Politik und Gesellschaft

Tarifeinigung im Maler- und Lackiererhandwerk

Der Tarifvertrag für das Maler- und Lackiererhandwerk ist Ende September 2024 ausgelaufen. Nach der gescheiterten Schlichtung gibt es jetzt doch eine Einigung.

7 Min.22.04.2025, 02:00 Uhr (Aktualisiert am 10.02.2026, 15:16 Uhr)
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Streit um neuen Tarifvertrag im Maler- und Lackiererhandwerk: Ende Januar 2025 steht die dritte Verhandlungsrunde an.
Streit um neuen Tarifvertrag im Maler- und Lackiererhandwerk: Ende Januar 2025 steht die dritte Verhandlungsrunde an. visivasnc - Fotolia.com
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Auf einen Blick

In der aktuellen Tarifrunde im Maler- und Lackiererhandwerk geht es um den Ecklohn. Aktuell liegt der noch bei 18,87 Euro im Westen. Im Osten und in Berlin beträgt er 18,44 Euro.

Zum Start der Tarifverhandlungen 2024 hatte die Gewerkschaft eine Anhebung um 8 Prozent gefordert, das Angebot der Arbeitgeberseite lag bei Plus 1,6 Prozent.

Anfang 2025 waren zunächst die Lohnverhandlungen und dann auch die Schlichtung im Maler- und Lackiererhandwerk gescheitert.

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Bundesverband Farbe: Tarifeinigung nach Spitzengespräch

April 2025: Nach der gescheiterten Schlichtung haben die Tarifpartner im Maler- und Lackiererhandwerk in einem Spitzengespräch doch noch eine Einigung erzielt. Das teilt der Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz mit. Die Einigung sei Mitte April von beiden Seiten unterzeichnet worden, heißt es weiter.

Tarifeinigung bei Malern- und Lackierern: Das ist für 2025 und 2026 geplant

Laut dem Arbeitgeberverband sieht die Tarifeinigung Folgendes vor:

  • Der Ecklohn West soll zum 1. April 2025 um 2,9 Prozent steigen. Eine weitere Erhöhung ist zum 1. Juni 2026 geplant: Dann soll der Ecklohn um 3 Prozent steigen.
  • Zudem soll es eine Ost-West-Angleichung der Löhne geben: Dabei sollen die Löhne in den östlichen Bundesländern und Berlin bis zum 1. Januar 2027 schrittweise in vier Erhöhungsstufen auf das Niveau des Ecklohns West angehoben werden.
  • Der Mindestlohn für gelernte Arbeitnehmer (Gesellen) soll ab dem 1. Juli 2025 auf 15,55 Euro steigen. Eine weitere Erhöhung soll es ab dem 1. Juli 2026 geben: Die Lohnuntergrenze für Gesellen im Maler- und Lackierhandwerk soll dann auf 16,13 Euro pro Stunde angehoben werden.
  • Die Ausbildungsvergütungen sollen zum 1. August 2025 in allen Lehrjahren um 50 Euro pro Monat erhöht werden und zum 1. August 2026 nochmal um 50 Euro.

„Die Tarifeinigung trägt der aktuellen Konjunkturkrise Rechnung“, sagt Markus Heineke, Verhandlungsführer des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz. Er weist auf die schwierige wirtschaftliche und politische Lage hin. Jede Erhöhung sei für die Betriebe im Maler- und Lackierhandwerk eine „schwere Aufgabe“. Doch Heineke stellt auch klar: „Eine gerechte Entlohnung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist gleichzeitig der einzige Weg, um die Branche zu stärken und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.“ Für den Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite gehört dazu auch, „das Lohngefüge in Ost und West nach fast 35 Jahren der Wiedervereinigung anzugleichen.“

Wie die Arbeitgeberseite weiter mitteilt, liegt der Tarifvorschlag nun den Landesverbänden des Maler- und Lackiererhandwerks vor. Diese müssten das Ergebnis bis zum 28. April 2025 bestätigen.

Tarifeinigung bei Maler und Lackierern: Das sagt die IG Bau

Zur Tarifeinigung hat sich die IG Bau lange nicht offiziell geäußert. Auf eine Anfrage von handwerk.com bestätigt die Gewerkschaft nun die von der Arbeitgeberseite bekannt gegebenen Zahlen. „Das waren wirklich langwierige, zähe und schwierige Verhandlungen“, teilt die IG Bau mit. Auch sie habe dem Kompromiss zugestimmt.

