handwerk.com fragt nach…

Ahnungslose Behörden und Nieten in Nadelstreifen

Wo braucht es mal Austausch mit Handwerkern und was ist eine Pflichtlektüre für Unternehmer? In dieser Interviewreihe verraten Handwerkerinnen und Handwerker Spannendes von sich und aus ihrem Beruf. Heute: Katja Lilu Melder.

4 Min.07.06.2024, 02:00 Uhr (Aktualisiert am 20.02.2026, 15:44 Uhr)
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Metallbaumeisterin Katja Lilu Melder führt zusammen mit Mann einen Handwerksbetrieb in Hamm.
Metallbaumeisterin Katja Lilu Melder führt zusammen mit Mann einen Handwerksbetrieb in Hamm. Katja Lilu Melder
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Metallbauerin ist ihr Beruf und ihre Berufung, sagt Katja Lilu Melder von BMG Santec GmbH . Doch wenn die Unternehmerin mal die Seiten tauschen müsste, würde sie in eine Behörde wechseln. Warum, verrät die Meisterin in der Serie „handwerk.com fragt nach …“.

Was macht Sie im Arbeitsalltag glücklich?

Dass ich jeden Tag sehen kann, was ich geschafft habe. Das ist ja das Schöne am Handwerk. Jeder Tag, jeder Auftrag, regt uns immer wieder zum Nachdenken an. Wie sind die Gegebenheiten, wie gehen wir vor, was müssen wir berücksichtigen, wie ist der Kundenwunsch? Diese ganzen Ansprüche des Auftrags im Team zu besprechen und mit dem Team umzusetzen, macht mich persönlich sehr glücklich.

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Auf welche App könnten Sie im Betrieb nicht verzichten?

Wir nutzen als Kommunikationsmittel WhatsApp mit einem Firmen-Account. Darüber läuft auch die Kommunikation mit den Mitarbeitenden, für die mein Mann und ich jederzeit erreichbar sind. Diese Art der Kommunikation ist sehr hilfreich, um sich ein Bild von den Geschehnissen vor Ort zu machen und um kurzfristige Beurteilungen zur weiteren Vorgehensweise abgeben zu können.

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Mit welchem Unternehmer würden Sie gerne für einen Tag die Rolle tauschen?

Ich habe lange nach dem Beruf gesucht, der zu mir passt. Und da bin ich. Ich möchte mit keinem anderen Unternehmen tauschen. Ja wir sind im Abriss tätig und machen kaputt. Aber gerade die Herausforderungen der Umwelt und Zukunft sind die Dinge, die meinen Beruf so interessant machen.

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Aber wenn Sie zwingend hören möchten, mit wem ich mal tauschen möchte, dann sind es die Behörden, die uns in vielen Dingen Auflagen bereiten und bürokratische Hürden aufbauen, die kaum noch zu bewältigen sind. Wir haben häufig das Gefühl, dass wir als Experten nicht mehr wahrgenommen werden und unsere Expertise, die wir nachweislich besitzen, permanent in Frage gestellt wird. Dahin würde ich gern wechseln, um viele bürokratische Hürden abzubauen.

Und wer sollte mit Ihnen mal einen Tag tauschen?

All diejenigen, die mich morgens auf der Baustellen mit den Worten „wo ist denn der Chef?“ begrüßen. Denen kann ich den Rollenwechsel nur empfehlen, damit sie die Arbeit, die wir da leisten, wertschätzen. Gleiches gilt für diejenigen, die am Ende der erbrachten Leistung an den Rechnungen feilschen wollen!

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Was ist der beste Ratschlag, den Sie bislang bekommen haben?

„Das Leben ist nur eine Sache der Technik!“ –den Ratschlag habe ich von einem sehr guten Freund bekommen. Damit hat er vollkommen Recht. Wenn ich täglich sehe, was wir mit unseren Händen schaffen können und welche Lösungen immer durch unsere Hände umgesetzt werden. Reden alleine hilft nicht.

Was ist Ihr Lieblingspodcast?

„Hömma Handwerk“ von der Handwerkskammer Dortmund und „Wer macht Morgen?“ von Anna Planken.

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Was kommt bei Ihnen beim Betriebsgrillen auf den Grill?

Da ich eine sehr gemischte Belegschaft habe, kommt so ziemlich alles auf den Grill. Ich persönlich ernähre mich seit vielen Jahren vegan. Aber das muss jeder mit sich selbst ausmachen.

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Welcher Song darf auf Ihrer Baustellen-Playlist nicht fehlen?

„1000 Narben“ von Eisbrecher. Der spiegelt so ein bisschen meinen Lebenslauf wider. Und da bin ich stolz drauf.

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Welches Buch sollte jeder Handwerksunternehmer lesen?

„Nieten in Nadelstreifen“ von Günter Ogger. Das ist zwar schon ein wenig älter, sollte man aber mal gelesen haben. Danach hat man wieder eine andere Wertschätzung dem Handwerk gegenüber!

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Wenn Sie noch einen Beruf lernen sollten: Wofür würden Sie sich entscheiden?

Ich habe mich für den Beruf entschieden, der mir am meisten am Herzen liegt und für den ich mich geboren fühle. Ich komme aus dem Metallbau, bin Metallbaumeisterin und bin Schweißfachfrau. Ich habe die Suche nach dem richtigen Beruf abgeschlossen.

Ich bin da angekommen wo ich glücklich bin. Ich kann jedem empfehlen, sich auf die Suche nach seinem Beruf zu machen. Den macht man dann mit Leidenschaft und führt ihn mit Qualität aus!

Sie gewinnen plötzlich eine Million Euro. Was machen Sie damit?

Ich würde bleiben wie ich bin und wo ich bin! Durch den Gewinn hätte ich aber eine gute Absicherung für die Sozialsysteme.

 Sie sind Unternehmerin oder Unternehmer im Handwerk und wollen auch in der Interview-Reihe „handwerk.com fragt nach“ mitmachen? Schreiben Sie uns an redaktion@handwerk.com und erhalten Sie den Fragebogen.

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