Creditreform: Düstere Geschäftslage und Hoffnungsschimmer
Die Geschäftslage im Handwerk ist so schlecht wie seit 15 Jahren nicht, ergab eine Studie der Creditreform. Doch besonders in zwei Bereichen gibt es Grund zur Hoffnung.
Auf einen Blick
Auswirkungen der zweijährigen Rezession in Deutschland sind laut einer Studie der Wirtschaftsauskunftei Creditreform deutlich messbar. Im Handwerk ist die Stimmungslage so schlecht, wie seit 15 Jahren nicht mehr, ergibt eine aktuelle Umfrage. Dafür hat die Creditreform im Januar und Februar 2025 deutschlandweit 1.255 Handwerksbetriebe befragt.
Geschäftslage nach Branchen: Bau schlechter, Nahrungsmittelgewerke besser
Die Geschäftslage bewerten demnach 51,6 Prozent der Betriebe „positiv“, „gut“ oder „sehr gut“. Im Vergleich zum Vorjahr sind das knapp 4 Prozentpunkte weniger. Dieses Ergebnis sei weitgehend auf die Entwicklung in der Bauwirtschaft zurückzuführen. In den Branchen des gewerblichen Bedarfs hingegen habe ich die Geschäftslage etwas verbessert. Auch bei den personenbezogenen Diensten habe sich der Geschäftklimaindex verbessert, wie auch im Nahrungsmittelhandwerk. Vor allem sei Belebung in den Bereichen zu spüren, die für den privaten Bedarf tätig sind.
Umsatzentwicklung in vielen Bereichen abgeschwächt
Knapp 27 Prozent der befragten Betriebe verzeichneten Umsatzrückgänge, ein Viertel ein Umsatzplus. Der Saldo aus positiven und negativen Umsatzrückmeldungen bleibe im Abwärtstrend – nur in der Corona-Krise 2021 sei der Wert noch schlechter bewertet worden.
Vor allem im Ausbauhandwerk sei der Trend rückläufig: 32 Prozent der Betriebe meldeten dort einen Umsatzrückgang und knapp 20 Prozent eine Steigerung. Im vergangenen Jahr seien die Antworten nahezu umgekehrt ausgefallen. Im Bauhandwerk hielten sich positive und negative Meldungen die Waage.
Angespannt sei die Umsatzlage weiterhin im Metallhandwerk und in den Gewerken für den gewerblichen Bedarf. Gute Umsatzentwicklungen habe das Kfz-Handwerk zu verzeichnen: Mit 45,6 Prozent liegt der Wert etwa 5 Prozent über dem Vorjahreswert. Auch im Nahrungsmittelhandwerk und im Handwerk für personenbezogene Dienstleistungen meldeten die Betriebe einen Umsatzanstieg (32,7 und 30 Prozent).
Leicht positiver Trend bei Umsatzerwartungen
Knapp ein Viertel der Befragten erwarten im laufenden Jahr ein Umsatzplus, etwa so viele wie im Jahr zuvor. Etwas weniger Betriebe (knapp 23 Prozent) rechnen mit einem Umsatzrückgang. Steigende Umsatzerwartungen gibt es vor allem im Metallhandwerk und den Gewerken des gewerblichen Bedarfs (26 Prozent). Aber auch das Kfz- (38 Prozent) und das Nahrungsmittelhandwerk (36,5 Prozent) gehen von steigenden Umsätzen aus.
Zurückhaltender antworteten die Betriebe aus dem Ausbauhandwerk(18 Prozent) und den Gewerken mit personenbezogenen Dienstleistungen (knapp 29 Prozent).
Die „Aufhellung“ der Ertragsaussichten sieht Patrik-Ludwig Hantzsch, Pressesprecher der Creditreform, als Hoffnungsschimmer angesichts der düsteren Aussichten in der Wirtschaft. Seit 2022 sei der Index immer weiter gesunken. Nun steige vom Tiefpunkt in 2024 die Erwartung wieder. „Wenn sich die Erwartung der Betriebe verbessert, folgt meist auch ein wirtschaftlicher Aufschwung“, ordnet er die Ergebnisse ein.
Zahl der Mitarbeitenden sinkt
Wie im Vorjahr schrumpft die Zahl der Beschäftigten im Handwerk weiter, ergibt die Umfrage. Knapp 23 Prozent der Befragten baute Personal ab, etwa 19 Prozent stockte auf. Der Hauptgrund für diese Entwicklung sei das Ausscheiden von Fachkräften , ohne dass ausgebildeter Nachwuchs nachrückt. Auch die Unsicherheit über die Konjunkturentwicklung bremse die Einstellungsbereitschaft der Betriebe.