Allerdings stellt die Gewerkschaft klar: „Die Einigung verlangt uns alles ab, ihr noch zuzustimmen.“ Positiv sieht sie allerdings, dass es „ jetzt einen Fahrplan für die Ost-West-Angleichung“ gibt. Die IG Bau war 2024 unter anderem mit dem Ziel in die Tarifverhandlungen gestartet, bei den Löhnen die Ost-West-Angleichung abzuschließen.

Bundesverband Farbe: „Gewerkschaft schmeißt in der zweiten Schichtungsrunde hin“

7. März 2025: Nach Angaben von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern ist bei den Tarifverhandlungen im Maler- und Lackiererhandwerk nun auch die Schlichtung gescheitert. Die IG Bau habe in der zweiten Schlichtungsrunde die Verhandlungen „abrupt beendet“, teilt der Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz mit.

Aus Sicht des Bundesinnungsverbands hat die Arbeitgeberseite „weitreichende Zugeständnisse gemacht“ und „alle wesentlichen Bedingungen der Gewerkschaft akzeptiert“. Die Arbeitnehmerseite habe den Kompromiss an der Frage von wenigen Monaten Gesamtlaufzeit scheitern lassen. „Die Beschäftigten in den Malerbetrieben müssen nun erstmal auf ein kräftiges Lohn-Plus verzichten“, so der Bundesinnungsverband. Die Arbeitgeber hätten zuletzt folgendes Angebot vorgelegt:

  • eine Lohnerhöhung um 2,9 Prozent ab April 2025 und
  • zur Mitte des kommenden Jahres eine Anhebung des Ecklohns auf 20 Euro pro Stunde

„Vollzeitbeschäftigte hätten damit fast 200 Euro mehr als heute auf dem Lohnzettel gehabt“, rechnet der Arbeitgeberverband vor. Und zwar fest zugesichert bis zum 30. September 2027.

Maler- und Lackierer: Was die IG Bau zum Scheitern der Schlichtung sagt

Der IG Bau reichte dieses Angebot nicht. „Damit würde die Malerinnen und Maler selbst bei einer niedrig erwarteten Inflationsrate von 2 Prozent noch nicht einmal einen Ausgleich bekommen“, kritisiert die Gewerkschaft den Vorschlag. In den ersten sechs Monaten des Jahres würden die Beschäftigten sogar komplett leer ausgehen.

Wie schon zu Beginn der Tarifverhandlungen im Maler- und Lackiererhandwerk, fordert die IG Bau weiterhin ein Lohn-Plus von 8 Prozent – das wäre etwa 1,50 Euro pro Stunde mehr. Die Gewerkschaft kritisiert, dass das Arbeitgeberangebot „mit Respekt vor den Beschäftigten rein gar nichts zu tun habe“. Sie weist darauf hin, dass nach dem Scheitern der Verhandlungen nun auch die Tarifverträge für die Auszubildenden und der Branchenmindestlohn auslaufen.

Arbeitgeber signalisieren weitere Gesprächsbereitschaft

Die Gewerkschaft hatte in den Verhandlungen zuletzt vorgeschlagen, einen „unabhängigen Schlichter zu berufen“, um aus der „vollkommen verfahrenen Situation wieder herauszukommen“. Diesen Vorschlag habe die Arbeitgeberseite allerdings „rundweg abgelehnt“.

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Doch warum? Beide Seiten hätten zum Schluss sehr nah beieinander gelegen, meint der Bundesinnungsverband. „Es ging lediglich noch um wenige Monate bei der Gesamtlaufzeit.“ Die Berufung eines Schlichters hätte jedoch bedeutet, „dass alle erreichten Annäherungen obsolet geworden wären“. Zudem seien die Arbeitgeber mit dem Kompromissvorschlag „bis an die Grenzen der wirtschaftlichen Belastbarkeit der Betriebe gegangen“. Mehr wäre auch mit einem Schlichter nicht möglich, betont der Arbeitgeberverband.

Trotz der gescheiterten Verhandlungen zeigt sich die Arbeitgeberseite offen für weitere Gespräche: Sie weist darauf hin, dass die Schlichtung theoretisch noch bis Samstag andauert und die Gewerkschaft somit noch einen Kompromissvorschlag vorlegen könne. Doch auch danach sei es möglich, „im beiderseitigen Einvernehmen eine neue Schlichtungsrunde“ einzuberufen.

Bundesinnungsverband: „Gewerkschaft steigt aus Lohnverhandlungen aus“

30. Januar 2025: Die dritte Verhandlungsrunde über einen neuen Lohntarifvertrag sind laut dem Bundesinnungsverband Farbe Gestaltung Bautenschutz ohne Ergebnis geblieben. Die Arbeitgeber hätten bei der Verhandlung am 29. Januar 2025 in Erfurt einen „substanziellen Vorschlag“ unterbreitet. Von der Gewerkschaft sei der jedoch „mit einer absichtlich überhöhten Forderung gekontert“ worden.

