Fuhrpark

Ist der neue VW Transporter eine Ford-Mogelpackung?

VW stellt seine Nutzfahrzeugsparte neu auf und trennt das Van-Life und Lifestyle-Geschäft von den reinen Transportern. Diese stammen allerdings künftig von Ford – von der ersten bis zur letzten Schraube.

5 Min.24.09.2024, 02:00 Uhr (Aktualisiert am 10.02.2026, 13:59 Uhr)
Motorhaube und Stoßfänger sollen zeigen, dass es sich beim neuen Transporter um einen Volkswagen handelt. Der Rest des Fahrzeugs trägt allerdings die Handschrift des Ford Transit Customs.
Motorhaube und Stoßfänger sollen zeigen, dass es sich beim neuen Transporter um einen Volkswagen handelt. Der Rest des Fahrzeugs trägt allerdings die Handschrift des Ford Transit Customs. Volkswagen Nutzfahrzeuge
Anzeige

Auf einen Blick

VW teilt das „Bulli-Geschäft“ in drei Sparten auf. „Van-Life“ wird mit Reisemobilen als eigene Marke etabliert, der ID.Buzz  wird die Lifestyle-Variante des Personentransports, der Transporter verabschiedet sich von der VW-Technik.

Ford soll den neuen VW Transporter in der Türkei bauen. Er nutzt dann auch Motoren und Getriebe von Ford.

Die Entscheidung wirft auf Fragen zum künftigen Service für den VW Transporter auf. 

Anzeige

Die Transporter von VW sind Kult und nahezu überall anzutreffen: Ob als schwer beladenes Handwerkerfahrzeug, als Fahrzeug zur Auslieferung, als hochwertig ausgestatteter Personentransporter „Multivan“ oder als Campingmobil der „California“-Baureihe, die Fernweh und Lifestyle bietet – der VW Bulli ist aus dem Straßenbild nicht wegzudenken. Umso unverständlicher ist der neueste Schritt aus Wolfsburg, das „Bulli-Geschäft“ künftig in drei Sparten zu führen.

Künftig Modellbrüder: Der  neue VW Transporter wird wie der Transit Custom bei Ford Otosan in der Türkei gebaut.

California wird eigene Marke

Vor Kurzem wurde bekannt, dass VW das „Van-Life“ Geschäft mit den Reisemobilen als eigene Marke etablieren möchte . Angesichts des Kultfaktors eine nachvollziehbare Entscheidung. Der T6.1 Transporter ist derzeit nur noch als Gebrauchtfahrzeug erhältlich, obwohl der neue T7-Transporter auf Basis des Modularen Querbaukastens (MQB) nur bedingt für die Nutzung als Reisemobil geeignet ist. Im Markt gibt es unbestätigte Gerüchte, dass man mittelfristig wieder eine eigene Transportervariante für diese Nutzung plant und entwickelt.

Das elektrische Retromodell ID.Buzz, welches technisch auf der Plattform des Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) basiert und damit technisch mit den Stromern der ID-Baureihe verwandt ist, wird die Lifestyle-Variante des Personentransports. Zwar wird auch eine Cargo-Variante angeboten, allerdings ist diese nur mit dem kurzen Radstand erhältlich. Da sie zudem preislich relativ teuer ist und nur über eine geringe Zuladung und Reichweite verfügt, wird sie den klassischen Transporter wohl kaum ersetzen.

VW Transporter made by Ford Otosan

Und der neue Transporter? Der wird beim Ford, genauer gesagt bei der Ford-Tochter „Ford Otosan“ in der Türkei gebaut, die schon jetzt alle Nutzfahrzeuge inklusive des Trucks Ford F-Max liefert. Schon auf den ersten Pressebildern lässt sich die Linienführung des Ford Transit Custom nicht verleugnen, insbesondere die Kurve am hinteren „Fenster“ verrät den Transporter „made in Turkey“.

Auch bei der Technik hat man sich bei Volkswagen Nutzfahrzeuge das Leben leicht gemacht. Während man beim großen VW Crafter, dessen erste Generation gemeinsam mit dem Mercedes Sprinter gefertigt wurde, die eigenen TDI-Motoren anstelle der Mercedes-Triebwerke verbaut, hat man sich beim neuen Transporter den technischen Integrationsaufwand schlichtweg geschenkt. „Die Motoren stammen von unserem Kooperationspartner“, bestätigt VW-Nutzfahrzeuge auf Anfrage. Damit können die Kunden zwischen drei klassischen Zweiliter-Dieseln wählen: 81kw/110 PS, 110 kW/150 PS oder 125 kW/170 PS. Dass die Eco-Boostmotoren nicht frei von Fehlern sind, lesen Sie bei unseren Kollegen von der AMZ .