Bedarf an Fachkräften wächst
Mehr Betriebe als im vergangenen Jahr planen der Umfrage zufolge jedoch, den Personalbestand aufzustocken (21,4 Prozent). Jeder Zehnte Befragte rechnet laut Creditreform mit einer geringeren Mitarbeiterzahl. „Wenn Arbeitskräfte wieder gebraucht werden, bedeutet es, dass Betriebe die Aussicht auf mehr Aufträge haben“, betont Hantzsch. Das sei der zweite große Hoffnungsschimmer im Rahmen der diesjährigen Befragung.
Mehr Investitionen in Sicht
Nach der geringen Investitionsbereitschaft in den vergangenen zwei Jahren plant das Handwerk 2025 wieder Investitionen: Fast die Hälfte der Befragten will wieder Geld für Investitionsgüter ausgeben, 2024 waren es noch 41,5 Prozent. Investieren wollen vor allem Betriebe im Baubereich (55 Prozent), im Metallhandwerk und den Gewerken für den gewerblichen Bedarf (54,5 Prozent). Auch im Nahrungsmittelgewerbe und im Dienstleistungshandwerk wollen mehr Betriebe investieren. Etwas abgeschwächt hat sich die Investitionsbereitschaft hingegen im Kfz-Bereich (knapp 52 Prozent).
„Nur mit Investitionen wird sich die Wirtschaft wieder positiv entwickeln können“, sagt Hantzsch. Dazu bräuchten die Betriebe Planungssicherheit, da sie mit privatem Kapital investieren.
Insolvenzen deutlich gestiegen
Auch das Handwerk blieb 2024 vom Anstieg der Insolvenzen nicht verschont, die Zahl stieg im Vergleich zum Vorjahr um knapp 19 Prozent. In Zahlen heißt das: 4.350 Betriebe mussten Insolvenz anmelden, 2023 waren es noch 3.660 Betriebe. Als Grund für den Anstieg sieht die Creditreform vor allem die hohen Finanzierungs- und Personalkosten bei gleichzeitigen Auftragsrückgängen. Auch 2025 sei mit weiteren Insolvenzen im Handwerk zu rechnen.
Zugenommen habe die Anzahl an Insolvenzen vor allem im Metallhandwerk und den Gewerken des gewerblichen Bedarfs mit einem Plus von fast 39 Prozent. Es folgt das Ausbauhandwerk (plus 21,8 Prozent) und das Bauhandwerk (plus 18 Prozent). Am wenigsten Insolvenzen hat das Nahrungsmittelhandwerk zu verzeichnen: mit 3,4 Prozent Gesamtanteil bedeutet das einen Rückgang von 11,8 Prozent.
Bürokratiebelastung hemmt das Wachstum
Bürokratische Anforderungen und Regularien hemmen die Entwicklung von Unternehmen und schwächen den Wirtschaftsstandort – besonders im Handwerk. Fast 80 Prozent der befragten Betriebe beklagen eine Zunahme des bürokratischen Aufwandes. Überdurchschnittliche Werte ergibt die Creditreform-Studie im Bau- und Ausbauhandwerk.
Die Folgen für die Betriebe seien enorm: Mehr als 71 Prozent der Betriebe entstehen durch die Bürokratie Mehrkosten, beispielsweise für die Einstellung von Verwaltungspersonal. Vielen Unternehmen (70 Prozent) bleibe dadurch weniger Zeit für die Abarbeitung von Aufträgen. „Dieser Faktor wiegt besonders schwer. Er verteuert die Leistungen und es kommt auf Seiten der Kunden zu längeren Wartezeiten, weil die Bürokratie die Betriebe stoppt“, erläutert Patrik-Ludwig Hantzsch die Folgen.
Zudem sei es in der Regel der Betriebsinhaber oder Geschäftsführer (80,4 Prozent), der sich um die Erfüllung der bürokratischen Anforderungen kümmert. Damit steige mit jeder Regelung oder jedem neuen Gesetz die Belastung für die Betriebe weiter. Umso dringlicher sei es, Bürokratie rasch abzubauen und weitere Belastungen für die Wirtschaft zu vermeiden, fordert die Creditreform als Konsequenz der Umfrageergebnisse.
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