Nachfolge im Handwerk

Vom Mitarbeiter zum Chef: „Die unabhängige Beratung war wichtig“

Die Voraussetzungen waren gut für eine Nachfolge. Doch für Marcel Dieckmann spielten bei der Übernahme des Arbeitgeber-Betriebs viele Faktoren eine Rolle.

2 Min.19.05.2025, 02:00 Uhr (Aktualisiert am 10.02.2026, 11:09 Uhr)
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Führen gemeinsam den Betrieb: Tanja und Marcel Dieckmann.
Führen gemeinsam den Betrieb: Tanja und Marcel Dieckmann. Dirk Lebeda / HWK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim
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Auf einen Blick

Nach 30 Jahren im Betrieb bot sich Handwerksmeister Marcel Dieckmann die Chance, seinen Arbeitgeber-Betrieb zu übernehmen. Doch die ersten Gespräche blieben ohne Ergebnis.

Die Unterstützung der Handwerkskammer brachte die Wende: Ein klarer Übernahmefahrplan brachte Struktur und Klarheit in den Prozess. Und dann ging alles ganz schnell.

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Marcel Dieckmann arbeitete schon seit 30 Jahren bei Holzbau Wagemester , als sein Chef ein großes Thema ansprach: Ob er sich vorstellen könnte, den Betrieb zu übernehmen? Er selbst wolle aufhören. Ein anderer Nachfolger sei nicht in Sicht.

Marcel Dieckmann und seine Frau Tanja machten sich die Entscheidung nicht leicht, auch wenn die Voraussetzungen gut waren: Er kannte den Betrieb gut, die Kunden und das Team. Tanja Dieckmann könnte sich mit ihrer kaufmännischen Ausbildung um Einkauf und Buchhaltung kümmern. „Ich wollte außerdem nach so langer Zeit im Betrieb ungern wechseln“, sagt der 46-Jährige.

Nach einem halben Jahr war die Übernahme perfekt

Doch die ersten Gespräche mit dem alten Chef blieben ohne Ergebnis. „Wir haben dann die Handwerkskammer mit an den Tisch geholt“, berichtet Dieckmann. „Für mich war es wichtig, eine unbeteiligte Person mit dabei zu haben, die auch weiß, wie man so eine Übergabe angeht und wie es am besten läuft.“ Schließlich seien viele Details zu klären und nicht zuletzt auch wichtige finanzielle Fragen. Ein genauer Fahrplan wurde aufgestellt und Schritt für Schritt abgearbeitet. Schon nach einem halben Jahr war die Übernahme perfekt: Seit Sommer 2023 leiten die Dieckmanns den Betrieb.

Für Marcel Dieckmann war wichtig, dass nicht nur der alte Inhaber, sondern auch das Team ihn als neuen Chef akzeptiert . „Ich habe die anderen gefragt, ob sie bleiben, wenn ich übernehme – ohne Leute hätte ich ja nicht weitermachen können.“ Bewusst habe er auch den Namen Holzbau Wagemester beibehalten, „das war für den Kundenstamm besser“.

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Neue Kooperationen halfen beim Wachstum des Betriebs

Doch es hat sich auch vieles verändert: „Wir haben ein bisschen Gas gegeben“, drückt Dieckmann es aus. Mehr Marketing, auch über Social Media, und neue Geschäftsfelder sorgten für mehr Arbeit und ein wachsendes Team. Von drei stieg die Zahl der Mitarbeitenden auf neun. Zu den Holzbauleistungen rund ums Dach kamen Dachdecker- und Dachklempnerarbeiten. Seit einem Jahr setzt Holzbau Wagemester auch Photovoltaikanlagen in Kooperation mit einem Nachbarbetrieb auf die Dächer. Neuestes Projekt sind Holzrahmenbauhäuser. „Das haben wir bislang nur für kleinere Ferienhäuser gemacht, jetzt kommt das erste Einfamilienhaus.“

Noch viel weiter wachsen soll der Betrieb nicht: „Wir wollen ein Familienbetrieb mit im Schnitt zehn Mitarbeitern bleiben“, betont Dieckmann. Dazu passt, dass auch die Tochter schon im Betrieb mitarbeitet. Die gelernte Tischlerin sattelt die Ausbildung zu Zimmerin obendrauf und will auch ihren Meister machen. „15 bis 20 Jahre möchte ich den Betrieb bestimmt noch führen“, sagt Dieckmann. Aber wenn dann mit der Tochter eine Nachfolgerin aus der Familie bereitstehe, wäre das für ihn die optimale Lösung.

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