Politik und Gesellschaft

Tarifstreit in der Gebäudereinigung: Darum geht es 2024

Auftakt zur Tarifrunde im Gebäudereinigerhandwerk: Die Gewerkschaft fordert 30 Prozent mehr Lohn und die Arbeitgeber legen kein Gegenangebot vor. Warum ist das so?

3 Min.21.11.2024, 01:00 Uhr (Aktualisiert am 10.02.2026, 15:14 Uhr)
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Tarifverhandlungen im Gebäudereinigerhandwerk gestartet: Das sind die Positionen von Arbeitgebern und Gewerkschaft.
Tarifverhandlungen im Gebäudereinigerhandwerk gestartet: Das sind die Positionen von Arbeitgebern und Gewerkschaft. photoguns - stock.adobe.com
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Auf einen Blick

Im Juni 2024 starteten die Tarifverhandlungen im Gebäudereinigerhandwerk.

Die erste Verhandlungsrunde endete ohne Ergebnis: Die Arbeitnehmerseite hatte unter anderem drei Euro mehr pro Stunde für alle Beschäftigten gefordert. Die Arbeitgeber wiesen das ab.

Update November 2024:

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Der Tarifvertrag im Baugewerbe ist gerade beschlossen, nun sind die Tarifverhandlungen im Gebäudereinigerhandwerk gestartet. Die erste Verhandlungsrunde haben die Industriegewerkschaft Bauen Agra Umwelt (IG Bau) und der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) ergebnislos abgebrochen.

Gebäudereinigung: Das fordert die Gewerkschaft

Bereits Ende Mai hatte die Gewerkschaft IG Bau ihre Forderungen für die Tarifrunde 2024 vorgelegt. Für Reinigungskräfte fordert sie:

Drei Euro mehr pro Stunde für alle Beschäftigten: Für die unterste Lohngruppe wäre das ein Stundenlohn von 16,50 Euro. Gewerkschaftsmitglieder sollen darüber hinaus ein 13. Monatseinkommen erhalten. Auch die Ausbildungsvergütungen sollen angehoben werden. So sollen Azubis im ersten Ausbildungsjahr 150 Euro mehr erhalten, im zweiten Ausbildungsjahr 200 Euro mehr und im dritten Ausbildungsjahr soll die Vergütung um 300 Euro angehoben werden.

Tarifforderung: Was würde das für Betriebe bedeuten?

Der Bundesinnungsverband hat nachgerechnet, was die Gewerkschaftsforderungen unterm Strich für Gebäudereinigerbetriebe bedeuten würden:

  • In der Lohngruppe 1 würde die Anhebung des Stundenlohns von 13,50 auf 16,50 Euro zu einem Plus von 22,22 Prozent führen.
  • Für Gewerkschaftsmitglieder käme noch ein 13. Monatseinkommen hinzu, dies wäre eine zusätzliche Lohnsteigerung um 8,33 Prozent.
  • Insgesamt würden sich der Forderungen der IG Bau somit auf mehr als 30 Prozent summieren.

Christian Kloevekorn vom BIV erklärte dazu: „Die Lohnforderung der IG BAU von mehr als 30 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten bewerten wir als eine Mischung aus Maßlosigkeit und Realitätsverweigerung.“ Aus diesem Grund habe die Arbeitgeberseite kein Gegenangebot vorlegen können. Zu eklatant sei der Abstand zwischen „den völlig überzogenen Visionen der IG BAU und dem Blickwinkel der Unternehmen“, so der Vorsitzende der BIV-Tarifkommission.

Tarifforderungen: Das sind die Kritikpunkte des Bundesinnungsverbands

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Der BIV kritisiert, dass die Gewerkschaft den wirtschaftlich schwierigen Kontext für das industrienahe Dienstleistungshandwerk völlig ausblende. So habe sich die Inflation gerade auch im Sinne der Beschäftigten normalisiert. Die Wirtschaftsprognose für Deutschland hingegen sei mager. Die Auftraggeber für Reinigungsdienstleistungen agierten merklich zurückhaltend und die Branchenstimmung der Unternehmen sei laut aktueller Frühjahrsumfrage des Bundesinnungsverbands gedämpft.

Aus Sicht von Kloevekorn war die Auftaktrunde „inhaltlich frustrierend“. Im September solle der nächste Verhandlungstermin in stattfinden. „In Runde zwei wünschen wir uns von der IG BAU eine Besinnung auf ein Mindestmaß an wirtschaftlicher Seriosität", sagte der Vorsitzende der BIV-Tarifkommission weiter.

Kein Verhandlungsergebnis: Das sagt die IG Bau

Auch die Gewerkschaft ist mit dem Verhandlungsverlauf nicht zufrieden. Die IG Bau hält die Forderung für die unterste Lohngruppe „mehr als angemessen“. „Nach einer jüngsten Erhebung ist die Branche mittlerweile am untersten Ende der Einkommensskala angekommen, im Schnitt werden 2.400 Euro brutto pro Monat bezahlt“, erläuterte Verhandlungsführerin Ulrike Laux. Zudem hätten die Gebäudereiniger bis heute „keinen Cent Inflationsausgleichsprämie“ bekommen.

September 2024: Wie geht es in der Tarifrunde weiter?

UPDATE: Bereits im Sommer hatten die Tarifparteien bekannt gegeben, dass sie die Verhandlungen im September 2024 fortsetzen würden. Inzwischen steht der Termin fest: Am 11. September wollen der BIV und die IG Bau in Frankfurt erneut zusammenkommen. Die Arbeitgeberseite gab bekannt, dass sich an den im April 2024 vorgelegten Forderungen der Gewerkschaft nichts geändert habe.

Beitrag vom 19. Juni 2024, aktualisiert am 21. November 2024.

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