Meister vor der Wahl: „Bürokratie wurmt und lähmt mich“
Was wünschen sich Handwerksbetriebe von einer neuen Regierung? Bauunternehmer Daniel Keding hat vor der Bundestagswahl mehrere konkrete Forderungen.
Auf einen Blick
Die Anzahl an Vorschriften und bürokratischen Hürden für Handwerksbetriebe nimmt zu. Das spürt auch Bauunternehmer Daniel Keding : „Die Bürokratie wurmt und lähmt mich“, sagt der Maurer- und Betonbaumeister aus Lehrte. Seitdem er den Betrieb mit 30 Mitarbeitenden von seinem Vater übernommen hat, seien Jahr für Jahr immer mehr Anforderungen auf ihn und sein Team zugekommen.
Daher fordert er vor der anstehenden Bundestagswahl echte Reformen von der künftigen Regierung. „Doch die Bretter, die da gebohrt werden müssten, sind sehr dick“, betont Keding. Wenn er wegen zunehmender Bürokratie noch mehr Personen in der Verwaltung beschäftigen müsste, würde er auch diese Mehrkosten an seine Kunden weitergeben. „Andererseits sollen die Baukosten gesenkt werden – das passt für mich nicht zusammen“, betont der 42-Jährige.
Was ihn besonders ärgert: „Deutschland hat immer den Ansporn, die EU-Vorgaben zu 250 Prozent zu erfüllen. Das mündet in einen Apparat an Vorschriften, den niemand mehr überblicken kann“, sagt Keding.
ZDH: Verwaltung schlank und digital aufstellen
Was Handwerksunternehmer Keding beklagt, hat der Zentralverband des Deutschen Handwerk (ZDH) in konkrete Forderungen an die Politik formuliert. „25 für 25“ heißt der Wahlcheck des Verbandes ( wir berichteten ). Der ZDH fordert darin: „Die Belastung des Handwerks mit Bürokratie wird deutlich reduziert. Unverhältnismäßige Berichts- und Dokumentationspflichten werden systematisch abgebaut, ohne notwendige Schutzstandards für Beschäftigte einzuschränken. Die Verwaltung wird schlank und digital aufgestellt.“
Und: „Auf europäischer Ebene wird darauf hingewirkt, dass sich die Gesetzgebung konsequent an den Bedürfnissen von kleinen und mittleren Unternehmen orientiert. Die nationale Umsetzung wird stringent auf europäische Mindestvorgaben beschränkt.“
Senkung der Lohnnebenkosten soll Beschäftigte motivieren
Eine spürbare Senkung der Lohnnebenkosten und der Steuern ist ein zweiter dringender Wunsch von Daniel Keding. „Arbeiten muss sich wieder lohnen, sonst kommen wir am Standort Deutschland nicht voran und werden weiter abgehängt“, sagt er. Die Abgabenlast bei den Beschäftigten von Keding Bau und anderen Betrieben sei mittlerweile so hoch, dass bei ihnen am Ende des Monats kaum noch etwas übrig bleibe. „Für diejenigen, die wirklich Lust auf ihren Job haben und arbeiten wollen, ist das wirklich demotivierend“, sagt Keding, der auch Vorsitzender des Arbeitskreises Junger Bauunternehmer in Niedersachsen ist. Zudem engagiert er sich in der Vereinigung Junger Bauunternehmer im Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB).
Die Forderung nach Senkung der Lohnnebenkosten greift auch der ZDH auf. Konkret lautet sie im Wahlcheck: „Betriebe und Beschäftigte werden bei Steuern und Abgaben spürbar entlastet. Dadurch können im Handwerk Impulse für Beschäftigung, Investitionen und Kaufkraft gesetzt werden. Eine Abgabenbremse sorgt dafür, die Beitragslast für Betriebe und Beschäftigte bei unter 40 Prozent zu stabilisieren.“
„Die Energiewende muss bezahlbar sein“
In Sachen Energiewende stört den Handwerksmeister besonders, dass es weder für Kunden noch für Betriebe langfristige Planbarkeit gibt. „Wenn Kunden ein Vorhaben planen, wissen sie derzeit nicht genau, ob sie die Förderung, die es momentan gibt, auch noch erhalten, wenn sie antragsberechtigt sind“, ärgert sich Keding. Zudem seien die Anforderungen an die Gebäudesanierung mittlerweile so hoch, dass Kunden die Kosten gar nicht mehr tragen wollen und können. Er plädiert deshalb für realistische Anforderungen an die Sanierung im Bestand .
Bürokratieabbau, geringere Sozialabgaben oder weniger Vorschriften? Welche Forderungen haben Sie an die künftige Bundesregierung? Schreiben Sie uns an jahn@handwerk.com .
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