Politik und Gesellschaft

„Veggie-Schnitzel“-Debatte: „Sprachverbote gehen am Markt vorbei“

Das EU-Verbot für „Veggie-Wurst“ spaltet: Wir haben im Fleischerhandwerk nachgefragt und zwei ganz unterschiedliche Antworten bekommen.

2 Min.13.10.2025, 02:00 Uhr (Aktualisiert am 17.03.2026, 12:47 Uhr)
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Beschreibung wie „Vegane Bratwurst“ soll nach der Abstimmung des EU-Parlaments nicht mehr für vegane oder vegetarische Alternativen genutzt werden.
Beschreibung wie „Vegane Bratwurst“ soll nach der Abstimmung des EU-Parlaments nicht mehr für vegane oder vegetarische Alternativen genutzt werden. Olga Yastremska, New Africa - stock.adobe.com
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Das EU-Parlament hat entschieden: Begriffe wie Wurst , Steak und Schnitzel sollen künftig nicht mehr für vegane und vegetarische Alternativen genutzt werden dürfen. Das sogenannte „Veggie-Schnitzel“-Verbot sorgt vor allem in den sozialen Medien für ordentlich Diskussionstoff. Wir haben das zum Anlass genommen und im Fleischerhandwerk nachgefragt.

Vegane Ersatzprodukte: Das sagt der Deutsche Fleischer-Verband

Der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) befürwortet ausdrücklich die Entscheidung des Europäischen Parlaments. Die Berichterstattung über den EU-Entscheid werde aus Sicht des DFV zu einseitig und unsachlich geführt. „Eine Auseinandersetzung mit den zutreffenden Gründen, die für eine solche Einschränkung sprechen, erfolgte nicht“, heißt es in einem Statement des DFV.

„Zuallererst, das Fleischerhandwerk hat nichts gegen vegane und vegetarische Produkte“, betont DFV-Justiziar Thomas Trettwer. Außerdem sei kein Verbot von vegetarischen oder veganen Erzeugnissen vorgesehen. „Nur die Verwendung der Originalbezeichnung der Fleischprodukte ist für vegane Alternativen ausgeschlossen“, sagt der Jurist.

Trettwer ergänzt: „Die Fleischer haben Leitsätze und Vorgaben, an die sie sich halten müssen, um beispielsweise eine Salami ‚Salami‘ nennen zu dürfen.“ Eine Ergänzung von „vegan“ dürfe die bestehenden Vorgaben beim Namensschutz nicht aushebeln. Trettwer sieht allerdings noch ein weiteres Problem: „Wenn er Name von veganen Produkten auf ein Fleischerzeugnis anspielt, suggeriert das eine Gleichwertigkeit, die es ernährungsphysiologisch nicht gibt.“ Schließlich enthalten Fleischprodukte andere Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe als vegane Erzeugnisse.

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Fleischermeister: „Kunden orientieren sich an Zubereitungsart, nicht an Ideologie“

Fleischermeister Eric Handke von der Fleischerei Handke in Hannover sieht die geplante Namensregelung für vegane Produkte gelassen: „Mir persönlich ist es relativ egal, wie die Produkte heißen“, erklärt er. Die Fleischerei Handke hat eine große Auswahl an veganen Produkten im Sortiment. Dem Fleischermeister zufolge habe der Name von diesen Produkten keinen Einfluss auf das Geschäft, denn die Nachfrage nach veganen und vegetarischen Alternativen sei da.

Viele Endverbraucher würden diese Produkte aus verschiedenen Gründen kaufen – sei es weniger Tierleid, Gesundheit, Neugier auf neue Produkte oder Nachhaltigkeit. Der Geschmack solle dabei an das tierische Original herankommen. Genau deshalb seien die Bezeichnungen wie „vegane Bratwurst“ oder „veganes Schnitzel“ auch sinnvoll, meint der Fleischermeister. „Die Kunden wissen durch den Namen sofort, wie sie das Produkt zubereiten und verwenden können. Das ist eine praktische Orientierung, keine Täuschung“, so Handke.

Sein abschließendes Fazit: „Sprachverbote gehen am Markt vorbei. Der Kunde wird am Ende eh ‚vegane Bratwurst‘ sagen.“

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