Politik und Gesellschaft

Karriere und Kind: „Das darf kein Entweder-Oder sein“

Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg hat 2017 ihren Betrieb dicht gemacht. Hier spricht sie über die Gründe für die Schließung und was sie selbstständigen Handwerkerinnen wünscht.

3 Min.25.07.2025, 02:00 Uhr (Aktualisiert am 20.02.2026, 15:34 Uhr)
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Vortrag in Zusmarshausen: Kathrin Post-Isenberg gab beim FORUM mobility & work auch private Einblicke.
Vortrag in Zusmarshausen: Kathrin Post-Isenberg gab beim FORUM mobility & work auch private Einblicke. Felix Albertin
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Im Handwerk hat Kathrin Post-Isenberg eine beispielhafte Karriere hingelegt: Kurz nach einem Praktikum bei einem Steinmetz unterzeichnete sie zunächst ihren Ausbildungsvertrag. Nach dem Abschluss erwarb die Steinmetzin dann ihren Meistertitel und wagte schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit. „Ich habe ganz bei null angefangen, als mobile Schriftenhauerin mit Garage und Anhänger“, erinnert sich Post-Isenberg an ihren Start in die Selbstständigkeit. Zwei Jahre später habe sie dann ihre erste eigene Werkstatt gehabt und sich mit dem Betrieb auf individuelle Grabmale spezialisiert. Mit der Zeit wuchs das Unternehmen, 2017 war dann plötzlich Schluss.

Grund für die Betriebsschließung: Das erste Kind

Doch warum musste die Handwerkerin diese Entscheidung treffen? „Der Grund war sehr emotional für mich“, sagt Post-Isenberg. „Ich habe das erste Kind bekommen.“ Gemeinsam mit ihrem Mann versuchte sie, zunächst beides zu stemmen – also Kind und Karriere. Das Ergebnis: „Nach anderthalb Jahren hatten wir Augenränder, die bis unter die Knie gingen“, berichtet sie. Ihr sei deshalb schnell klar gewesen, dass sich etwas ändern muss.

Doch weniger im Betrieb zu arbeiten, sei aus wirtschaftlichen Gründen keine Option gewesen, so die Steinmetzmeisterin. Deshalb habe sie 2017 die Entscheidung getroffen, ihren Betrieb wieder zu schließen. „Es war ok für den Moment“, sagt Post-Isenberg.

Allerdings würde sie sich wünschen, dass sich die Rahmenbedingungen für selbstständige Frauen im Handwerk verbessern: „Es muss politisch endlich etwas passieren, sodass Kind und Karriere möglich sind, das darf kein Entweder-Oder sein“, fordert die Handwerkerin.

Pläne von Union und SPD: Das sagt die Steinmetzmeisterin

Politisch wird seit einiger Zeit der Mutterschutz für schwangere Selbstständige diskutiert. Tischlermeisterin Johanna Röh hat diese Diskussion 2022 angestoßen, als die Unternehmerin die Petition „Schwangerschaft darf keine Existenzbedrohung sein“ startete.

Im Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD im April 2025 darauf verständigt, dass sie einen Mutterschutz für Selbstständige analog zu den Mutterschutzfristen für Beschäftigte einführen wollen.FürPost-Isenberg klingen diese Pläne „vielversprechend“. Doch sie sagt auch: „Hoffen wir, dass es nicht nur vielversprechend klingt, sondern dass es auch vielversprechend wird.“ Für die Steinmetzmeisterin ist jedenfalls klar, dass sie genau verfolgen wird, ob die Bundesregierung ihre Pläne auch umsetzen wird.

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„Mit Blick auf den demografischen Wandel braucht es in Sachen Mutterschutz dringend schnelle Änderungen“, fordert Post-Isenberg. Sie verweist auf die große Zahl an Handwerksbetrieben, in denen in den kommenden Jahren eine Nachfolge ansteht. „Wenn Frauen einen geschützten gesetzlichen Rahmen als Unternehmerin bekämen, könnten auch Betriebe vor der kompletten Schließung gerettet werden“, prognostiziert die Steinmetzmeisterin. Schließlich wäre die Übernahme eines etablierten Betriebes für Handwerkerinnen unter solchen Umständen attraktiver.

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Von der Handwerksunternehmerin zur Moderatorin und Podcasterin

Auch wenn Post-Isenberg keinen Handwerksbetrieb mehr führt, ist sie dem Handwerk treu geblieben. Sie arbeitet heute als Moderatorin und Podcasterin. Außerdem hält sie inzwischen Vorträge und Workshops zu Personalthemen, wie die Gestaltung einer attraktiven Arbeitgebermarke funktioniert, oder wie modernes Rekrutieren von Mitarbeitenden aussieht und wie eine authentische Sichtbarkeit auf Social Media dabei helfen kann.

Die Steinmetzmeisterin war zum Beispiel eine der Referentinnen beim F ORUM mobility & work in Zusmarshausen . Dort gab sie wertvolle Tipps zum Aufbau einer attraktiven Arbeitgebermarke. Sie zeigte Best-Practice-Beispiele, wie Handwerksbetriebe über Instagram gezielt Fachkräfte und Azubis ansprechen können.

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