Existenzgründung im Handwerk: So vermeiden Sie 3 große Fehler
Gründer im Handwerk können sich leicht zwischen Finanzen, Steuern und Businessplan verzetteln. Drei große Fehler und zwei wichtige Tipps.
Auf einen Blick
Eine Existenzgründung im Handwerk ist eine knifflige Angelegenheit, denn es kommt nicht nur auf die fachliche Kompetenz an. „Viele Gründer sind fachlich hervorragend ausgebildet, unterschätzen jedoch zum Beispiel die Komplexität betriebswirtschaftlicher Themen“, sagt Inka von Fromm, Betriebsberaterin bei der Handwerkskammer Hildesheim . Ganz unabhängig vom Gewerk gebe es Herausforderungen, vor denen jeder Gründer stehe. Sie warnt vor drei typischen Fehlern und hat zwei wichtige Tipps für Gründer.
Fehler 1: Sie nehmen sich zu wenig Zeit
„Viele Handwerker, die einen Betrieb gründen wollen, unterschätzen die Vorbereitungsphase“, sagt von Fromm. „Eine Marktanalyse und einen Businessplan zu erstellen, Bank- und Beratungsgespräche zu führen – all das kostet Zeit.“
Wie lange die Vorbereitung im Einzelfall dauert, sei unterschiedlich. Als Faustregel gelte: Je höher die Kosten, desto mehr Zeit braucht die Vorbereitung. „Es kommt außerdem darauf an, wie viel der Gründer noch angestellt arbeitet“, gibt die Beraterin zu bedenken. Wer nebenbei Vollzeit arbeite, sollte von sechs Monaten Vorbereitung ausgehen.
Ist der Betrieb eröffnet, ist Ausdauer gefragt. „Die ersten ein bis zwei Jahre sind entscheidend, um sich am Markt zu etablieren, erste Kunden zu gewinnen und den Betrieb zu organisieren“, betont von Fromm. Geduld und Durchhaltevermögen seien in dieser Phase besonders wichtig.
Fehler 2: Sie haben keinen Businessplan
Seitenlang im Businessplan aufschreiben, was der Betrieb erreichen soll und was ich kann – Ist das wirklich notwendig? „Ja“, sagt Betriebsberaterin von Fromm. Sie hält ihn für eine Gründung im Handwerk für eine große Hilfe. Ein durchdachter Businessplan helfe dabei, das Geschäftskonzept zu konkretisieren, die Finanzierung zu sichern, langfristige Ziele zu definieren und auch scheinbar banale Fragen zu beantworten: „Warum will ich das machen? Was befähigt mich dazu? Was ist mein Alleinstellungsmerkmal? Wie gut ist der Standort? Was macht der Wettbewerb?“
Wichtiger Teil des Businessplans ist der Finanzplan. „Viele Gründer im Handwerk haben Wissenslücken bei den Themen Finanz- und Kostenplanung, vor allem bei der Kalkulation von Preisen und der Steuerung von Liquidität “, sagt die Betriebsberaterin. Ein guter Finanzplan helfe, den Überblick zu behalten, und biete eine solide Grundlage für Gespräche mit Banken und dem Steuerberater.
„Ein detaillierter Businessplan funktioniert wie ein Fahrplan“, betont von Fromm. „Er hilft dabei, eine systematische Herangehensweise beizubehalten und schrittweise die offenen Punkte zu erledigen.
Fehler 3: Sie nutzen keine Beratungsangebote
Nicht nur beim Thema Finanzen, auch in anderen Bereichen haben handwerkliche Gründer oft Wissenslücken. „Auch wenn die Gründer über eine gute Basis für unternehmerisches Handeln verfügen – sie können nicht alles wissen“, sagt von Fromm. Themen wie kaufmännische Organisation, Steuern und Versicherungen oder Personalführung seien vielen eher fremd.
„Wichtig ist es, sich beraten zu lassen“, betont von Fromm. „Welche Dinge muss ich beachten, welche Tools können mir helfen, was kann ich auch extern erledigen lassen?“ Ob bei der Handwerkskammer, beim Steuerberater oder bei der regionalen Wirtschaftsförderung – die unterschiedlichen Beratungsangebote seien hilfreich, um Schwachstellen zu identifizieren. „Ich rate auch allen, die regionalen Netzwerkstreffen zu nutzen, um mit anderen Gründern ins Gespräch zu kommen“, sagt die Betriebsberaterin. „Für viele Probleme haben andere schon eine Lösung gefunden – man muss nicht immer das Rad neu erfinden.“
Außerdem hat sie noch zwei wichtige Tipps:
Tipp 1: Betriebsübernahme statt Neugründung erwägen
Wer einen Handwerksbetrieb gründen will, sollte sich zugleich die Frage stellen, ob nicht auch eine Betriebsübernahme eine gute Idee sei, sagt von Fromm. „Die Babyboomer gehen in Rente, es wachsen weniger junge Leute nach.“ Es stünden daher viele attraktive eingeführte Betriebe zum Verkauf.
Auch hier sei es wichtig, ausreichend Zeit für eine vertiefte Betriebsprüfung einzuplanen. „Außerdem ist der Nachfolger auf externe Partner, wie den Steuerberater und den Betriebsinhaber, angewiesen“, gibt die Betriebsberaterin zu bedenken. Das könne zu Verzögerungen führen.
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Tipp 2: Förderungen nutzen
Egal ob Tischler oder SHK-Betrieb: Für eine Gründung ist Geld nötig. „Es gibt eine ganze Reihe von Förderungen, die Gründer im Handwerk nutzen können“, sagt von Fromm. Da nicht jede Förderung für jede Situation passe, sei gerade an diesem Punkt eine gründliche Beratung nötig.
Doch einige Förderprogramme gelten für (fast) alle:
- Wer aus der Arbeitslosigkeit heraus gründet, kann einen Existenzgründungszuschuss bei der Agentur für Arbeit beantragen. „Das ist allerdings eine Kann-Leistung“, sagt die Betriebsberaterin. Es bestehe kein Rechtsanspruch.
- Die KfW-Bank bietet drei unterschiedliche Kreditförderprogramme für Gründer. Je nach Programm und Summe, die zwischen 125.000 und 25 Millionen Euro liegen kann, gelten unterschiedliche Konditionen.
- Auch die Bundesländer fördern: So unterstützt Niedersachsen mit der „Gründungsprämie fürs Handwerk“ die Schaffung eines Arbeitsplatzes im neugegründeten oder übernommenen Unternehmen mit 10.000 Euro. Das gilt auch für übernommene Auszubildende .
- Sachsen-Anhalt unterstützt Betriebsübernahmen und Neugründungen von Meistern im Handwerk mit 10.000 Euro. Voraussetzung: Es müssen mindestens 15.000 Euro investiert worden sein und der Betrieb muss mindestens drei Jahre geführt werden.
- Außerdem bieten Landesbanken wie die Investitionsbank Sachsen-Anhalt oder die N-Bank in Niedersachsen spezielle Kredite für Gründer wie Mikrokredite für Betriebsübernahmen.
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