Wie der Bundesinnungsverband weiter mitteilte, habe die IG Bau angekündigt, die Gespräche für gescheitert zu erklären und die Schlichtung anzurufen. Aus Sicht vonMarkus Heineke, Verhandlungsführer des Bundesinnungsverbands, seien solche „taktischen Spielchen“ angesichts der „schwierigen konjunkturellen Lage kein gutes Zeichen“.

Wenn die Lohntarifverhandlungen einseitig für gescheitert erklärt werden, gehen die Tarifparteien laut Bundesinnungsverband in die Schlichtung. Wann es jetzt weitergeht, ist noch nicht klar.

Laut Carsten Burkhardt von der IG Bau haben die Arbeitgeber in der dritten Verhandlungsrunde einen neuen Tarifvorschlag  vorlegt, der habe für die Beschäftigten ein Plus von 37 Cent pro Stunde vorgesehen hätte. Aus Sicht der Gewerkschaft sei das deutlich zu wenig, schließlich hätten die Beschäftigten wegen der Inflation zuletzt einen Reallohnverlust von 8 Prozent hinnehmen müssen. Das Angebot der Arbeitgeber würde dagegen nur zu einem Lohnplus von 2 Prozent führen. „Das hat nichts mit Respekt und Wertschätzung für die Beschäftigten zu tun“, so Burkhardt. Deshalb habe die Verhandlungskommission der Gewerkschaft dem Bundesvorstand der IG Bau empfohlen, die Schlichtung einzuleiten.

Für den Ablauf der Schlichtung gibt es enge zeitliche Regeln. Burkhardt hofft, dass die Beschäftigten bis Mitte März Sicherheit haben, wie es für sie weitergeht.

Termin für die nächste Verhandlungsrunde steht

November 2024: Laut den Tarifpartnern im Maler- und Lackiererhandwerk soll die nächste Verhandlungsrunde am 29. Januar 2025 stattfinden.

In der zweiten Runde waren die Verhandlungen im November 2024 zuletzt gescheitert, da die Vorstellungen von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern zu weit auseinander lagen. Die Gewerkschaft fordert ein Plus von 8 Prozent und zeigte sich angesichts des 1,6- Prozent-Angebots der Arbeitgeber "fassungslos". Der Bundesinnungsverband Farbe spricht hingegen davon, dass die IG Bau „mit einer vollkommen unrealistischen Forderung in die Lohnverhandlungen gestartet“ ist. Mit einem vernünftigen Ergebnis sei daher kaum zu rechnen gewesen.

Ecklohn für Maler- und Lackierer: Arbeitgeberverband legt Tarifangebot vor

24. November 2024: Die Arbeitgeberseite wird in den Tarifverhandlungen vom Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz vertreten. Er hat einen ersten Tarifvorschlag vorgelegt, eine Anhebung des Ecklohns um 1,6 Prozent. Demnach würde der Ecklohn im Westen auf 19,17 Euro pro Stunde steigen. Für Beschäftigte im Osten und in Berlin würde der Arbeitgebervorschlag eine Anhebung auf 18,84 Euro bedeuten.

Neben der Erhöhung des Ecklohns haben die Arbeitgeber auch  die Zahlung einerInflationsausgleichsprämie in Höhe von 300 Euro zum Jahresende 2024 angeboten. Hinweis: Zwischen dem 6. Oktober 2022 und dem 31. Dezember 2024 hatten Arbeitgeber die Möglichkeit, ihren Mitarbeitenden eine steuer- und sozialabgabenfreie Inflationsausgleichsprämie zu zahlen. Nach aktueller Rechtslage ist das seit dem 1. Januar 2025 nicht mehr möglich.

Maler- und Lackiererhandwerk: Diese Forderungen hat die IG Bau

Juli 2024: Für die anstehenden Tarifverhandlungen im Maler- und Lackiererhandwerk fordert die Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt (IG Bau) eine Anhebung des bundesweiten Ecklohns von 8 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten.

Aktuell liegt der Ecklohn für die Beschäftigten im Westen bei 18,87 Euro pro Stunde und im Osten bei 18,44 Euro. Sollte sich die Gewerkschaft in den Tarifverhandlungen durchsetzen, würde der Ecklohn pro Stunde um 1,50 Euro steigen – also auf 20,37 Euro im Westen. Ein weiteres Ziel der IG Bau bei diesen Tarifverhandlungen ist, dass die Ost-West-Angleichung bei den Löhnen abgeschlossen wird.

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