Familenbetriebe mit Tradition

Mindestens 125 Jahre alt: So haben sich diese Betriebe entwickelt

Nicht nur die Handwerkskammern haben in diesem Jahr etwas zu feiern: Auch einige Betriebe haben ein großes Jubiläum – und geben Einblick in ihre Geschichten.

4 Min.12.09.2025, 02:00 Uhr (Aktualisiert am 20.02.2026, 15:40 Uhr)
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Schon mindestens 125 Jahre alt: Drei Handwerksbetriebe geben Einblicke, wie sich die Arbeit in ihrem Gewerk seit der Firmengründung verändert hat.
Schon mindestens 125 Jahre alt: Drei Handwerksbetriebe geben Einblicke, wie sich die Arbeit in ihrem Gewerk seit der Firmengründung verändert hat. Meret Edzards-Tschinke (SKN Norden), Zimmerei Gröper, Handwerkskammer Magdeburg
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Auf einen Blick

Die Zimmerei Gröper feiert in diesem Jahr das 125-jährige Bestehen: Hier berichtet das Führungsteam, wie sich der Betrieb und das Zimmererhandwerk in dieser Zeit verändert haben und wie es voraussichtlich weitergeht.

Fotografenmeisterin Dodea Paulsen hat Foto Paulsen in Norden 1995 übernommen und führt den Betrieb seither mit großer Begeisterung – doch für ihren Betrieb sieht sie trotzdem keine Zukunft.

Tischlermeister Hans Aue ist 86 Jahre alt und freut sich, dass er den Großteil der 125-jährigen Firmengeschichte von Bestattungen Aue miterleben durfte. Heute wird der Betrieb von seiner Tochter geführt und eine potenzielle Nachfolgerin ist auch schon in Sicht.

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Die Zimmerei Gröper aus dem niedersächsischen Harpstedt gehört zu den wenigen Betrieben, die in diesem Jahr ebenfalls 125 Jahre alt werden. „Mein Urgroßvater Heinrich hat den Betrieb im Jahr 1900 als Sägerei mit angeschlossener Zimmerei gegründet“, berichtet Geschäftsführer Jens Gröper, der den Betrieb 1995 übernommen hat und ihn damit inzwischen in vierter Generation führt.

Seit der Gründung hat sich in dem Familienbetrieb allerdings viel verändert: „Wir haben lange Zeit selbst Holz geschnitten, doch aus diesem Geschäft sind wir vor Jahren ausgestiegen“, sagt Zimmerermeister Jens Gröper. Zu groß sei der Konkurrenzdruck durch die großen, modernen Sägereien gewesen. „Heute führen wir alle Arbeiten der klassischen Zimmerei, des Holzbaus einschließlich Ziegelbedachungen durch“, sagt der Unternehmer, der den Betrieb gemeinsam mit Ehefrau Rita und Sohn Philipp leitet.

Auch die Arbeit im Zimmererhandwerk hat sich im Laufe der letzten 125 Jahren stark gewandelt. „Auf der Baustelle war früher alles Handarbeit, heute haben wir mit Kran und Hebemittel viel Technik im Einsatz“, sagt Bauingenieur Philipp Gröper. Doch es gibt auch Dinge, die sich nicht verändert haben: „Das Zimmererhandwerk ist noch immer körperliche Arbeit“, merkt Rita Gröper an. Schließlich seien die Mitarbeitenden permanent der Witterung ausgesetzt, da sie bei Regen, Wind und Sonne draußen arbeiten. Trotzdem ändere sich das Ansehen der Zimmerer und das Handwerk werde wieder „cool“.

Teamfotos aus alten Zeiten: Auch heute arbeiten Zimmerer noch bei Wind und Wetter draußen.

Der Betrieb beschäftigt heute insgesamt sieben Mitarbeitende, die auf Baustellen im Umkreis von maximal 50 Kilometern rund um Harpstedt im Einsatz sind. Gemeinsam mit dem Team sowie mit Geschäftspartnern und Lieferanten feierten die Gröpers Anfang September ihr Firmenjubiläum. „125 Jahre, für mich ist das kaum greifbar, weil ich zu vielen Personen gar keinen persönlichen Bezug mehr habe“, sagt Philipp Gröper. „Das ist aber eine Zahl, die mich sehr stolz macht“, ergänzt der 28-Jährige, der die Zimmerei eines Tages übernehmen und in die fünfte Generation führen will.

