Strategie

„Wir müssen den Betrieb so führen, dass er attraktiv ist“

Ein Unternehmerpaar investiert in Maschinen, Fuhrpark und IT, um einen Nachfolger für seinen Handwerksbetrieb zu finden. Ist das nicht riskant?

4 Min.10.10.2025, 02:00 Uhr (Aktualisiert am 10.02.2026, 11:09 Uhr)
Von
Marius Körper (links) übernimmt in sechs Jahren den Betrieb seiner Eltern, Ulrike und Jörg Körper (Mitte).
Marius Körper (links) übernimmt in sechs Jahren den Betrieb seiner Eltern, Ulrike und Jörg Körper (Mitte). Foto: Kira Fleck I Babian Nockel – Central Studios
Anzeige

Auf einen Blick

Modernisierungsstau vor der Nachfolge: Viele Betriebsinhaber investieren weniger, wenn noch kein Nachfolger gefunden ist.

Ulrike und Jörg Körper gehen einen anderen Weg: Sie sind finanziell bewusst ins Risiko gegangen, um einen Nachfolger zu finden. Das ist auch ein Zeichen an das Team.

Das Ergebnis: Das Investment hat sich gelohnt – in mehrfacher Hinsicht.

Anzeige

Ulrike und Jörg Körper sind Anfang 60. In sechs Jahren wollen sie ihre Tischlerei in Hannover an einen Nachfolger übergeben. Damit das gelingt, haben sie jetzt kräftig investiert: rund 200.000 Euro in neue Maschinen und den Fuhrpark. Auch die Verkaufsausstellung haben sie erweitert. Ihr Ziel: Der 14-Mann-Betrieb soll für potenzielle Nachfolger möglichst attraktiv sein.

Das ist nicht selbstverständlich. Viele Betriebsinhaber zögern mit Investitionen , wenn der Ruhestand naht und kein Nachfolger bereitsteht, wie KfW-Umfragen zeigen. Doch wie wirkt ein Investitionsstau auf potenzielle Nachfolger? Diese Frage beschäftigte auch die Körpers, als sie vor zwei Jahren mit der Nachfolgeplanung begannen. Damals war nur eines klar: Eine Nachfolge in der Familie würde es nicht geben. Das Ehepaar stand vor zwei großen Herausforderungen: Wie finden sie Nachfolgekandidaten, und was erwarten diese vom Betrieb?

Investitionen als Zeichen für die Mitarbeitenden

Ziemlich schnell war ihnen klar: „Wir müssen den Betrieb so führen, dass er attraktiv ist“, sagt Jörg Körper. „Wer alles runterfährt und nicht investiert, hat keine Chance, jemanden zu finden.“ Zumal eine veraltende Ausstattung noch einen anderen Effekt hat, ergänzt Ulrike Körper: „Für das Team sind die Investitionen ein Zeichen: Es geht weiter, die Arbeitsplätze sind sicher.“ Diese Perspektive ist wichtig. „Sonst schaut sich vielleicht der eine oder andere nach einer neuen Stelle um – das kann schnell zu einer Lawine führen.“

Finanziert haben die Körpers die Anschaffungen aus eigenen Mitteln und mit Investitionskrediten. „Eine leichte Entscheidung war das nicht“, sagt Ulrike Körper: „Das ist eine Gratwanderung, wenn noch kein Nachfolger in Sicht ist.“ Natürlich hoffen sie und ihr Mann, dass sich die Investitionen später im Kaufpreis widerspiegeln. Es sei schon ein bisschen wie eine Wette auf die Zukunft, ergänzt Jörg Körper. „Aber wir haben uns gesagt, dass wir die Braut hübsch machen müssen, wenn wir jemanden finden wollen.“ Nicht zu investieren, war keine Option. „Sonst sägt man sich den Ast ab, auf dem man sitzt“, sagt der Unternehmer.

[Tipp: Sie wollen beim Thema Stategie im Handwerk nichts verpassen? Nutzen Sie den kostenlosen Newsletter von handwerk.com.  Jetzt hier anmelden! ]

In der Tischlerei Klauenberg kommt künftig der Einsatz von Tablets für alle Mitarbeitenden – und dann der schrittweise Übergang zum „papierlosen Büro“.

Der Betrieb profitiert schon jetzt

Der Betrieb profitiert schon jetzt von den Investitionen: „Das Team ist zufrieden, weil die Arbeit mit den neuen Maschinen reibungsloser läuft“, berichtet Jörg Körper. Und das soll lange so bleiben: Der Maschinenpark ist nun auf einem Stand, mit dem die Tischlerei „mindestens die nächsten zehn bis 15 Jahre“ arbeiten kann. Ein Nachfolger müsse sich in den ersten Jahren keine Gedanken über Ersatzinvestitionen machen.

Anzeige

Auch in Sachen Digitalisierung will das Unternehmerpaar den Betrieb bis dahin auf Stand bringen. Als Nächstes steht der Einsatz von Tablets für alle Mitarbeitenden an und dann der schrittweise Übergang zum „papierlosen Büro“, berichtet Ulrike Körper.

Ob sich der Einsatz finanziell rechnet, zeigt sich erst bei der Übernahme. „Das wird später bewertet, wenn es so weit ist“, so Ulrike Körper. Die Betriebsbewertung soll dann die Handwerkskammer erstellen. Deren Bewertungsverfahren hat zwei Vorteile: Es ist kostenlos und allgemein anerkannt, auch auf Käuferseite. „Da wird eine Summe X herauskommen, und dann werden wir sehen, was tatsächlich erzielbar ist.“

Eigentlich hatte Marius Körper andere Pläne. Doch die strategischen Investitionen der Eltern haben ihm die Entscheidung für die Betriebsnachfolge erleichtert.

Überraschende Lösung: Nachfolger gefunden

Mittlerweile steht allerdings fest, mit wem das Ehepaar über die Konditionen der Übernahme verhandeln wird: Ihr Sohn Marius hat sich überraschend für den Einstieg in das Familienunternehmen entschieden. Eigentlich hatte er andere Pläne, doch die Aussicht auf einen Verkauf brachte ihn zum Nachdenken, berichtet der 28-Jährige. Ihm wurde klar, „wie sehr ich persönlich an dem Betrieb hänge und dass ich ihn in der Familie halten möchte“.

Die strategischen Investitionen der Eltern erleichterten ihm die Entscheidung. „Das war eine meiner ersten Fragen: Was haben wir für Investitionen in die Zukunft?“ Maschinen- und Fuhrpark sind „zwei ganz große Faktoren“ für jeden Nachfolger. Hätte er sich sonst gegen die Nachfolge entschieden? „An meiner Entscheidung hätte das nichts geändert“, sagt Marius Körper. „Aber dann wären Investitionen auf jeden Fall ein Thema geworden, damit die Übernahme funktioniert.“

Tipp: Sie wollen beim Thema Strategie im Handwerk nichts verpassen? Nutzen Sie den kostenlosen Newsletter von handwerk.com.  Jetzt hier anmelden!

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Anzeige