Last Minute noch Azubis finden: So kann es funktionieren
In vielen Betrieben sind Ausbildungsplätze offen. Gleichzeitig haben 170.000 junge Leute noch keine Lehrstelle. Mit diesen Tipps kann die Last-Minute-Besetzung gelingen.
Auf einen Blick
Das neue Ausbildungsjahr startet am 1. August. Die Vrielmann GmbH ist darauf schon gut vorbereitet: „Ich freue mich, dass wir neun Auszubildende für unseren Betrieb gewinnen konnten“, sagt Geschäftsführer Heiko Ensink. Mit der Suche nach neuen Auszubildenden haben er und sein Team schon im vergangenen Jahr angefangen: „ Betriebspraktika sind für uns bei der Rekrutierung besonders wichtig“, sagt Personalreferentin Andrea Schmees.
Mehrere junge Leute hätten auch 2023 ein Betriebspraktikum im Elektrobetrieb absolviert. „Dadurch hatten wir zu Jahresanfang schon mehrere Kandidaten im Blick“, berichtet Schmees. „Im Frühjahr haben wir sie noch mal zusammen mit ihren Eltern für einen Nachmittag zu einem Azubi-Insight zu uns eingeladen.“ Zu Ostern sei die Entscheidung gefallen, wer einen Ausbildungsvertrag erhält. „Inzwischen sind alle Verträge unterschrieben“, freut sich Schmees.
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Das sind mögliche Last Minute-Maßnahmen
Doch wie können Betriebe noch kurz vor Ausbildungsbeginn Azubis finden? „Die eigenen Mitarbeiter sind bei der Mitarbeitersuche die besten Multiplikatoren“, sagt Miladinovic. Er hat einige Tipps für Handwerksunternehmer.
- Offene Stellen im Team kommunizieren: So könnten Inhaber die Mitarbeitenden in die Suche mit einbeziehen: „Vielleicht kennt jemand aus Ihrem Team jemanden im Freundes- und Bekanntenkreis oder in der Familie, der noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist“, sagt der Berufsbildungsexperte. Wer möchte, könne gern Anreize für Empfehlungen setzen: „Bieten Sie Ihren Mitarbeitenden zum Beispiel eine kleine Prämie an, wenn sie erfolgreich jemanden vermitteln. “
- Suchen Sie über Social Media: Viele junge Menschen nutzen Instagram oder Tiktok nutzen. „Diese Kanäle funktionieren aber nicht wie ein schwarzes Brett“, betont der Kammerfachmann. Die Suche per Social-Media-Post eigne sich vor allem für Betriebe, die regelmäßig Inhalte auf Instagram und Tiktok veröffentlichen. „Wenn Sie dort nur etwas posten, wenn Sie gerade etwas brauchen, wird das sicher nicht den gewünschten Erfolg bringen“, so Miladinovic. Für die Postings hat er noch einen Tipp: „Achten Sie darauf, dass Ihr Aufruf authentisch ist und zu Ihrem Betrieb passt.“ Miladinovic rät Handwerksunternehmern zudem das Business-Netzwerk Linkedin für die Azubisuche zu nutzen. „Dort erreichen Sie zwar nicht die jungen Leute, aber deren Eltern“, betont er.
- Holen Sie sich Unterstützung bei Ihrer Handwerkskammer: „Die Ausbildungsberater sind immer gute Ansprechpartner für Themen wie Azubimarketing, Recruiting oder Employer Branding“, sagt Miladinovic. Ein weiteres Angebot der Kammern seien die Lehrstellenbörsen: „Melden Sie hier ebenfalls die offenen Ausbildungsstellen“, empfiehlt der Berufsbildungsexperte Unternehmen.
- Nehmen Sie Kontakt zu Bundesagentur für Arbeit (BA) auf: „Melden Sie dort unbedingt noch die offenen Ausbildungsstellen“. Schließlich wisse die BA, welche Jugendlichen noch einen Ausbildungsplatz suchen. Außerdem gebe es im September regelmäßig Nachvermittlungsaktionen.
Mehr als 170.000 junge Leute suchen noch
Nicht alle Betriebe haben bei der Suche nach Auszubildenden schon so viel Erfolg wie die Vrielmann GmbH in Nordhorn. Von den insgesamt 468.780 gemeldeten Ausbildungsstellen in ganz Deutschland sind laut Bundesagentur für Arbeit aktuell noch 253.600 unbesetzt. Gleichzeitig gebe es noch 171.560 Bewerber, die bislang noch keine Ausbildungsstelle gefunden haben. „Handwerksbetriebe haben deshalb durchaus Chancen, kurz vor dem Start ins neue Ausbildungsjahr noch Azubis zu finden“ betont Goran Miladinovic, der bei der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim den Fachbereich Berufsbildung leitet. Für die Suche hat er einige Last-Minute-Tipps.
Kurzfristige Betriebspraktika können eine weitere Option für die Last-Minute-Suche sein. „Gehen Sie proaktiv auf allgemein- und berufsbildende Schulen zu“, so Miladinovic. Ein Selbstläufer sei das nach Ferienbeginn zwar nicht. Aber bestehende Kontakte zu Lehrern oder Schulsozialarbeitern könnten durchaus noch helfen, Praktikanten und gegebenenfalls Azubis zu finden.
So hat sich die Ausbildungsplatzsuche verändert
In manchen Fällen könnte sich auch Geduld auszahlen: „Viele Jugendliche entscheiden sich nicht für das erstbeste Angebot, sondern wählen oft zwischen mehreren Verträgen aus“, sagt der Berufsbildungsexperte. Eine ähnliche Erfahrung bestätigt Andrea Schmees vom Elektrobetrieb Vrielmann: „Die jungen Berufseinsteiger sind bei der Ausbildungsplatzsuche entspannter, als wir es aus der Vergangenheit kennen. Sie lassen sich oft mehr Zeit mit ihrer Entscheidung beziehungsweise beginnen später mit der Suche.“
Die Personalreferentin kann das durchaus nachvollziehen: „Wegen des Fachkräftemangels haben angehende Azubis heute einfach Auswahlmöglichkeiten.“ Schmees weiß deshalb, dass sich der Elektrobetrieb auch im kommenden Jahr wieder etwas einfallen lassen muss, um neue Azubis zu gewinnen.
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