Von der Glasplatte zur Digitalkamera

Auf eine lange Firmengeschichte kann auch Fotografenmeisterin Dodea Paulsen zurückblicken. Sie führt den Betrieb Foto Paulsen in Norden, der im Jahr 1894 von Peter Paulsen gegründet wurde. Das Unternehmen feierte im letzten Jahr somit sein 130-jähriges Bestehen. In dieser Zeit hat das Fotografenhandwerk einen enormen Wandel erlebt. „Früher war die Fotografie richtige Handarbeit“, berichtet die Fotografin. Ihr Uropa habe um 1900 noch auf Glasplatte mit vorhandenem Tageslicht fotografiert. Später habe es dann die Magnesiumblitze und die Elektronenblitze gegeben, die das Fotografieren auch bei schlechteren Lichtverhältnissen ermöglichten.  

1995 übernahm Dodea Paulsen den Betrieb von ihrem Vater – trotz seiner wohlmeinenden Warnung: „Lern etwas Anständiges, dann hast du auch richtig Wochenende.“ Doch von diesen Worten ließ sich die Unternehmerin nicht abhalten: „Für mich kam kein anderer Beruf in Frage. Ich bin mit der Kamera in der Hand groß geworden und liebe es einfach, zu fotografieren“, sagt sie. Ihre erste Kamera sei eine Instamatik von Kodak gewesen. Später folgten eine Rollei mit Schwingspanner und die A1 von Canon sei ihre erste Spiegelreflexkamera mit Programmautomatik gewesen. Seit 2005 fotografiert Paulsen mit einer Digitalkamera.  

Die Fassade von Foto Paulsen im Wandel der Zeit.
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Mit der Digitalisierung hat sich das gesamte Berufsfeld stark verändert. „Heute kann jeder mit wenig Aufwand selbst gute Familienfotos machen“, sagt die Unternehmerin. Genau das war zur Gründungszeit des Betriebs aber der Grund, warum die Menschen in den Laden von Peter Paulsen kamen. 

Klar ist schon, dass es wegen der Entwicklung des Fotografenhandwerks keine fünfte Generation bei Foto Paulsen geben wird: „Ich werde den Betrieb schließen“, sagt die Fotografin. Wann das sein wird, weiß die 56-Jährige noch nicht. Ihre Berufsentscheidung bereut Dodea Paulsen allerdings bis heute nicht: „Ich bin mit Leib und Seele dabei“, sagt die Fotografin, die an ihrem Beruf besonders den Umgang mit Menschen schätzt. „Man kommt den Leuten beim Fotografieren sehr nah und lernt sie richtig kennen.“

125 Jahre: Zum Firmenjubiläum bekamen Heike Esposito-Aue und Hans Aue (links) eine Urkunde von der Kammer.

Von der Tischlerei zum Bestattungsinstitut

Ebenfalls mit großer Begeisterung ist auch Hans Aue im Einsatz: Der Tischlermeister arbeitet seit mehr als 60 Jahren bei Bestattungen Aue in Magdeburg. Somit durfte er den Großteil der 125-jährigen Firmengeschichte miterleben. „Otto Schrader, mein Großvater mütterlicherseits, hat den Betrieb im Jahr 1900 als Tischlerei mit Sargmagazin gegründet“, berichtet der 86-Jährige. Lange Zeit seien in der Tischlerei die Särge für die Bestattungen hergestellt worden.

Die beiden Geschäftsbereiche hat die Familie Aue allerdings zu DDR-Zeiten voneinander getrennt: „Zu diesem Schritt haben wir uns aus steuerlichen Gründen entschieden“, erinnert sich Hans Aue. Er habe damals die Geschäftsführung der Tischlerei übernommen und seine Frau Doris das Bestattungsinstitut. „Die Tischlerei haben wir 2002 verkauft und das Bestattungsinstitut ist noch immer in der Hand der Familie“, sagt der Tischlermeister. Heute wird der Familienbetrieb allerdings von seiner Tochter Heike Esposito-Aue geführt. Neben dem Stammhaus in Magdeburg gehören noch fünf weitere Geschäftsstellen zum Unternehmen.

Hans Aue freut sich, dass er in diesem Jahr das Firmenjubiläum miterleben darf: „Das ist etwas ganz Besonderes, da ich schon so lange dabei bin und wir als Familie mit der Firma leben.“ Und so wie es aussieht, wird das auch noch so weitergehen: „Meine Enkelin arbeitet aktuell noch nicht im Unternehmen“, sagt der Meister. „Sie hat aber angekündigt, dass sie das Bestattungsunternehmen mal übernehmen möchte.“

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