Zukunft Handwerk 2025

„Zu viel Bürokratie!“ – Habeck gesteht Fehler ein, Söder gibt sich als Handwerks-Buddy

Auf der Eröffnung der „Zukunft Handwerk“ diskutierten Habeck und Söder über Bürokratie, Kosten und Fachkräftemangel – doch das Handwerk fordert Taten.

3 Min.13.03.2025, 01:00 Uhr (Aktualisiert am 10.02.2026, 11:31 Uhr)
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Es diskutierten über die Zukunft der Politik und die Forderungen des Handwerks: Robert Habeck, Markus Söder, Jörg Dittrich und Franz Xaver Peteranderl.
Es diskutierten über die Zukunft der Politik und die Forderungen des Handwerks: Robert Habeck, Markus Söder, Jörg Dittrich und Franz Xaver Peteranderl. Zukunft Handwerk
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Zum Auftakt der „Zukunft Handwerk“ und der Internationalen Handwerksmesse in München wurde deutlich: Das Handwerk steht unter Druck – und die Politik steht in der Pflicht. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sprach von einer „Zeitenwende“ für Deutschland, während Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck Bürokratie-Fehlentwicklungen einräumte. Doch für echte Entlastung braucht es mehr als Worte.

Handwerk als Rückgrat der Wirtschaft

Handwerkspräsident Jörg Dittrich (ZDH) und Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, machten bei der Eröffnung der Messe unmissverständlich klar: Die Politik muss das Handwerk stärker entlasten, um den Wirtschaftsstandort Deutschland zu sichern. Besonders die Themen Bürokratieabbau, Fachkräftemangel und wirtschaftliche Planungssicherheit standen im Fokus.

CSU-Chef Söder positionierte sich als „Buddy des Handwerks“ und betonte die Bedeutung der Familienbetriebe: „Unser Rückgrat sind nicht Börsengiganten oder Staatsunternehmen – es ist das Handwerk.“ Er forderte konkrete Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten: „Steuern runter, Bürokratie abbauen, Erbschaftssteuer anpassen – sonst scheitern wir.“

Zugleich warnte er vor einem Vertrauensverlust in die Politik: „Wir brauchen mutige Entscheidungen, nicht nur den kleinsten gemeinsamen Nenner.“ Ein wichtiger Punkt: Betriebsübergaben müssen erleichtert werden, damit Handwerksbetriebe langfristig erhalten bleiben.

Habeck gesteht Bürokratie-Probleme ein

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hob in seiner Rede die gesellschaftliche Bedeutung des Handwerks hervor: „Handwerker setzen um, was Politiker beschließen – sei es Energiewende oder Infrastruktur. Ohne Handwerker geht nichts.“ Besonders lobte er das Handwerk als „Integrationsmotor“, der Menschen in den Arbeitsmarkt bringt.

Doch Habeck gestand auch ein, dass die Politik bei der Bürokratie versagt habe: „Wir haben uns mit Bürokratie selbst eingemauert.“ Ein Beispiel: „Bäckereien müssen die Kühlkette dokumentieren, obwohl die Ware längst verkauft ist. Das ist Unsinn.“ Sein Versprechen: Genehmigungsverfahren und Datenschutzvorschriften sollen verschlankt werden.

Ein weiteres drängendes Problem: der Fachkräftemangel. „100.000 Betriebe pro Jahr stehen vor der Aufgabe, wenn es keine Nachfolger gibt“, so Habeck. Die Politik müsse mehr für die Attraktivität des Handwerksberufs tun.

Bauwirtschaft fordert Planungssicherheit

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Die Bauwirtschaft leidet besonders unter unsicheren politischen Rahmenbedingungen. Franz Xaver Peteranderl machte deutlich: „Ohne Verlässlichkeit droht ein wirtschaftlicher Kollaps.“ Ein Milliarden-Infrastrukturprogramm soll Abhilfe schaffen, aber das allein reicht nicht. „Ein Einfamilienhaus braucht nicht die gleichen Vorschriften wie ein Großprojekt. Wir ersticken in Bürokratie“, kritisierte er.

ZDH-Präsident Dittrich zog ein ernüchterndes Fazit: „Die Ampel hat Bürokratieabbau versprochen – umgesetzt wurde kaum etwas.“ Er forderte eine Politik, die auf Marktwirtschaft statt auf Gängelung setzt: „Steuern runter, Sozialabgaben unter 40 Prozent, mehr Vertrauen in die Betriebe.“

ZDH-Präsident Jörg Dittrich zog ein ernüchterndes Fazit zur Ampelregierung und forderte von der neuen Regierung eine Politik, die auf Marktwirtschaft statt auf Gängelung setzt.

Energiepreise und Ausbildung im Fokus

Einigkeit bestand zwischen Söder und Habeck bei der Energiepolitik: „Stromsteuer und Netzentgelte müssen runter, damit die Energiekosten tragbar bleiben“, forderte Habeck – Söder pflichtete ihm bei.

Auch das Ausbildungssystem wurde thematisiert. Die duale Ausbildung sei weltweit Vorbild, müsse aber gestärkt werden. „Moderne Bildungszentren und kostenfreie Meisterkurse sind essenziell“, so Söder. Habeck ergänzte: „Ohne sie können wir den Nachwuchs nicht begeistern.“

Handwerk fordert konkrete Maßnahmen

Die Botschaft aus München ist klar: Das Handwerk erwartet von der Politik mehr als Ankündigungen. Ob die nächste Bundesregierung die notwendigen Reformen umsetzt, bleibt abzuwarten – für viele Betriebe zählt jedoch jeder Tag.

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