Nachfolge: Wenn der Ex-Inhaber weiter mitarbeitet
Wer den ehemaligen Betriebsinhaber beschäftigt, sollte im Vorfeld gut kommunizieren – mit der Person selbst und dem Team. 4 Tipps, die zum Erfolg führen.
Auf einen Blick
Dass ehemalige Inhaber in Handwerksbetrieben als Angestellte weiterarbeiten, kommt oft vor. Die Gründe sind vielfältig: Oft dauert es bei Betriebsübergabe noch Jahre, bis der Ex-Inhaber das Renteneintrittsalter erlangt hat. Manche möchten weiterarbeiten, weil ihnen der Betrieb viel bedeutet oder sie noch nicht loslassen können. „Auch der Verdienst spielt dabei eine Rolle“, weiß Jan Hobelsberger, Nachfolgemoderator bei der Handwerkskammer Hannover. Er hat vier Tipps, die beim Übergang helfen.
1. Befristen Sie den Arbeitsvertrag zeitlich
In vielen Fällen bleibt der langjährige Betriebsinhaber auch nach der Übernahme weiter mit an Bord:. „Es gibt bei dieser Konstellation einige Besonderheiten zu beachten“, berichtet Hobelsberger. „Ganz vorne steht der Klassiker Kommunikation : Es ist sehr wichtig, dass miteinander darüber gesprochen wird, wie die neue Zusammenarbeit geregelt werden soll.“
Dazu gehöre eine klare Stellenbeschreibung des neuen Arbeitsplatzes für den Vorgänger, die mit ihm gemeinsam vorher abgestimmt wird. „Dabei ist es wichtig, auch die zeitliche Befristung ins Auge zu fassen und mit in den Arbeitsvertrag aufzunehmen“, betont der Nachfolgemoderator. Sonst könne es dazu kommen, dass das Ganze ausfranst.
2. Definieren Sie klare Rollen im Familienbetrieb
Häufig findet die Weiterbeschäftigung in Familienbetrieben statt. „Wir gehen von etwa einem Drittel aller Betriebe aus, die innerhalb der Familie übernommen werden“, berichtet er. Wenn Sohn oder Tochter den Betrieb übernehmen, sei eine räumliche Trennung sinnvoll, um so die neue Rollenverteilung zusätzlich deutlich zu machen.
„Ich kenne einen Fall, wo der ehemalige Inhaber seinen Betrieb an seinen Sohn übergeben hat und daraufhin mit seinem Büro in den Keller zog. Das ist jetzt ein drastisches Beispiel. Aber es macht klar, wie wichtig es ist, Neuem Platz zu schaffen. Das gilt besonders in Familienkonstellationen, wo oft Leben und Arbeiten in einem Haus stattfindet“, sagt Hobelsberger.
3. Planen Sie zwei bis drei Jahre Zeit für die Übernahme ein
In Familienbetrieben arbeitet derjenige, der übernehmen wird, oft schon über Jahre vorher mit. Anders sei das bei externen Übernahmen: Dort sei die Übergabezeit meist deutlich länger. „Aus unserer Beratung wissen wir, dass es etwa zwei bis drei Jahre Zeit der Einarbeitung brauchen kann, um eine gelungene Übernahme sicherzustellen – dieser Zeitfaktor sollte nicht unterschätzt werden“, erklärt Hobelsberger.
In dieser Phase sei es sinnvoll, wenn der künftige Inhaber sich die Übernahme als Etappenziel setzt und „nicht allzu sehr mit seinen oder ihren Ideen vorprescht, sondern sich die Zeit nimmt, auf die eigene neue Rolle hinzu arbeiten und sie einzuüben.“ Dabei gehe es auch um eine klare und wertschätzende Kommunikation mit allen Beteiligten.
4. Nutzen Sie die Expertise des vorherigen Inhabers
Gerade wenn der neue Chef oder die neue Chefin hochmotiviert ihre neuen Ideen umsetzen möchte, sollte der vorige Inhaber seine Expertise einbringen können. „Holen Sie alle ins Boot und beachten sie mit Fingerspitzengefühl auch die die Belange der Mitarbeitenden. Sie haben oft eigene gute Ideen zur Verbesserung, die jetzt verwirklicht werden könnten“, rät der Nachfolgemoderator.
Falls die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Betriebsinhaber bei allen Bemühungen nicht klappen sollte, könne im Notfall eine Mediation zur Klärung beitragen. „Wenn alle Beteiligten von vorneherein eine klare Kommunikation pflegen, muss es dazu aber gar nicht kommen“, ist Hobelsberger überzeugt.
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