Strategie

So sichern sich Nachfolger die Unterstützung des Teams

Ohne den Rückhalt des Teams sind Betriebsnachfolger verloren. Was können Inhaber und Nachfolger tun, um sich diese Unterstützung zu sichern?

5 Min.15.09.2025, 02:00 Uhr (Aktualisiert am 10.02.2026, 11:09 Uhr)
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Ohne Team kein Erfolg: Bei fehlender Akzeptanz steht schnell die Betriebsnachfolge und das Unternehmen auf dem Spiel.
Ohne Team kein Erfolg: Bei fehlender Akzeptanz steht schnell die Betriebsnachfolge und das Unternehmen auf dem Spiel. Franz Pfluegl - stock.adobe.com
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Auf einen Blick

Probleme mit dem Team gefährden die Betriebsnachfolge . Ablehnung wird zwar selten angesprochen, doch dafür sind die Warnsignale umso auffälliger.

Um Akzeptanz-Probleme zu vermeiden, sind Altinhaber und Nachfolger gleichermaßen gefordert: Ziehen sie an einem Strang oder lassen sie Raum für Unsicherheit und Widerstand?

Häufigster Auslöser für Akzeptanzprobleme sind jedoch Veränderungen: Sind es zu viele, zu schnell und zu schlecht kommuniziert? Das lässt sich leicht vermeiden.

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Steht eine Betriebsnachfolge an, müssen Inhaber und Nachfolger vieles regeln und bedenken. Ein Aspekt darf dabei nicht zu kurz kommen: Akzeptiert das Team den neuen Chef?

 „Das ist ein Thema, das viele Nachfolger mit einer gewissen Sorge betrachten“, sagt Susann Ruppert von der Handwerkskammer Oldenburg. Verständlicherweise: „Ohne die Team-Akzeptanz funktioniert eine Betriebsübernahme nicht“, betont die Leiterin der Betriebsberatung. Deswegen sei es „gemeinsame Aufgabe und Verantwortung von Altinhaber und Nachfolger“, dass das Team Vertrauen zum Nachfolger fasst und seine Führungsrolle akzeptiert.

Warnzeichen: Akzeptanzprobleme erkennen

Wer den neuen Chef ablehnt, wird ihm das selten offen ins Gesicht sagen. „Probleme zeigen sich in der Regel durch viele kleine und oft auch subtile Signale im Alltag“, sagt Ruppert. Worauf Nachfolger und Altinhaber achten sollten:

  • Kommunikation: Geben Mitarbeitende Informationen nicht oder verspätet weiter? Äußern sie sich bei Problemen oder Sorgen nicht offen, sondern nur in einem kleinen Kreis? Führen Anweisungen des neuen Chefs häufiger zu Nachfragen?
  • Abläufe: Geraten etablierte Prozesse und Routinen ins Stocken? Werden Absprachen nicht eingehalten? Erledigen Mitarbeitende Aufgaben nur halb? Fällt häufiger der Satz „das haben wir schon immer so gemacht“ oder „das haben wir bisher anders gemacht“?
  • Teamverhalten: Verändert sich die Dynamik im Team? Bilden sich Lager für und gegen den Nachfolger? Signalisieren Mitarbeitende passiven Widerstand, indem sie zum Beispiel Dienst nach Vorschrift machen? Nehmen sich Schlüsselpersonen im Unternehmen auffallend zurück oder übernehmen weniger Verantwortung als bisher?

Gerade am Anfang sind beide Seiten unsicher, sagt Ruppert: „Das Team fragt sich, wie der Nachfolger tickt, und der Nachfolger testet, wie er mit dem Team zusammenarbeiten kann.“ Daher sollten Nachfolger nicht jedes Signal überbewerten und sich bewusst entscheiden, ob sie darauf eingehen. Schnell reagieren sollten sie jedoch, wenn sich Probleme häufen und den wirtschaftlichen Erfolg bedrohen.

Ursachen: Welche Fehler gefährden die Team-Akzeptanz?

Zweifel an der fachlichen Kompetenz sind selten die Ursache für Akzeptanzprobleme, so Ruppert. „Es liegt fast immer am Miteinander.“ Jede Betriebsnachfolge sei „eine hochsensible Phase, in der sich Routinen, Rollen und Erwartungen verändern“.

