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Handwerk, Hightech, Horizont: Ein Leben mit Vision

Noch immer hoch hinaus: Dachdeckermeister und Privatpilot Karl-Heinz Krawczyk verrät, was ihn auch nach der Betriebsübernahme antreibt.

4 Min.09.05.2025, 02:00 Uhr (Aktualisiert am 20.02.2026, 15:44 Uhr)
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Karl-Heinz-Krawczyk lässt das Handwerkerleben nach der Unternehmensübergabe nicht enden.
Karl-Heinz-Krawczyk lässt das Handwerkerleben nach der Unternehmensübergabe nicht enden. Karl-Heinz Krawczyk
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35 Jahre Unternehmer. Davon viele als Dachdeckermeister, nun als Coach – und immer als Macher. Karl-Heinz Krawczyk hat seinen Betrieb erfolgreich übergeben und gibt heute seine Erfahrungen an die nächste Generation weiter. Mit Fokus, iPad und Minimalismus – warum weniger oft mehr ist und warum er trotz allem von einer Reise in den Weltraum träumt. 

Was macht Sie im Arbeitsalltag glücklich?

Karl-Heinz Krawczyk: Mich begeistert, wenn ich Menschen motivieren und mit meiner Erfahrung begleiten kann – ob im Coaching, bei Vorträgen oder im Ehrenamt. Wenn jemand nach einem Impuls von mir sein Unternehmen neu ausrichtet, effizienter arbeitet oder einfach wieder mit Freude ins Büro geht, dann erfüllt mich das. Und: Ich liebe es, wenn Ideen Realität werden. 

Auf welche App könnten Sie im Betrieb nicht verzichten?  

Definitiv Apple Notes. Ich arbeite ausschließlich mit dem iPad und organisiere mein gesamtes Leben in einem sogenannten „Life Operating System“. Es ist meine Zentrale für Baustellenprotokolle, Kundenkommunikation, Zielplanung, Podcast-Ideen und persönliche Reflexionen – mein digitales Cockpit.

Mit welchem Unternehmer würden Sie gerne für einen Tag die Rolle tauschen? 

Wenn es noch möglich wäre, mit Steve Jobs. Er war ein Visionär und es ist beeindruckend, was dank ihm aus Apple geworden ist. Er hat wirklich eine Delle ins (Digital-) Universum geschlagen. Ich würde das Gleiche gerne im Handwerk tun. 

Und wer sollte mit Ihnen mal einen Tag tauschen? 

Ehrenamtsträger im Handwerk. Ich wünsche mir, dass sie mal durch meine Brille blicken – und sehen, wie viel Potenzial in moderner, einfacher, digitaler Handwerksführung steckt. 

Was ist der beste Ratschlag, den Sie bislang bekommen haben?

Von meinem Vater: „Überlege doch mal, ob du nicht erfolgreicher Handwerker wirst und dann all das, was dich sonst interessiert, in deiner Freizeit machst.“ So bin ich Handwerker geworden – und Privatpilot.

Was ist Ihr Lieblingspodcast?

Natürlich unser eigener „ Dachdecker-Podcast “ – gestartet 2020 mit Michael Zimmermann. Und der „Goldboden“-Podcast vom Handwerk BW ist ebenfalls klasse. Beide zeigen, wie lebendig und vielfältig das Handwerk ist.

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Was kommt bei Ihnen beim Betriebsgrillen auf den Grill?

Immer öfter Gemüse – aber klassisch auch mal eine Wurst. Ich esse inzwischen deutlich bewusster. Mein eigener Fleischkonsum ist stark reduziert, weil ich den Umgang mit Tieren moralisch sehr verwerflich finde. Dass ich einen Hund habe, wirkt sich wahrscheinlich auch darauf aus.

Welcher Song darf auf Ihrer Baustellen-Playlist nicht fehlen?

Moderne Popmusik für die Kolleginnen und Kollegen, für mich gerne Achtziger und Neunziger. Und als Pilot habe ich natürlich meine ganz eigene Flieger-Playlist. Im Coaching läuft keine Musik. Das war früher tatsächlich mal modern und es gibt sicherlich auch immer noch große Auftritte mit Powermusik. Ich möchte aber nicht, dass meine Workshops Show-Charakter haben. 

Welches Buch sollte jeder Handwerksunternehmer lesen?

„Die Schwarzgurt-Unternehmer“ von Stefan Merath. Großartige Parallelen zwischen Unternehmertum und Kampfsport. Disziplin, Strategie, Verantwortung – alles drin, was man als Unternehmer braucht.

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Wenn Sie noch einen Beruf lernen sollten: Wofür würden Sie sich entscheiden? 

Luft- und Raumfahrtingenieur. Technik hat mich schon immer fasziniert – und das Weltall sowieso. Ich bin jetzt ungefähr 35 Jahre Pilot und schon überall rumgeflogen, aber ich träume noch davon, die Erde vom Weltraum aus zu sehen. Ich befürchte allerdings, das wird in diesem Leben nichts mehr.

Sie gewinnen plötzlich eine Million Euro. Was machen Sie damit? 

Ins nächste verfügbare Raumschiff steigen und einmal die Erde umkreisen. Dem entgegen stehen meine Sorgen hinsichtlich des Klimawandels. Wir sind ein Klimagewerk, dämmen die Gebäudehülle gut, damit weniger Energie verloren geht und montieren Solaranlagen, damit Energie gewonnen wird. Die Folgen des Klimawandels werden wir aber noch deutlich spüren. In den Weltraum zu fliegen ist also ein Herzenswunsch, aber ich sehe die Probleme, die damit verbunden sind. Wenn man die Erde einmal aus dem Weltraum als Ganzes gesehen hat, müsste das die Einstellung zum Leben wahrscheinlich dramatisch verändern. Man sieht eine zerbrechliche Kugel, die da irgendwo im Weltraum hängt und wir Menschen richten sie zugrunde.   Ansonsten würde ich die Million in Bildung und digitale Werkzeuge fürs Handwerk investieren – das ist die beste Rendite für die Zukunft und würde mithelfen, junge Menschen wieder für das Handwerk und die Selbständigkeit zu begeistern.

Ich versuche außerdem den Minimalismusgedanken zu leben. Wenn du Dinge abgibst, sei es gedanklich oder materiell, geht es dir einfach besser, als wenn du an Dingen festhältst.

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