nordwest-Zeitung, der Tageszeitung in Oldenburg. Wir legen Prospekte bei. Das ist teurer als eine Kleinanzeige, erzeugt aber mehr Aufmerksamkeit, und potenzielle Kunden heben den Prospekt auf. Die Verteilung über die Tageszeitung hat auch gegenüber dem Postversand von Flyern einen Vorteil: Die Leser bezahlen für die Zeitung, haben also eher ein höheres Bildungsniveau, sind eher kaufkräftig und eher Eigenheimbesitzer. Also erreiche ich so meine Zielgruppe besser.
In den Social Media sind Sie auch zu finden. Was bringt das?
Nordmann: Das ist ganz unterschiedlich. Zum Beispiel veröffentlichen wir auf Youtube Videos zur Wissensvermittlung – Erklärvideos, die wir unseren Kunden senden, um Abläufe zu erklären. Auf Tiktok sind wir präsent, weil ein modernes Unternehmen nicht den Anschluss verlieren darf und weil wir dort potenzielle Azubis erreichen. Außerdem sind wir auf Facebook, Instagram und Pinterest aktiv.
Fünfstellige Werbeausgaben pro Jahr
Das klingt alles nach ziemlich viel Aufwand. Kümmert sich eine Agentur um Ihre Werbung?
Nordmann: Wir wollen, dass unsere Werbung authentisch ist, deswegen kümmern wir uns um die meisten Marketingaktivitäten selbst. Agenturen beauftragen wir nur für aufwendige Projekte wie Imagevideos.
Verraten Sie uns, wie viel Sie pro Jahr in Werbung investieren?
Nordmann: Das sind zwischen 40.000 und 50.000 Euro pro Jahr. Davon entfallen zum Beispiel 2.000 Euro pro Monat auf Google Ads. Darin sind aber auch Budgets für Sonderaktionen enthalten, wie zum Beispiel 15.000 Euro für eine professionelle Videoproduktion zur Mitarbeitergewinnung vor zwei Jahren.
Das ist sehr viel Geld für einen Handwerksbetrieb Ihrer Größe. Wie rechnet sich das?
Nordmann: Es rechnet sich. Ich habe mich schon sehr früh mit dem Thema Werbung im Handwerk beschäftigt. Ich habe viel aus einer Diplomarbeit über die Werbewirkung in einer Zimmerei gelernt, die ich damals entdeckt habe. Der Mix bringt es. Deswegen machen wir auch E-Mail-Werbung bei Bestandskunden, denn da fallen auch immer zwei bis drei Aufträge ab. Und so eine Prospektaktion muss zum Beispiel mindestens drei Aufträge einbringen, um die Kosten zu decken. Aber in der Praxis führt sie zu mehr als 30 Aufträgen von unseren Wunschkunden . Damit sind wir gut ausgelastet und verdienen gutes Geld. So müssen wir nicht irgendwelche Aufträge annehmen, die im Ergebnis vielleicht nicht so toll für uns wären.
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