Politik und Gesellschaft

Diese Frauen fordern einen Mutterschutz für Selbstständige

Selbstständige Frauen haben bislang keinen Anspruch auf Mutterschutz: Diese sechs Handwerkerinnen sagen, was das für sie bedeutet und warum die Politik handeln muss.

4 Min.08.10.2025, 02:00 Uhr (Aktualisiert am 10.02.2026, 11:35 Uhr)
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Kein Mutterschutz für Selbstständige: Die Handwerkerinnen Kathrin Post-Isenberg, Katja Lilu-Melder, Larissa Pichler, Nicole Schmidt-Hager, Melanie Bauer-Sonntag und Stefanie Gornicki fordern, dass sich das ändern muss.
Kein Mutterschutz für Selbstständige: Die Handwerkerinnen Kathrin Post-Isenberg, Katja Lilu-Melder, Larissa Pichler, Nicole Schmidt-Hager, Melanie Bauer-Sonntag und Stefanie Gornicki fordern, dass sich das ändern muss. Markus Ziehlke, Katja Lilu Melder, Mirko Phla, Svenja Sonntag, Privat, Dörpwicht
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Die Initiative „ Mutterschutz für Alle! “ hat eine Aktionswoche organisiert, um auf die fehlende Absicherung von selbstständigen Müttern aufmerksam zu machen. Aus diesem Anlass findet am 9. Oktober 2025 unter anderem eine Presseaktion vor dem Bundestag statt, bei der eine Skulptur enthüllt werden soll. 

Die handwerk.com-Redaktion hat aus diesem Grund bei Handwerkerinnen nachgefragt, was der fehlende Mutterschutz für Selbstständige für sie persönlich bedeutet und warum eine Gesetzesänderung wichtig ist. Hier sind die Stimmen von sechs Frauen – mit dabei sind Melanie Bauer-Sonntag, Kathrin Post-Isenberg, Stefanie Gornicki, Katja Lilu Melder, Larissa Pichler und Nicole Schmidt-Hager.

„Wir sprechen von einem Lohnausfall von 100 Prozent bei Selbstständigen.“

Larissa Pichler

„Selbstständige Frauen sollten keine Existenzängste haben müssen, nur weil sie Mutter werden wollen. Es ist ein Unding, dass es keinerlei Support gibt, in einer Zeit in der Frauen am vulnerabelsten sind. Wir sprechen nicht von ‚nur‘40 Prozent Lohnausfall, sondern von 100 Prozent bei Selbstständigen. Es kann nicht sein, dass selbstständige Frauen es sich nur leisten können Mutter zu werden, wenn sie mit einem Gutverdiener verheiratet sind. Dasselbe sollte übrigens auch für Männer gelten, auch hier sollte es möglich sein als selbstständiger Mann Elterngeld zu erhalten wenn er Zuhause beim Kind bleibt“, sagt Larissa Pichler, Prokuristin im Familienbetrieb Glaschulz Handel & Glasbau GmbH im niedersächsischen Rosdorf.

„Die Regelung ist nicht nur veraltet, sondern fatal.“

Kathrin Post-Isenberg

„Kein Mutterschutz für Selbstständige bedeutet: Wir blockieren Frauen im Handwerk genau dort, wo wir sie am dringendsten brauchen – in der Betriebsnachfolge. Allein aufgrund dieser Tatsache verlieren wir enormes Potenzial. Angesichts der tausenden Betriebe, die in den nächsten Jahren übergeben werden, ist diese Regelung nicht nur veraltet, sondern fatal. Sie gehört sofort geändert. Besser gestern als heute“, sagt Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg , die sich inzwischen als Moderatorin und Speakerin selbstständig gemacht hat.

„Es würden sich mehr Frauen für die Selbständigkeit entscheiden.“

Unternehmerin Melanie Bauer-Sonntag und ihre angestellte Betriebsleiterin Lea Hau (v.l.)

„Während angestellte Arbeitnehmerinnen in Deutschland seit Jahrzehnten durch das Mutterschutzgesetz abgesichert sind, gilt dieser Schutz für Selbständige, Freiberuflerinnen und Unternehmerinnen nur eingeschränkt oder gar nicht. 

Ohne gesetzlich geregelten Mutterschutz stünde man vor der schwierigen Entscheidung, entweder weiterzuarbeiten, obwohl man sich körperlich schonen sollte, oder die berufliche Existenz zu riskieren, wenn man eine Pause einlegt.

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Ein geregelter Mutterschutz würde Selbständigen ermöglichen, in der sensiblen Phase rund um die Geburt ebenfalls abgesichert zu sein – sowohl gesundheitlich als auch finanziell. Er würde dazu beitragen, Schwangerschaft und Unternehmertum besser vereinbar zu machen und die Zahl der Frauen, die sich für die Selbständigkeit entscheiden, zu erhöhen“, sagt Melanie Bauer-Sonntag, Inhaberin von Melea Cake Design im niedersächsischen Rastede.

„Gleichberechtigte Absicherung stärkt die Wirtschaft insgesamt.“

Katja Lilu Melder

„Ein Mutterschutz für selbstständige Frauen ist essenziell, damit Schwangerschaft und Geburt nicht automatisch zu finanzieller Unsicherheit oder zur Aufgabe der beruflichen Existenz führen. Wer den Mut hat, ein eigenes Unternehmen aufzubauen, sollte nicht dafür bestraft werden, ein Kind zu bekommen. Gleichberechtigte Absicherung stärkt nicht nur die individuelle Freiheit, sondern auch die Wirtschaft insgesamt“, sagt Katja Lilu Melder, UFH-Bundesvorsitzende und Geschäftsführende Gesellschafterin von BMG Santec in Hamm

„Mutterschutz ist für selbstständige Mütter lebenswichtig.“

Nicole Schmidt-Hager

„Weil Mutterschutz, für mich und alle selbstständigen Mütter überlebenswichtig ist, wenn man sich den Gesetzestext zur Notwendigkeit des Mutterschutzes durchliest. Es ist diskriminierend, dass Unternehmerinnen ohne Schutz dastehen, während Angestellte abgesichert sind. Wer Gleichberechtigung ernst meint, muss endlich auch Selbstständige einbeziehen weil sich keine Frau mehr zwischen Selbstständigkeit und Familie entscheiden müssen sollte“, sagt Nicole Schmidt-Hager, Inhaberin von „ Die Kosmetikpraxis “ in Hannover.

„Kein Mutterschutz heißt stillen unter Existenzangst.“

Stefanie Gornicki

„Kein Mutterschutz heißt: Gebären mit Schmerzen, bluten mit Bilanzen, stillen unter Existenzangst. Während andere im Wochenbett liegen, stemmen selbstständige Mütter weiter Mieten, Krankenversicherungen und laufende Fixkosten – mit zerrissenem Körper und Baby auf dem Arm. Dieses System zwingt Frauen, sich zwischen Kind und Einkommen zu entscheiden – und nennt das Gleichberechtigung“, sagt Stefanie Gornicki, Inhaberin des Modelabels Dörpwicht .

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