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„Der Kanzler kann gerne mal vorbeikommen“

Sollte der Bundeskanzler mal einen Tag in der Backstube verbringen? Ja, sagt Sebastian Brücklmaier und nennt zwei Gründe.

3 Min.28.03.2025, 01:00 Uhr (Aktualisiert am 20.02.2026, 15:44 Uhr)
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Bäcker aus Leidenschaft: Sebastian Brücklmaier liebt sein Handwerk und will auch andere dafür begeistern.
Bäcker aus Leidenschaft: Sebastian Brücklmaier liebt sein Handwerk und will auch andere dafür begeistern. Daniel Schneider, Schneider-Fotos
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Nach dem Abitur hat sich Sebastian Brücklmaier bewusst für eine Bäckerlehre entschieden. Heute führt der Meister die Münchener Bäckerei Konditorei Brücklmaier . Seit 2014 ist er inzwischen selbstständig und führt den Familienbetrieb in die sechste Generation. Für die Selbstständigkeit hat Brücklmaier sich nicht nur wegen seines „Erbguts“ entschieden, ausschlaggebend war vor allem seine Begeisterung für Lebensmittel. Bei Instagram versucht der Meister auch andere für sein Handwerk zu begeistern. Dort ist er als „ Der Brot Dompteur “ bekannt und zeigt seinen Followern, wie Brezen geformt oder wie Zwetschgenrohrnudeln zubereitet werden.

Was macht Sie im Arbeitsalltag glücklich? 

Sebastian Brücklmaier: Die Abwechslung und das Lösen von komplexen Herausforderungen.

Auf welche App könnten Sie im Betrieb nicht verzichten? 

Google Maps , da ich beruflich viel im Auto sitze. Die App nutze ich aber auch, um Lieferungen an unsere Kunden zu planen.

Außerdem ist für mich Instagram wichtig. Ich gebe meinen Followern regelmäßig Einblicke in die Backstube. Mein Ziel es ist, sowohl potenzielle Kunden als auch Mitarbeitende für das Bäckerhandwerk zu begeistern.

Mit welchem Unternehmer würden Sie gerne für einen Tag die Rolle tauschen? 

Heizung, Sanitär oder Kältetechnik. In der Backstube haben wir viel mit Elektrik, Gas und Wasser zu tun. Wenn wir während der Produktion ein Problem haben – zum Beispiel, weil ein undichtes Wasserrohr tropft – rufe ich ungerne einen SHK-Kollegen an, der dann mitten in der Nacht aufstehen muss. Daher möchte ich gerne mal einem Kollegen bei der Arbeit über die Schulter schauen und einige Tricks lernen, damit ich bei kleineren Problemen mitten in der Nacht erstmal selbst eine Lösung finden kann.

Und wer sollte mit Ihnen mal einen Tag tauschen? 

Mit dem Bundeskanzler. Ich finde, dass sich die Politik bei neuen Gesetzen einfach mehr Gedanken darüber machen muss, was die Änderungen später in der Praxis für kleine Betriebe bedeuten. Der künftige Bundeskanzler darf gerne mal bei uns im Betrieb vorbeikommen und sich in der Backstube ansehen, welche gesetzlichen Vorgaben das Bäckerhandwerk belasten.

Dann bekommt er auch hautnah mit, welche Probleme unsere Mitarbeitenden im Alltag haben. Ob der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in München, der Zustand des ÖPNV oder fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten – auch hier ist die Politik gefordert, Lösungen zu finden.

Was ist der beste Ratschlag, den Sie bislang bekommen haben? 

„Ärgere dich niemals länger als fünf Minuten über etwas, was in fünf Jahren niemand mehr interessiert.“ Das war für mich ein sehr wertvoller Ratschlag. In der Praxis klappt das zwar nicht immer, aber ich versuche, mich daran zu halten.

Zum Beispiel, wenn sich jemand aus dem Team krankmeldet. Dann reißt das im Betrieb zwar eine Lücke und wir müssen die Arbeit umverteilen. Wenn ich mich aber über solche Dinge im Alltag aufregen würde, raubt mir das nur Energie und zieht mich runter. Das kann ich nicht gebrauchen.

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Was ist Ihr Lieblingspodcast? 

Wildbakers mit Joerg Schmid und Hannes Hirth. Sie zeigen das Bäckerhandwerk in einem ganz anderen Licht. Es ist überhaupt nicht so angestaubt, wie viele denken – sondern sehr modern.

Was kommt bei Ihnen beim Betriebsgrillen auf den Grill? 

Käsegriller, Rinderfilet und Kräuterbaguette.

Welches Buch sollte jeder Handwerksunternehmer lesen? 

„Think and Grow Rich“ von Napoleon Hill.

Wenn Sie noch einen Beruf lernen sollten: Wofür würden Sie sich entscheiden? 

Elektriker. Das ist ein Beruf, den ich wahnsinnig spannend finde und ich würde darüber gerne mehr erfahren.

Sie gewinnen plötzlich eine Million Euro. Was machen Sie damit?  

Ich investiere sie in den Betrieb und mache 2 Millionen Euro draus. Dann kann ich mir perspektivisch vielleicht doch noch ein Haus in München leisten. Bei den Baupreisen ist das aktuell leider unrealistisch für mich.

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