8 Handwerker-Ideen für den Wohnungsbau-Turbo
Die neue Bauministerin will einen Wohnungsbau-Turbo starten. Doch was muss der beinhalten, damit mehr und schneller gebaut wird? Wir haben bei Handwerkern nachgefragt.
Auf einen Blick
Verena Hubertz führt seit Anfang Mai das Bundesbauministerium und hat nun ihre Agenda für die ersten Wochen im Amt vorgestellt. „Ich möchte ein ambitioniertes Tempo angehen“, sagte sie im Bundestag. Schon in den ersten 100 Tagen solle ein Gesetzentwurf vorgelegt werden. „Wir starten mit dem Wohnungsbau-Turbo “, versprach sie. Genau das steht auch im Koalitionsvertrag, auf den sich Union und SPD für diese Legislaturperiode verständigt haben. Allerdings enthält das Papier noch keine konkreten Maßnahmen. Deshalb haben wir bei Unternehmern aus dem Handwerk nachgefragt, was sich ändern muss, damit in Deutschland wieder mehr und auch schneller gebaut wird. Hier sind 8 Vorschläge:
1. Ranking mit Genehmigungszeiten
„Bei manchen Ämtern dauert es lange, bis eine Baugenehmigung da ist“, berichtet Karsten Wiebe, Inhaber von Bauunternehmen Heinrich Wiebe in Wietze und Präsident des Baugewerbe-Verbandes Niedersachsen (BVN). Er wünscht sich deshalb ein bundesweites Ranking mit den Baugenehmigungszeiten – geclustert nach Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäusern. „Für Behörden wäre das ein Anreiz, die internen Prozesse zu optimieren“, meint der Unternehmer. „Kein Landrat will bei dem Ranking den letzten Platz belegen.“

2. Lohnnebenkosten senken
Ein weiteres Hemmnis beim Bauen sieht Wiebe in den hohen Lohnnebenkosten : „Das Handwerk ist sehr lohnintensiv. Steigende Sozialversicherungsbeiträge verteuern Handwerkerleistungen und somit auch das Bauen“, sagt der Unternehmer. Er fordert deshalb, dass die Politik die Lohnnebenkosten zumindest wieder unter die 40-Prozent-Grenze bringen müsse.
3. Senkung der Grunderwerbsteuer
Ein weiterer Kostenfaktor ist die Grunderwerbsteuer, die beim Kauf einer Immobilie zu entrichten ist. Je nach Bundesland liegt sie aktuell zwischen 3,5 und 6 Prozent. Wiebe plädiert dafür, diese Ungleichheit zu beseitigen und die Grunderwerbsteuer bundesweit auf niedrigem Niveau festzusetzen – zum Beispiel bei 2,5 Prozent. Dem Unternehmer ist bewusst, dass diese Steuer den Bundesländern viel Geld in die Kassen spült. „Die Absenkung der Grunderwerbsteuer erfordert deshalb Mut“, meint Wiebe. Allerdings verweist der BVN-Präsident auf eine Studie, die mehrere Bauverbände 2024 in Auftrag gegeben haben. Demnach würde eine Reduzierung der Grunderwerbsteuersätze um 50 Prozent die Zahl der Baugenehmigungen um 9 Prozent steigern.
4. Bauordnungen angleichen
Einheitliche Regeln für das Bauen von Norden bis Süden? Die gibt es in Deutschland nicht, schließlich gibt es in jedem Bundesland eine andere Landesbauordnung . „Das macht das Bauen für Betriebe umständlich, wenn sie Aufträge aus verschiedenen Bundesländern annehmen“, sagt der BVN-Präsident. „Hier wäre eine Angleichung wünschenswert.“
5. Planungssicherheit für Bauherren
Damit wieder mehr gebaut wird, ist für Matthias Schöning vom Bauunternehmen Theo Schöning Planungssicherheit besonders wichtig. „Wenn Förderungen kurzfristig wegbrechen, wie es 2022 passiert ist , sorgt das für Verunsicherung und Kunden schieben Bauprojekte erstmal auf.“ Von der neuen Bundesregierung fordert erdeshalb: „Wenn Förderprogramme aufgelegt werden, müssen sie auch mehrere Jahre laufen, damit Bauherren Planungssicherheit haben.“

6. Keine Überförderung
Förderungen sind aus Sicht von Schöning gut, allerdings hält er zu hohe Förderungen für kontraproduktiv: „Betriebe erhalten dann mehr Kundenanfragen als sie abarbeiten können, weil die Kunden die Gelder abgreifen wollen“, sagt der Unternehmer aus dem niedersächsischen Bösel. Das führe letztlich zu Preissteigerungen und das Bauen werde teurer. „Wichtig ist deshalb, dass der Wohnungsbau-Turbo nicht mit einer Überförderung einhergeht“, sagt Schöning.
7. Kosten für Energie senken
Die Preise für Baumaterialen sind in den letzten Jahren zum Teil deutlich gestiegen. Zurückzuführen war das zunächst auf die Lieferengpässe infolge der Corona-Pandemie, anschließend auf den Krieg in der Ukraine und die damit verbundene Energiepreissteigerung. „Inzwischen haben sich die Preise zwar normalisiert, sind aber nicht mehr auf das alte Niveau zurückgefallen“, sagt Schöning. Damit das Bauen wieder bezahlbarer wird, sieht er die Politik gefordert, für niedrigere Energiepreise zu sorgen: „Wenn die Energiepreise sinken, wird sich das positiv auf die Preise für Baumaterialien auswirken“, ist er sich sicher. Schließlich sei die Herstellung Baumaterialien häufig sehr energieintensiv.
8. Ausweisung neuer Bauprojekte vereinfachen
Erst wird ein Baugebiet ausgewiesen und dann wird geprüft, was dort gebaut werden kann? „Das ist nicht optimal“, meint Bauunternehmer Schöning. „Aktuell wird sehr individuell gebaut, um das Optimale aus den Baugrundstücken herauszuholen, das macht das Bauen teuer“, sagt er. Deshalb wünscht er sich, dass der Prozess auch anders organisiert werden kann – also dass erst Wohngebäude geplant- und dann die passenden Baugrundstücke gesucht werden.
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