Erfolgreicher Neustart Schritt für Schritt
Als ihr Chef den Betrieb schließen wollte, wagten sich Jan-Hendrik Oberländer und Sven Deiß in die Selbstständigkeit. Investitionsbedarf und Risiken steuern sie strategisch.
Auf einen Blick
Eigentlich hätten sich Jan-Hendrik Oberländer und Sven Deiß 2024 neue Jobs suchen müssen: Der Chef der beiden Steinmetze wollte den Betrieb in Oldenburg schließen. Also ein Wechsel? Gar nicht so leicht in einem Gewerk, in dem zwar Fachkräftemangel herrscht, die vielen Kleinstbetriebe aber selten eine zweite Führungsebene brauchen und bezahlen können. Genau das hatten die beiden bislang gemacht: Oberländer (34), Steintechniker, war seit Jahren zuständig für Akquise, Beratung, Kalkulation, Angebote und Planung. Deiß (38) führte die Baustellen und die Mitarbeitenden.
Neugründung mit Pachtvertrag
Mit diesen Erfahrungen lag die Alternative schnell auf der Hand: Selbstständigkeit. Ganz neu war der Gedanke nicht. Darüber gesprochen hatten sie schon das eine oder andere Mal. Doch eine komplette Neugründung war Oberländer immer zu riskant: „Da müsste man Kredite aufnehmen, rund zwei Millionen Euro in einen Betrieb auf der grünen Wiese investieren und dann hoffen, dass es funktioniert.“ Die drohende Betriebsschließung brachte Oberländer und Deiß auf eine andere Lösung: Sie gewannen den Inhaber dafür, ihnen Immobilie, Lager, Werkzeug und Maschinen zu verpachten. „Das war unsere Chance: Es ist zwar auch eine Neugründung, aber das Risiko ist viel geringer“, betont Deiß.
So starteten Oberländer und Deiß Mitte 2024 mit einem Mitarbeiter als „Natursteinpartner Oldenburg“. Ihr Ziel: „Wir wollen beide dasselbe: Verantwortung übernehmen, größer werden, moderner, und von dem erwirtschafteten Geld existieren“, sagt Deiß.
Auch für Investitionen benötigen die beiden Kapital. Der Vorgänger hatte jahrelang nicht investiert. Maschinen, Hallen und Werkzeuge funktionieren zwar, doch Vieles ließe sich effizienter erledigen, meint Oberländer. Ein papierloses Büro sei geplant, vom Aufmaß bis zur Schlussrechnung. Ein Ziel: Sie wollen Daten direkt an eine neue CNC-Steinsäge übermitteln. Das Geld für die Säge wollen sie aus ihrem Wachstum finanzieren. Die Chancen stehen gut, denn Geld verdienen die Natursteinpartner seit dem ersten Tag.
Mit der Nachfrage wächst das Team
„Wir hatten einen reibungslosen Übergang, der Betrieb war nicht einen Tag geschlossen“, sagt Deiß stolz. Partnerbetriebe im Handwerk informierten die beiden persönlich über die Übernahme: „Das kam gut an“, berichtet Oberländer. Dazu kommen Bestandskunden und Laufkundschaft: Der Standort liegt zentral neben einer Autobahnabfahrt und gehört seit Jahrzehnten zum Stadtbild. „Viele Kunden haben nicht einmal bemerkt, dass ein neuer Name an der Wand steht“, so Deiß. Auch Neukunden werden über die neue Website, Instagram und Facebook auf den Betrieb aufmerksam.
Die Folge: „Wir sind gut ausgelastet, obwohl die Nachfrage nach Grabsteinen derzeit etwas zurückgegangen ist“, ergänzt Oberländer. Denn gleichzeitig sei die Nachfrage nach Bauleistungen gestiegen: Mit Küchenplatten, Natursteintreppen, Fensterbänken, Bädern und Fußböden haben Deiß und Oberländer mehr als genug zu tun. So viel, dass das Team wächst: Eine Vollzeitkraft im Büro, eine in der Werkstatt und ein Minijobber sind seit Jahresanfang hinzugekommen.
Schrittweise investieren
Investiert haben die beiden ebenfalls – nach einfachen Kriterien: Was hilft ihnen sofort weiter, und was können sie sich leisten? Neues Werkzeug war wichtig für den laufenden Betrieb. Die kleine Ausstellung haben sie ebenfalls modernisiert. „Die sehen die Kunden schließlich zuerst“, sagt Deiß. So präsentiert sich der Betrieb jetzt auch auf Monitoren, exklusive Materialien fangen den Blick der Kunden ebenso wie seltene Steinsorten und Halbedelsteine – eine Leidenschaft von Oberländer.
Auch die Arbeitsplätze im Büro haben die Handwerker aufgerüstet, um Planung und Verwaltungsaufgaben schneller zu erledigen. Das mache sich jetzt schon bezahlt. Und wann kommt die neue CNC-Säge? „Dafür brauchen wir finanziell noch etwas Luft, und die alte Maschine tut ihren Dienst“, so Oberländer. Über die Amortisation der neuen Säge machen sich die Steinmetze hingegen keine Gedanken. Auch nicht darüber, dass der Pachtvertrag irgendwann ausläuft. „Wir wissen heute, dass unser Unternehmen auf einem soliden Fundament steht.“
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