Auch bei den Getrieben wird der geneigte VW-Enthusiast schnell stutzig. So bietet man wahlweise eine Handschaltung mit sechs Gängen oder ein automatisches 8-Gang-Getriebe an. Dabei weiß der Auto-Experte doch genau, dass VW durchweg auf die eigenen DSG-Getriebe mit sechs oder sieben Gängen setzt. Die Automatik ist eine Eigenentwicklung von Ford beziehungsweise eine Abwandlung eines 9-Gang-Automatikgetriebes von General Motors, das um einen Gang reduziert und in der Spreizung an die Drehzahlen der Dieselmotoren angepasst wurde. Das Handschaltgetriebe sowie der permanente Allradantrieb wird ebenfalls von den Ford-Modellen übernommen, auch wenn VW die Technik als 4motion vermarktet.

Neben der klassischen Baustellenversion mit nicht lackiertem Stoßfänger wird auch eine etwas höherwertigere Version als e-Caravelle angeboten. Auch hier stammt der E-Antriebsstrang von Ford, der 100 kW (136 PS), 160 kW (218 PS) oder 210 kW (286 PS) leistet. Die Kapazität ihrer Batterie beträgt 64 kWh (netto), zudem wird auch eine Plug-in-Hybridversion erhältlich sein.

Die Verwirrung beim Kunden wird perfekt

Anzeige
Als hochwertigere Version „e-Caravelle“ mit durchgefärbtem Stoßfänger und E-Antrieb ist der neue Transporter ebenfalls erhältlich.

Für kurzfristige Vertriebserfolge wird der Zukauf des Transit gut funktionieren – genug Kunden werden das Fahrzeug kaufen, weil das VW-Zeichen auf ihm prangt. Auch ist der Transit im Transportgewerbe allgegenwärtig und damit mehr als erprobt und mit seinem Preis-/Leistungsverhältnis ein gutes Fahrzeug. Eines ist er aber nicht: ein VW Transporter!

So verzettelt man sich mit verschiedenen Fahrzeugen, die eigentlich das gleiche Segment bedienen. Beispiel hochwertiger Personentransport: Hier bietet Volkswagen künftig gleich drei Fahrzeuge an: Den eigenen T7-Transporter auf MQB-Basis, den ID.Buzz  mit ebenfalls bis zu sieben Sitzen und zusätzlich die neue Caravelle-Version auf Basis des Ford Transits.

Gleiches gilt für die E-Fahrzeuge, bei denen künftig im eigenen Haus die e-Caravelle mit dem ID.Buzz konkurriert. Gegenüber dem Kunden ist das mehr als verwirrend, zumal er mit der e-Caravelle ein völlig anderes Fahrzeug mit eigenem Antrieb, eigener Software und eigenem Ökosystem bekommt. Wenn VW künftig OTA-Updates an die ID-Flotte verteilt, dürfte der Transporter ausgeklammert sein und andersherum.

VW tappt damit wie Ford ist die Modellfalle – man hat alles auf die Karte der Elektromobilität gesetzt und steht nun ohne passende Modelle für die tatsächliche Nachfrage da. Ein Nachfolger für den „echten“ Bulli T6.1 ist nicht geplant – dabei ist er Stand heute in Form und Funktion unersetzbar. Weder durch den T7 auf Pkw-Basis, noch durch den ID.Buzz oder den Ford Transit „Transporter“, wobei ausgerechnet letzterer die besten Chancen hat. Kein gutes Zeichen für VW Nutzfahrzeuge.

Neue Probleme im Service

Auch im Service trennen Ford und VW Welten. Auch wenn wir hier nicht über die Qualität dieses oder jenen Bauteils streiten wollen, aber wer lange an den Fahrzeugen einer Marke arbeitet, kennt die verwendeten Schlüsselweiten und Werkzeuge für Unterbodenverkleidungen, Ablassschrauben und typische Schraubenkombinationen auswendig. Arbeitet man nun plötzlich an der „Fremdmarke“, fällt einem sofort auf, wie unterschiedlich verschiedene Hersteller die gleichen Probleme adressieren.

So richtig spannend wird es jedoch erst bei der Diagnose – werden die Ford-Fahrzeuge vollends in das VAG-Com-System integriert? Man kann es sich Stand heute nicht vorstellen, zu unterschiedlich arbeiten Ford und VW heute bei der Daten- und Fehleraufbereitung ihrer Fahrzeuge. Wenn man künftig den VW-Kunden in Spezialfällen an das Ford-Autohaus verweisen muss, ist das Chaos perfekt.

Ersatzteile mit VW-Zuschlag?

Ein weiterer Aspekt betrifft die Ersatzteilpreise: Wenn ein Auto von zwei Herstellern angeboten wird, gibt es meistens eine gewisse Differenz zwischen den Teilepreisen, die für die identischen Komponenten aufgerufen werden. Wir haben hierzu noch keine Informationen vorliegen, jedoch ist davon auszugehen, dass VW den Transporter höher bepreisen wird als die Konkurrenz aus Köln, entsprechend schlägt dies zumeist auch bei den Ersatzteilen durch. 

Anzeige