Dabei gehe es selten um einzelne Entscheidungen, sondern darum, wie sie getroffen und kommuniziert werden. Klassische Fehler sind der Betriebsberaterin zufolge:

  • Tempo: Der Nachfolger führt Neues ein, bevor er das Team und die Abläufe wirklich kennt. Um die Akzeptanz für Veränderungen zu erhöhen, sollten sich Nachfolger dafür Zeit nehmen und erst einmal einen Überblick verschaffen.
  • Kommunikation: Werden Entscheidungen und deren Hintergründe zu wenig erklärt, fühlt sich das Team übergangen.
  • Unachtsamkeit: Wer bestehende Strukturen, unausgesprochene Regeln und informelle Machtverhältnisse ignoriert, muss mit Widerstand rechnen.
  • Steuerung: Manche Nachfolger wollen von Anfang an alles durchsetzen und jedes Detail bestimmen, ohne vorher Vertrauen aufzubauen. Zu viel und zu frühe Steuerung kann zu Widerstand und Ablehnung führen.
  • Zurückhaltung: Ebenso schädlich wäre es jedoch, wenn sich der Nachfolger zu sehr mit eigenen Entscheidungen zurückhält.

 „Es kommt in der Startphase darauf an, Vertrauen zu gewinnen und einen guten Mittelweg zwischen Zurückhaltung und Steuerung zu finden“, betont Ruppert.

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Veränderungen: So nehmen Sie das Team mit

Neue Prioritäten, Strategien, Strukturen oder Abläufe? Nachfolger sollten sich für solche Veränderungen einen „Etappenplan“ überlegen und das Team einbeziehen, empfiehlt Ruppert. Ihre Tipps:

  • Hören Sie erst einmal zu und beobachten Sie, wie das Unternehmen funktioniert, bevor Sie Veränderungen thematisieren.
  • Sprechen Sie Ihre Erwartungen und Ihr Vorgehen an: Wofür stehen Sie? Was sind Ihre Ziele? Wie wollen Sie vorgehen?
  • Begründen Sie geplante Veränderungen und deren Nutzen für die Mitarbeitenden.
  • Organisieren Sie dafür Einzelgespräche, Teambesprechungen und Feedbackrunden.
  • Nutzen Sie Workshops oder Projekte, in denen das Team Wissen, Erfahrungen und Wünsche einbringen kann.
  • Holen Sie sich Unterstützung – als Einstieg zum Beispiel die kostenlose Betriebsberatung der Handwerkskammer.
  • Feiern Sie Erfolge und machen Sie sichtbar, wie alle davon profitieren.

Entscheidend: Zusammenspiel zwischen Chef und Nachfolger

Der Zusammenhalt zwischen altem und neuem Chef entscheidet nach Rupperts Einschätzung über die Akzeptanz für den Nachfolger. „Wenn die beiden als geschlossene Einheit auftreten, mit klaren Rollen, gegenseitigem Respekt und Wertschätzung, gibt das dem Team Orientierung, Stabilität und Sicherheit.“

Das sei besonders wichtig, falls der bisherige Chef noch eine Zeit lang weiter im Betrieb mitarbeitet. „Dann muss für das Team ganz klar sein, wer von den beiden was entscheidet, sonst schadet es der Akzeptanz auf Dauer.“

Denn umgekehrt gilt: Unterschiedliche Meinungen oder gar Spannungen zwischen den beiden Chefs übertragen sich ebenso auf das Team. „Uneinigkeit führt schnell zu einer Spaltung im Team“, warnt Ruppert. „Das muss man auf jeden Fall vermeiden.“

Rollenwechsel: vom Kollegen zum Chef

Vor besonderen Herausforderungen stehen Mitarbeitende, wenn sie zum Nachfolger werden. „Dann müssen sie die Beziehungen zu ihren bisherigen Kollegen neu gestalten“, sagt Ruppert. Wer bisher ein freundschaftliches Verhältnis zu den Kollegen hatte, muss „eine angemessene Distanz schaffen, ohne die Beziehung und das Vertrauen zu verlieren“. „Gleichzeitig müssen die Rollen klargezogen werden: früher Kollege, jetzt Unternehmer“, betont die Beraterin. Als Chef kann ein Nachfolger Entscheidungen nicht mehr nur „auf Augenhöhe“ treffen. Ohne diese professionelle Distanz werde es sonst schwierig, die Interessen des Unternehmens zu verfolgen und durchzusetzen.

Ruppert empfiehlt: Sprechen Sie als Nachfolger das Thema an. Machen Sie deutlich, wie Sie sich die Zusammenarbeit und Ihre Führungsrolle künftig vorstellen. Sprechen Sie aufkommende Konflikte an. All das wird Ihren Mitarbeitenden Sicherheit geben und Ihre Akzeptanz als Chef stärken. Und wenn nicht gleich alles rund läuft: „In die Führungsrolle muss man hineinwachsen und Erfahrungen sammeln, um zu wissen, was funktioniert.“

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