4. HwO-Novelle

Fliesenleger: „Ohne die Meisterpflicht wäre unser Beruf heute tot“

Ihm ging es weniger um die Qualität, sondern darum, den Beruf zu retten. Fliesenlegermeister Stefan Bohlken zieht nach 5 Jahren Rückvermeisterung Bilanz.

2 Min.29.07.2025, 02:00 Uhr (Aktualisiert am 10.02.2026, 11:28 Uhr)
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Fliesenlegermeister Stefan Bohlken hofft, dass nach der Sicherung der Meisterpflicht nun auch die Ausbildung modernisiert wird.
Fliesenlegermeister Stefan Bohlken hofft, dass nach der Sicherung der Meisterpflicht nun auch die Ausbildung modernisiert wird. Bonnie Bartusch
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handwerk.com: Warum haben Sie sich damals so stark für die Rückvermeisterung Ihres Gewerkes eingesetzt?

Stefan Bohlken: Als ich 2015 Obermeister der Fliesenleger-Innung Oldenburg wurde, wollten wir neue Mitglieder gewinnen. Aber in den Gesprächen mit Kollegen kam immer wieder der Satz: „Ihr habt damals nichts gemacht, als die Meisterpflicht abgeschafft wurde.“ Das saß. Da war es natürlich schwer, jemanden für die Innung zu begeistern.

Das war der Auslöser. Ich wollte mir später nicht vorwerfen lassen, dass ich auch einfach weggeschaut habe. Also habe ich ein paar Videos gemacht, online Leute mobilisiert, eine Petition gestartet und Unterschriften gesammelt. Ich wollte der Politik zeigen: Das ist uns wichtig! Und tatsächlich – Bundestag und Bundesrat haben sich damit beschäftigt, und seit 2020 ist die Meisterpflicht im Fliesenlegerhandwerk zurück. Meine Petition wurde angenommen.

Was hat die Wiedereinführung der Meisterpflicht gebracht?

Bohlken: Ganz ehrlich: Ich glaube, ohne die Meisterpflicht wäre unser Beruf heute tot. Null Ausbildung , das wäre das Ergebnis gewesen. Früher konnte jeder Fliesenleger „spielen“ – ohne Ausbildung, ohne Plan. Und wenn keiner mehr ausbildet, ist das Handwerk als Berufsbild in ein paar Jahren weg vom Fenster. 

Zog mit einer Petition und einem traditionellen Lot nach Berlin und kämpfte für die Wiedereinführung der Meisterpflicht bei den Fliesenlegern: Stefan Bohlken.
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Was hat sich seit 2020 sonst noch verändert?

Bohlken: Unser Innungsleben ist aktiver geworden. Wir spüren richtig, dass wieder mehr Interesse da ist. Bei uns in Oldenburg kommen jedes Jahr im Schnitt fünf neue Betriebe dazu – das war vorher anders. Und das liegt zu einem sehr großen Teil an der Rückkehr zur Meisterpflicht. Wer in der Innung ist, möchte sich als Qualitätsbetrieb positionieren.

Was wünschen Sie sich für Ihr Gewerk heute?

Bohlken: Ich finde, die Ausbildung muss dringend überarbeitet werden. Manche Sachen, wie die Mörtelbettverlegung an der Wand, kommen in der Praxis gar nicht vor, sind aber immer noch großer Schwerpunkt der Ausbildung. Dafür sind andere Themen wie die Abdichtung im Bad – da, wo es später oft richtig teuer wird, wenn was schiefläuft – zu kurz gefasst.

Ein gutes Vorbild sind für mich die Raumausstatter . Die haben ihren Ausbildungsrahmenplan modernisiert und setzen mehr auf Digitalisierung. Genau sowas brauchen wir auch. Zum Beispiel das digitale Aufmaß von Großformatplatten. Solche Sachen müssen in die Ausbildung rein, damit wir die jungen Leute gut auf die Praxis vorbereiten.

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