Politik und Gesellschaft

Datev-Mittelstandindex: „Diese Zahlen verheißen nichts Gutes“

Die Umsätze von kleinen und mittleren Unternehmen sinken, während die Lohnkosten steigen. Der Datev-Mittelstandsindex zeigt auch, wo die nächste Belastung droht.

3 Min.21.07.2025, 02:00 Uhr (Aktualisiert am 18.02.2026, 13:56 Uhr)
Von
Datev-Mittelstandindex: „Diese Zahlen verheißen nichts Gutes“
fotogestoeber - stock.adobe.com
Anzeige
Anzeige

Die Umsätze im deutschen Mittelstand sind im Juni erneut deutlich gesunken. Das zeigen die Daten des Mittelstandsindex , den die Datev einmal im Montag herausgibt. Demnach sanken die Umsätze in den kleinsten, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Vergleich zum Juni 2024 um 5,5 Prozent.

Laut Datev-CEO Robert Mayr verheißen diese Zahlen nichts Gutes: „Der erneute Umsatzrückgang zeigt deutlich, wie offensichtlich die Dringlichkeit politischen Handelns ist“, sagte er bei der Jahrespressekonferenz des IT-Unternehmens. „Ohne gezielte Entlastungen und Anreize ist der Mittelstand, das Fundament unserer Wirtschaft, zunehmend gefährdet“, so Mayr weiter.

Umsatzentwicklung: In dieser Branche fällt das Minus am größten aus

Laut Mittelstandsindex sind von der schlechten Umsatzentwicklung nahezu alle Branchen, Bundesländer und Unternehmensgrößenklassen betroffen. Wie die Datev mitteilt, gilt das sowohl im Vergleich zum Vorjahr als auch im Vergleich zum Vormonat. Mit einem Minus von 7 Prozent sei der Umsatzrückgang im Bauhauptgewerbe am stärksten ausgefallen. Ebenfalls auffällig sei der Umsatzrückgang mit jeweils minus 5,9 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe und im Handel.

Bei den Bundesländern seien insbesondere Baden-Württemberg (minus 8,9 Prozent), Bayern (minus 6,6 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (minus 6,0 Prozent) von dem neuerlichen Umsatzeinbruch betroffen.

Lohnentwicklung ist für Unternehmen derzeit ein relevanter Kostenfaktor

Während die Umsätze zuletzt deutlich eingebrochen sind, seien die Lohnkosten deutlich gestiegen: Laut dem Mittelstandsindex haben die Löhne und Gehälter nominal um 5,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zugelegt. Das Lohn- und Gehaltswachstum übertreffe derzeit die allgemeine Preisentwicklung und bleibe ein relevanter Kostenfaktor für die Unternehmen, so die Datev.

Anzeige

Mindestlohnerhöhung: Was bedeutet das für den Mittelstand?

Allerdings dürften noch weitere Belastungen auf Unternehmen zukommen: Knapp ein Viertel der Löhne in Kleinstunternehmen liegt laut Mittelstandsindex derzeit unter 14,60 Euro – also der Lohnuntergrenze, die laut Beschluss der Mindestlohnkommission ab 2027 gelten soll.

„Wir sehen in den Daten, dass eine Mindestlohnerhöhung starke Auswirkungen in strukturschwachen Regionen – vor allem in Ostdeutschland und in ländlichen Kreisen – haben wird“, sagte Mayr. Doch was bedeutet eine Anhebung des Mindestlohns konkret für die Betriebe? Die Lohnzahlungen und auch die dazugehörigen Sozialabgaben werden steigen, so der CEO. Viele Unternehmen müssten sich deshalb schon heute damit beschäftigen, wie sie betriebswirtschaftlich vorsorgen können – obwohl sie bereits jetzt viel leisteten und die Lage im Mittelstand mehr als angespannt sei.

Mayr: „In der Politik müssen jetzt die richtigen Weichen gestellt werden“

Bei der Jahrespressekonferenz des IT-Dienstleisters forderte der Datev-CEO, dass die Politik „jetzt die richtigen Weichen“ stellen müsse, „damit es endlich wieder bergauf“ geht.

Er wies darauf hin, dass rund 99 Prozent aller Unternehmen zum Mittelstand gehören. Nur etwa 20.000 von gut drei Millionen Unternehmen lägen über der Grenze von 250 Mitarbeitenden. Diese großen Unternehmen machten zwar über die Hälfte der Wertschöpfung aus. „Aber der Mittelstand ist das Rückgrat unserer Wirtschaft“, betonte Mayr. „Wenn es dem Handwerk und den kleinen Betrieben schlecht geht, hat Deutschland ein echtes Problem.“

Tipp: Bleiben Sie bei politischen Entscheidungen, die das Handwerk betreffen auf dem Laufenden – mit dem kostenlosen handwerk.com-Newsletter. Jetzt hier anmelden!

Anzeige

Relevante Themen