Strategie

Führen mit Humor, Planen mit Weitsicht

Während ihre Mitarbeitenden das Tagesgeschäft stemmen, entwickelt Karen Meier-Bunge ihr Unternehmen täglich weiter – dazu gehört auch die lockere Art, mit dem Team umzugehen.

4 Min.23.07.2024, 02:00 Uhr (Aktualisiert am 10.02.2026, 14:15 Uhr)
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„Hier soll auch gelacht werden“: Nach diesem Motto führt Karen Meier-Bunge ihren Betrieb.
„Hier soll auch gelacht werden“: Nach diesem Motto führt Karen Meier-Bunge ihren Betrieb. Christian Schwier
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Auf einen Blick

Stillstand gibt es für Karen Meier-Bunge nicht. Die 31-Jährige arbeitet täglich an dem Landtechnik-Betrieb, den sie vor gut einem Jahr von ihrem Vater übernommen hat.

Ideen und Anregungen holt sich die Unternehmerin aus anderen Betrieben und Netzwerken.

Ihre Mitarbeitenden haben oberste Priorität – deshalb bezieht sie sie in Entscheidungen mit ein und legt großen Wert auf einen Führungsstil auf Augenhöhe und Wertschätzung.  

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„Das war schon immer so!“ oder „Warum machen wir das jetzt anders?“ gibt es bei Meier-Bunge Landtechnik in Wagenfeld nicht. Die junge Inhaberin entwickelt den Familienbetrieb „jeden Tag ein Stück weiter“. „Wir arbeiten in einer innovativen Branche. Wenn wir Neuerungen einführen, wägen wir ab: Wie bringt es uns in unserer täglichen Arbeit weiter? Was übernehmen wir und was nicht?“, sagt Karen Meier-Bunge.

Sie schaue mit allen in die gleiche Richtung – nach vorn. „Entweder ich habe eine Idee und gebe sie in das Team oder wir arbeiten gemeinsam an einem Vorschlag“, sagt sie. Die flexiblen Strukturen und kurze Entscheidungswege erleichtern die Arbeit: „Wir sind glücklicherweise keine Behörde.“

Der Führungsstil macht den Unterschied

Der 31-Jährigen ist bewusst, dass die Schuhe ihres Vaters sehr groß sind. Dennoch hat Karen Meier-Bunge seit der Übernahme vor gut einem Jahr mutig den Führungsstil verändert. „Es gibt schon immer einen engen Zusammenhalt, darauf habe ich aufgebaut“, sagt sie. An erster Stelle schaue sie, was das Beste für den Betrieb ist und nicht, „wer sein Ego am besten durchsetzen kann“. „Ich sage niemals, ‚Ich bin die Chefin und du musst das machen‘, dieser Stil liegt mir fern“, betont Meier-Bunge.

In ihrem Betrieb soll sich jeder wertgeschätzt fühlen und wissen, dass seine Stimme gehört wird. „Um das zu erreichen, gehe ich jeden Tag mit offenen Augen durch die Firma“, sagt sie. Gibt es Probleme, ist ihr wichtig, nachzufragen und Interesse zu zeigen. Gespräche mit Mitarbeitenden führe sie nicht nur hinter verschlossener Tür in ihrem Büro, sondern auch in der Werkstatt oder am Telefon . Mindestens einmal pro Woche sehe sie jeden Mitarbeiter persönlich.

Jeder von ihnen dürfe Kritik äußern. Die Unternehmerin legt Wert auf einen ehrlichen und loyalen Umgang sowie auf ein respektvolles Miteinander von Jungen und Älteren. Aber noch etwas mache ein modernes Unternehmen aus: „Hier darf und soll auch gelacht werden“, sagt die Chefin von 70 Mitarbeitenden – 15 im eigenen Familienbetrieb, die anderen in einem Landtechnik-Unternehmen, das die Familie vor sieben Jahren übernommen und weiterentwickelt hat. Führen mit Humor liegt der Unternehmerin am Herzen, das dürfe im Tagesgeschäft nie zu kurz kommen.

Mitarbeitende langfristig binden

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Ihre Art zu führen zahle vor allem auf ein Ziel ein: „Ich möchte unsere Mitarbeitenden emotional und vor allem langfristig binden“, sagt Meier-Bunge. Sie weiß: Es kostet Zeit und Geld, bis jemand so weit ist, dass er Prozesse versteht, fachlich fit ist und ins Team passt. Genau daran arbeitet sie jeden Tag: „Mir hilft dabei ein ehrlicher Blick in den Spiegel. Dann frage ich mich: Was kann ich noch besser machen?“, erklärt sie.

Damit sich junge Menschen für ihren Betrieb interessieren, stelle sie die Stärken des Familienunternehmens in den Fokus: vom Engagement für Aus- und Weiterbildung bis zum Bürohund . „Wir kleineren Betriebe müssen uns nach außen besser präsentieren“, ist Meier-Bunge überzeugt. Sie nutzt dazu Social-Media-Kanäle und ergänzend die Website als Marketinginstrumente.

Das trage Früchte: Zwei bis vier junge Menschen bildet der Betrieb pro Jahr aus und versucht, sie danach zu halten. „Jeder hat die Freiheit, sich selbst zu verwirklichen. Aber es muss innerhalb der Grenzen passieren, die die Unternehmensstrategie vorgibt“, sagt sie. Nur mit Mitarbeitern, die Lust haben, Verantwortung zu übernehmen oder sich weiterzuentwickeln, könnten auf lange Sicht auch anspruchsvolle Kundenwünsche erfüllt werden.

Pluspunkt: Die Außensicht auf den Betrieb

Wovon die Unternehmerin besonders profitiert: „Ich bin nicht im Tagesgeschäft involviert.“ Ihre fünf Teams seien so aufgestellt, dass es klare Zuständigkeiten gibt. Anstatt täglich mitzumischen, könne sie sich auf die strategische Weiterentwicklung konzentrieren. Dafür tauscht sie sich mit Kollegen aus, besucht Messen und Verbandsveranstaltungen. Ein großes Netzwerk habe sie im Verband der jungen Unternehmer, für den sie sich ehrenamtlich engagiert.

„Es gibt viele neue Ideen, die ich von außen mitbringe“, sagt Meier-Bunge. Es sei spannend zu sehen, wie andere Unternehmen Themen angehen und Probleme lösen. Sie jedenfalls wolle sich nicht auf Erfolgen ausruhen, sondern selbst bewerten, was für ihren Betrieb gut passt. „Ich will schneller sein als die anderen, sonst hänge ich hinterher“, beschreibt sie ihren Anspruch. Dabei habe sie keine Angst, nach vorne zu schauen, und nehme jede Herausforderung an. „Das habe ich von meinem Vater gelernt.“

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Martina Jahn
Martina Jahn

Autor für IT und Gewerke