Politik und Gesellschaft

Gebäudereinigung: Zweite Tarifrunde ohne Ergebnis

Die Arbeitgeber haben auch in der zweiten Verhandlungsrunde kein Angebot vorgelegt. Woran liegt das und wie geht es in der Tarifrunde der Gebäudereiniger weiter?

3 Min.11.09.2024, 02:00 Uhr (Aktualisiert am 18.02.2026, 13:56 Uhr)
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Tarifverhandlungen in der Gebäudereinigung: Auch in Runde zwei haben die Arbeitgeber kein Angebot vorgelegt.
Tarifverhandlungen in der Gebäudereinigung: Auch in Runde zwei haben die Arbeitgeber kein Angebot vorgelegt. Kzenon - stock.adobe.com
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Auch die zweite Runde der Tarifverhandlungen im Gebäudereiniger-Handwerk endete ohne Ergebnis.Das haben der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) bekannt gegeben.

Tarifrunde 2024: Worum geht es?

Die Positionen von Arbeitgebern und Gewerkschaft liegen nach wie vor weit auseinander. Die Gewerkschaft hatte bereits im Frühjahr angekündigt, was sie in der Tarifrunde im Gebäudereiniger-Handwerk fordert:

  • Eine Lohnerhöhung für alle Beschäftigten um 3 Euro pro Stunde – in der untersten Lohngruppe entspräche das einem Stundenlohn von 16,50 Euro.
  • Die Anhebung der monatlichen Ausbildungsvergütungen um 150 Euro im ersten Lehrjahr, um 200 Euro im zweiten Lehrjahr und um 300 Euro im dritten Lehrjahr.
  •  Ein 13. Monatseinkommen für alle Gewerkschaftsmitglieder.

Die Arbeitgeberseite kritisiert, dass die Gewerkschaft an diesen Forderungen nach wie vor festhält: „Die IG Bau weiß seit vielen Monaten, dass ihre Maßlos-Forderung von mehr als 30 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten keinerlei Basis für sinnhafte Gespräche ist“, erklärte Christian Kloevekorn, Vorsitzender der BIV-Tarifkommission.

Er hätte sich für die zweite Tarifrunde „ein Mindestmaß an wirtschaftlichem Realitätssinn von der Gewerkschaft erhofft“ und verwies auf die aktuelle Situation in Deutschland: Die Wirtschaft stagniere, es herrsche eine Flaute in der Industrie und das Geschäftsklima im Dienstleistungsbereich sei getrübt. „Vor all diesen Schwierigkeiten für unser industrienahes Dienstleistungshandwerk verschließt die IG Bau ihre Augen“, sagte Kloevekorn.

Tarifstreit in der Gebäudereinigung: Das sagt die Gewerkschaft

Die Gewerkschaft sieht die Sache anders: Sie kritisiert, dass die Arbeitgeber auch in der zweiten Verhandlungsrunde kein Angebot vorgelegt haben. „So kann man keine Verhandlungen führen“, findet Vorstandsmitglied Ulrike Laux. „Sich einfach zu treffen um sich über die unterschiedlichen Positionen auseinanderzusetzen, dafür ist die Zeit zu schade.“

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Nach den Verhandlungen sagte Laux, sie habe den Eindruck, die Arbeitgeberseite sei irritiert über die jüngste EU-Mindestlohnrichtlinie gewesen. Die Richtlinie empfiehlt, dass ein gesetzlicher Mindestlohn laut üblichen Referenzwerten 60 Prozent des Bruttomedianlohns oder 50 Prozent des Bruttodurchschnittslohns betragen könnte. Laux verwies in diesem Zusammenhang auf Berechnungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Laut DGB müsste der Mindestlohn ausgehend vom 60 Prozent-Kriterium der EU in diesem Jahr bei 14,12 Euro liegen. 2026 sieht der DGB einen angemessenen Mindestlohn bei 15,27 Euro pro Stunde. Auf dieses Szenario beruft sich Laux und weist darauf hin, dass es in der Gebäudereinigung bislang üblich gewesen sei, dass die unterste Lohngrenze einen Euro über dem Mindestlohn liege – aktuell beträgt der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland 12,41 Euro.

Tarifrunde: Wann gehen die Verhandlungen in der Gebäudereinigung weiter?

Den Tarifvertragsparteien zufolge soll die Verhandlungsrunde Ende Oktober weitergehen. Aktuell sei der nächste Termin für den 24. Oktober geplant, so die Gewerkschaft. Der BIV weist jedoch darauf hin, dass er kurzfristige Termine für Ende September und Anfang Oktober vorgeschlagen hatte. Die Gewerkschaft habe aber „drei kurzfristige Terminvorschläge“ abgelehnt und wolle erst in knapp sieben Wochen weiterverhandeln. „So drängt sich der Eindruck auf, dass die Gewerkschaft an einem raschen Abschluss im Sinne der Beschäftigten, aber auch der Unternehmen und Kunden kein gesteigertes Interesse hat“, sagte Kloevekorn.

Dritte Verhandlungsrunde: Was sagen die Arbeitgeber?

Der Bundesinnungsverband hat bereits jetzt klargestellt, was er für die nächste Verhandlungsrunde erwartet: „Wir verhandeln nur über einen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von mindestens 24 Monaten“, so Kloevekorn. Zudem stellte er klar, dass die Arbeitgeberseite von der Allgemeinverbindlichkeit zutiefst überzeugt sei und sich daher dafür einsetze, dass die Tarifregelungen für alle Gebäudereiniger in Deutschland gleichermaßen gelten.

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