Die Zahlungsmoral sinkt – vor allem in der Baubranche
In keiner anderen Branche warten Betriebe so lange auf ihr Geld wie beim Bau. Und das ist nicht die einzige Herausforderung für die Handwerker der Baubranche.
12,6 Tage – so lange warteten Baubetriebe im dritten. Quartal dieses Jahres durchschnittlich auf die Bezahlung bereits fälliger Rechnungen . Damit ist die Zahlungsmoral im Baugewerbe so schlecht wie in keiner anderen Branche, ermittelte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform auf Basis ihrer eigenen Debitorenregister. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Zahlungsverzug demnach leicht verlängert: Im dritten. Quartal 2023 waren es noch 12,3 Tage. Branchenübergreifend stieg der Zahlungsverzug von 7,6 auf 8,4 Tage.
Die Ursachen liegen nach Ansicht des Vereins in der wirtschaftlichen Krise. „Die gesamtwirtschaftliche Rezession und vor allem die Verwerfungen in der Industrie sowie den Betrieben in der Wertschöpfungskette führten in vielen Fällen zu Liquiditätsengpässen . Die verschlechterte Zahlungsmoral ist eine Folge davon“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter Wirtschaftsforschung bei Creditreform.
Hochbau flop, Tiefbau top
Gleichzeitig drücken andere Krisen auf die Stimmung in der Bauwirtschaft. So rechnet der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) für 2024 mit einem Umsatzrückgang von vier Prozent und prognostiziert für 2025 einen Rückgang von rund 2,5 Prozent . Verantwortlich dafür sei vor allem die schwache Nachfrage im Hochbau, etwa beim Wohnungsbau. Stabil sei dagegen die Nachfrage im Wirtschaftstiefbau. Treiber seien die Energie- und Mobilitätswende mit Investitionen in Infrastrukturprojekte - vom Schienenausbau über Stromtrassen bis hin zum Breitbandausbau, so der ZBD. Er rechnet in diesem Bereich mit deutlich positiven Wachstumsraten von neun Prozent im Jahr 2024 und voraussichtlich 4,5 Prozent im Jahr 2025. Damit würde der Wirtschaftstiefbau erstmals umsatzstärker als der Hochbau.
Fachkräftemangel verschärft sich erneut
Diese positive Teilentwicklung könnte ein Grund dafür sein, dass sich der Fachkräftemangel wieder verschärft. Nach Zahlen von KfW Research waren zu Beginn des vierten. Quartals fast 30 Prozent der Betriebe im Bauhauptgewerbe davon betroffen, mehr als noch im Sommer (28 Prozent). Auch der ZDB warnt vor einem Fachkräftemangel im Tiefbau, beklagt aber gleichzeitig eine schwache Auftragslage in anderen Bereichen, die das Geschäftsklima belaste: Viele Betriebe könnten ihre Kapazitäten nicht voll auslasten, was die Investitionsbereitschaft und die Einstellung neuer Mitarbeiter bremse.
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